Der umstrittene Satiriker Andreas Thiel, der mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnete Schweizer Schriftsteller Rolf Lappert oder die Oltner Theaterkabarettisten Rhaban Straumann und Matthias Kunz als Ruedi & Heinz: Unter anderem mit diesen Künstlern startet das Oltner Buchfestival am 19. Oktober gleich mit einem Highlight, dem Solothurner Müsterli-Abend.

Sieben Künstler respektive Künstlerpaare, die alle mit dem Kanton biografisch verbunden sind, werden je dreimal zeitgleich an sieben unterschiedlichen Standorten in der Stadt auftreten. Am Schluss kommen alle nochmals in der Schützi zusammen.

«Wir wollten mit einem attraktiven Programm starten und gleich auch ein bisschen Bewegung in die Stadt bringen», erklärt Marc Tabeling. Der Inhaber einer Kommunikationsagentur in Olten ist der Kopf des neuen Buchfestivals, der Nachfolgeveranstaltung der nicht mehr durchgeführten Buchmesse.

Mit dem Eröffnungsanlass zeigt sich auch gleich, was das fünfköpfige Organisationsteam – neben Tabeling sind Verleger Thomas Knapp, Alex Summermatter, Inhaber einer Consulting-Agentur, Projektmanagerin Manuela Schluep und Sängerin Vera Tabeling mit dabei – sich unter einer thematisch breiteren Ausrichtung vorstellt: Nicht mehr das geschriebene Buch steht im Zentrum.

«Wir wollen mit dem Kulturgut Buch offener umgehen und die ganze Stadt kulturell beleben», sagte Tabeling Ende Oktober 2016 zu dieser Zeitung. Dies zeigen auch andere Anlässe wie ein Kochkurs mit Kindern, Literaturverfilmungen im Kino Capitol oder ein weiteres Highlight, dem geplanten Weltrekord mit dem längsten Bücherdomino.

Von der Altstadt über die Kirchgasse bis in die Schützi sollen alte Bücher wie Dominosteine aneinandergereiht und dann zu Fall gebracht werden. «Wer den Anstoss zum Bücherdomino geben soll, ist aber noch offen», sagt Tabeling lachend. Zudem werden weitere ausgefallene Ideen diskutiert wie ein Bücherhimmel in der Altstadt.

Schützi ist das Epizentrum

Dass das Buchfestival den Begriff «Buch» allerdings weiterhin zurecht im Titel trägt, zeigen andere Veranstaltungen wie ein Dialekt-Abend auf Walliser Ditsch mit dem Sagenerzähler Leander Meichtry aus Leuk VS, ein literarisches Dinner mit dem schottischen Krimiautor Martin Walker in der Buchhandlung Schreiber oder eine Lesung von Thomas Hostettler in der Buchhandlung Klosterplatz. Angedacht sind auch spontane Lesungen von Autoren oder Poetry Slammer in der Innenstadt.

In der Schützi wird die Buchhandlung Lüthy Balmer Stocker in Zusammenarbeit mit dem Buchzentrum zudem Bücher zum Verkauf anbieten. Die Schützi wird insgesamt das Epizentrum des Buchfestivals sein.

Das Kulturzentrum ist immer dann offen, wenn es einen Anlass irgendwo in der Stadt gibt. Auch in der Schützi soll es zudem noch spezielle Veranstaltungen geben, die noch nicht genauer bestimmt sind. Tabeling könnte sich ein Format vorstellen, bei dem Leute wie bei einer offenen Bühne ihre selbst geschriebenen Texte vorlesen können.

Sponsorensuche hat begonnen

Beim Programm sind die wichtigsten Eckpunkte eingeschlagen, bei den Finanzen hingegen ist die Geldsuche bei Stiftungen und Sponsoren erst gerade angelaufen. Einen Ankersponsor und zwei Stiftungen sowie SoKultur, das Kantonale Kuratorium für Kulturförderung Solothurn, haben bereits Geld zugesagt, um das Budget im hohen fünfstelligen Bereich decken zu können.

Nun gilt es für die Verantwortlichen, weitere Klinken zu putzen, um das vorwiegend privat finanzierte Festival im geplanten Ausmass durchführen zu können.

«Wir wollen bei der ersten Auflage nicht mit der grossen Kelle anrühren und dann einen Verlust machen», sagt Tabeling. Sein Ziel ist es, die Künstler über das Sponsoring abzudecken, damit die Veranstaltungslokale ihre Einnahmen aus dem Getränkeverkauf behalten können.

Der Eintritt soll zudem bis auf wenige Ausnahmen für alle Veranstaltungen kostenlos sein. Beim Solothurner Müsterli-Abend soll es einen Pass für alle Standorte geben von rund 30 bis 40 Franken, auch der Dialektabend inklusive Essen soll nicht über 60 Franken kosten.

Der Eintritt in die Schützi zur Bücherschau soll aber gratis sein. Bei der Buchmesse sorgte der Eintritt von fünf Franken ins Stadttheater jeweils für Kritik.

Der Vorstand des Trägervereins ist mittlerweile ebenfalls komplett. Präsident ist Georg Berger, Direktor des Berufsbildungszentrums Olten. Mit dabei ist neben Tabeling auch Anita Meyer von der Buchhandlung Klosterplatz und Roger Send vom Diogenes Verlag. Der Verein zählt bisher rund 15 Mitglieder.