Er kam. Satiriker Andreas Thiel hat diesmal nach Olten gefunden. Am Donnerstagabend trat er im Rahmen des Solothurner Müsterli-Abends zum Start des Buchfestivals je dreimal im Kulturlokal Coq d’Or auf. Bei der Eröffnung des Quai Cornichon an den Kabarett-Tagen diesen Mai hätte er ebenfalls einen Auftritt gehabt – er blieb damals im Stau stecken. Auch gestern kam er mit dem Auto, auch diesmal blieb er im Stau stecken. Aber er kam – einfach verspätet: Statt um 16.30 um knapp vor 18 Uhr. Er ging ins Hotel und tauchte dann kurz vor halb sieben im «Coq d’Or» auf.

Trotz dieses «Kaltstarts», wie es Thiel selbst nannte, kam das Publikum im links-alternativen Lokal voll auf seine Kosten. Der wegen seiner kritischen Äusserungen zum Islam oder zum staatlich subventionierten Kulturbetrieb immer wieder angefeindete Satiriker machte klar, was er etwa von der Comedy hält («Sie ist lustig, damit humorlose Leute etwas zum Lachen haben») oder vom Schweizer Hang, die Mehrheit zu verteufeln («Das heisst bei uns Demokratie»). Er teilte aus gegen seinen Intimfeind Roger Schawinski («Ist er wirklich Jude? Humor ist doch ein Wesensmerkmal der Juden!») oder gegen die CVP («Sie fühlt sich nicht nur als Minderheit, sie ist eine Minderheit»). Auch seine Verteufelung der Political Correctness, die schliesslich in Rassismus münden könne, brachte er vor.

Thiel, mit seinem bekannten Irokesenschnitt und Prosecco in der Hand, gab sich betont lässig und entlockte dem einen oder anderen Zuschauer im halbvollen Lokal ein Lachen – obwohl dies nicht unbedingt sein Ziel war («Satire ist nicht lustig, dafür wahr»). Barbetreiber Daniel Kissling hätte sich einen etwas grösseren Aufmarsch erhofft. «Zuerst waren es 40, dann 30 und beim letzten Auftritt noch 20 Zuschauer.»

Buchfestival Olten

Buchfestival Olten

Slam Poetin Lisa Christ, Musikerin Syléna Vincent und Satiriker Andreas Thiel an der Eröffnung des 1. Oltner Buchfestivals.

Szenenwechsel: Um halb acht in der Galicia Bar mit Syléna Vincent. Die Oltnerin spielt klassische Gitarre, singt ihre eigenen Texte, mit Vorlesungen aus ihrem Lyrikband als Intermezzi. Eine schaurig-schöne Stimmung herrscht. Allerdings hat es in der Bar nebenan mehr Leute als im Saal, wo Vincent spielt.

Die grossen Massen blieben beim Auftakt des Buchfestivals noch aus, trotzdem zeigten sich die Veranstalter zufrieden: «Von den 400 Tickets kamen sicher einiges mehr als die Hälfte weg», sagte Organisationsteam-Mitglied Thomas Knapp nach dem Anlass. Auch die Schützi, wo alle sieben Künstler am Schluss nochmals auftraten, war gut gefüllt.

Die Anlage, an sieben Orten sieben Künstler je dreimal spielen zu lassen, kam beim Publikum gut an. «Das ist eine super Idee», sagte Kaya Dehlinger. So sitze man nicht stundenlang im gleichen Lokal herum. Auch Fabienne Eggenschwiler hatte keine Mühe, dass sie als Besucherin jeweils zu den Künstlern gehen musste, statt dass diese zu ihr kamen. Und Sévérine Blaser fand es einfach gut, dass «man am selben Abend mehrere Künstler sehen kann».

Vorgängig trafen sich rund 60 geladenen Sponsoren und Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Schauraum zum offiziellen Start des Buchfestivals. Slam Poetin Lisa Christ gab ein «Müsterli ihres Müsterlis» und sinnierte über die Mandarinente, die den Menschen einiges voraus hat. Landammann Remo Ankli philosophierte in seiner Ansprache darüber, welche drei Regeln ein Politiker beachten muss, wenn er ein Zitat in seine Rede einbaut. Und Stadtpräsident Martin Wey freute sich darüber, dass aus der ursprünglichen Idee, klein mit dem Buchfestival anzufangen, ein Programm mit 72-seitiger Broschüre und 59 Veranstaltungen entstand.

Zum Schluss überreichte Buchfestival-Vereinspräsident Georg Berger allen Stadträten und dem Landammann ein Fläschchen mit Oltner Wasser und zitierte dabei das Bonmot von Alex Capus: Die müssen uns etwas ins Trinkwasser tun, weil fast alle Deutschschweizer Schriftsteller aus Olten seien.