Olten
Buchhandlung Klosterplatz zügelt in die Innenstadt – der zu hohe Mietzins ist ein Grund dafür

Die Buchhandlung Klosterplatz gibt den bisherigen Standort an der Hauptgasse 6 auf und zügelt nächsten Februar 2020 von der Alt- in die Innenstadt. Das Inhaber-Ehepaar Anita und Christian Meyer machen dafür mehrere Gründe geltend.

Fabian Muster
Merken
Drucken
Teilen
Anita und Christian Meyer ziehen zum dritten Mal um, seit sie die Buchhandlung vor 25 Jahren übernommen haben.

Anita und Christian Meyer ziehen zum dritten Mal um, seit sie die Buchhandlung vor 25 Jahren übernommen haben.

Bruno Kissling

«Eigentlich ist das verrückt, was wir nochmals auf uns nehmen», sagt Christian Meyer gleich zu Beginn des Gesprächs. Jeder Handgriff sitze, alles habe sich hier eingespielt und noch rund zehn Jahre bis zur Pensionierung – und trotzdem haben der 56-Jährige und seine 55-jährige Frau Anita entschieden, den Standort an der Hauptgasse 6 nach 20 Jahren zu verlassen. Die Buchhandlung Klosterplatz, die das Ehepaar seit einem Vierteljahrhundert gemeinsam führt, zügelt nächsten Februar von der Alt- in die Innenstadt. Das frühere Geschäft Lederwaren Zimmermann an der Konradstrasse wird die neue Heimat – der grössere Mitbewerber auf dem Platz Olten, die Buchhandlung Schreiber, fast in Sichtweite.

Hinweis

Anita und Christian Meyer sind seit 25 Jahren Inhaber der Buchhandlung Klosterplatz und feiern dieses Jubiläum am Samstag, 30. November, mit ihren Kunden: Es gibt einen Apéro und zehn Prozent Rabatt auf das ganze Sortiment.

Es sei eine Vielzahl von Gründen, die den Entscheid begünstigt hätten: Die Miete war in ihren Augen zu hoch, die Laufkundschaft ist nach dem Wegzug vieler Fachgeschäfte aus der Altstadt stark zurückgegangen und vor drei Jahren zügelte ausserdem die Jugendbibliothek ins Stadthaus. Ausserdem stimmte die Chemie mit dem neuen Hausbesitzer nicht. Nicht zuletzt hat aber auch die massive Taubenplage gestört. «Sie haben uns diesen Sommer im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf geschissen», sagt Christian Meyer ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Bis zu einer halben Stunde pro Tag hätten sie in die Reinigung investiert. «Seit ich die Kündigung verschickt habe, gab es keinen Taubenkot mehr.» Meyer spricht in dieser Hinsicht von einem «Fingerzeig», der darauf hinweise, dass etwas Neues kommen müsse. Und wie es der Zufall will, läuft just 2020 auch der mehrjährige Vertrag aus. «Das haben wir vor dem Umzugsentscheid gar nicht gewusst», sagt Meyer.
Die Vorteile mit dem neuen Standort stechen gleich ins Auge: ein um 700 Franken tieferer Mietzins und mit dem Laden an der Durchgangsstrasse eine höhere Wahrscheinlichkeit für mehr Laufkundschaft. Meyers möchten mit dem Umzug auch die Chance packen, um Eingespieltes zu überdenken und neue Schwerpunkte zu setzen. «Ich freue mich drauf», sagt Anita Meyer. Sie spricht von einem «Energieschub», welchen der Umzug auslöse. Ihr Mann hat «Tausend Ideen» und zählt ein paar auf, ohne sich schon darauf festlegen zu wollen.
Was bereits jetzt klar ist: Im neuen Lokal am Munzingerplatz 2 hat die Buchhandlung mehr Platz für Lesungen. «Im ersten Stock gibt es voraussichtlich extra einen Raum dafür», sagt Anita Meyer. Zudem sei es «eine spannende Herausforderung, den Raum gestalterisch neu zu bespielen», sagt Christian Meyer. Auch das Angebot soll angepasst werden: Zwar wollen sich die Inhaber wie bisher auf christliche Literatur inklusive dazugehöriger Devotionalen fokussieren sowie auf die grosse Auswahl an Karten mit verschiedenen Motiven. Ein weiterer Zweig sind Kinder-, Jugend- und Geschenkbücher sowie Oltner Autoren. Ausgemustert werden könnten indes die Musik-CDs, für die es keine Nachfrage mehr gibt.

Noch fehlen rund 20'000 Franken für Investitionen

Anita und Christian Meyer zügeln bereits zum dritten Mal, seit sie die Buchhandlung Anfang 1994 von seinen Eltern übernommen haben. Damals war der Laden seit der Gründung im Jahr 1926 noch am Klosterplatz 3 zu Hause – daher der Name des Geschäfts. Sechs Jahre domizilierte die Buchhandlung dann an der Zielempgasse 16, am heutigen Standort des Blumenladens Allerart. «Für den Umzug brauchten wir jeweils nur einen Tag», erzählt Christian Meyer nicht ohne Stolz.
Im nächsten Februar wird der Transport wegen des grösseren Inventars und des längeren Wegs etwas umfangreicher. Mehr Kopfzerbrechen bereitet den beiden allerdings die nötigen Investitionen am neuen Standort, die sie selbst übernehmen müssen. Rund 20'000 Franken sind aufzuwerfen, etwa für die Installation einer Internetverbindung. Geld, das derzeit nicht vorhanden ist. «Wir müssen uns noch etwas einfallen lassen, wie wir zu diesem Kapital kommen», sagt Meyer.

Denn im Schweizer Buchhandel ist der Preiskampf hart. Die Marge im Gewerbe ist seit der Aufhebung der Buchpreisbindung im Mai 2007 und des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 zurückgegangen. «Die runtergeschriebenen Bücher verkaufe ich unter dem Einkaufspreis», sagt Meyer. Bleibt unter dem Strich etwas übrig, wird es gleich wieder in den Laden investiert. Ein grösseres finanzielles Polster konnten sich Meyers daher in den letzten Jahren nicht erwirtschaften.