Olten
Braucht auf der Stadtverwaltung eine Kulturfachstelle? So sehen es Vertreter anderer Kleinstädte

Die Stadt Olten stimmt am 4. März über eine Kulturfachstelle ab – das sagen Stelleninhaber anderer Kleinstädte.

Fabian Muster
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Gibt es im Oltner Stadthaus bald auch eine Kulturfachstelle? Am 4. März stimmen die Oltnerinnen und Oltner darüber ab.

Gibt es im Oltner Stadthaus bald auch eine Kulturfachstelle? Am 4. März stimmen die Oltnerinnen und Oltner darüber ab.

Bruno Kissling

Die Kultur erhält in der Verwaltung eine Stimme, die Kulturschaffenden haben eine professionelle Anlaufstelle oder gar, dass die Kultur in einer Stadt besser werde: Wer mit den Leiterinnen und Leiter der Kulturstelle, des Kultursekretariats oder der Fachbereichsleitung Kultur ähnlich grosser Kleinstädte wie Olten spricht, dem wird klar, wieso es aus ihrer Sicht auch hier eine Kulturfachstelle braucht.

Letztere würde unter anderem als externe Anlaufstelle für Kulturveranstalter und Künstler respektive als interne für die Verwaltung etwa bei der Behandlung von Finanzierungsgesuchen dienen, aber auch weitere Aufgaben wie die Pflege eines Veranstaltungskalenders übernehmen. Die 60-Prozent-Stelle, wie es der Oltner Stadtrat in seiner Vorlage vorgesehen hat, würde das Budget mit rund 80'000 Franken belasten. Am 4. März stimmt die Bevölkerung darüber ab.

Bisher keine Gespräche zwischen «Kolt» und der Stadt

Die FDP brachte letzten Dezember mit einer dringlichen Motion eine Art Gegenvorschlag zur Kulturfachstelle-Volksinitiative, die allerdings vom Parlament nicht erheblich erklärt wurde. Die Fraktion verlangte, dass gewisse Aufgabenbereiche an bereits bestehende Leistungsanbieter übertragen werden. Unter anderem hatten die Freisinnigen die Idee, das Stadt- und Kulturmagazin «Kolt» via Leistungsvereinbarung einzubeziehen, um einen Veranstaltungskalender zu betreiben. Auch die Institution Olten Tourismus wurde genannt. So hofften die Motionäre, rund zwei Drittel der rund 80 000 Franken, welche eine Kulturfachstelle laut Stadtrats-Vorschlag kostet, einzusparen. Die Rechnung hatte die FDP allerdings ohne «Kolt» gemacht. Das Magazin wehrte sich damals in einer Mitteilung dagegen, ohne «sein Wissen wesentlicher Bestandteil einer FDP-Motion» und «Spielball der Politik» geworden zu sein. Auf Anfrage sagt Verlagsleiter Yves Stuber, dass es bisher keine Verhandlungen gebe zwischen «Kolt» und der Stadt. Es sei aber durchaus denkbar, für das monatliche und gratis in der Stadt gestreute Veranstaltungsheft «Ausgehen in Olten» fürs 2019 eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt einzugehen. Wie diese genau aussehen soll, sei hingegen noch nicht klar. «Es gibt bisher kein spruchreifes Konzept.» (fmu)

«Gerade heute Morgen habe ich eine Anfrage eines Graffiti-Künstler erhalten. Er wollte wissen, wo es in Aarau eine freie Wand gäbe», sagt Melanie Morgenegg. Die Leiterin der Kulturstelle, wie die Kulturfachstelle in der Aargauer Kantonshauptstadt mit 21 200 Einwohnern heisst, ist zu 80 Prozent angestellt und ist überzeugt, dass es Sinn macht, auch den gesellschaftlich wichtigen Bereich Kultur in einer Stadtverwaltung abzubilden. In der Kulturszene sei man froh, eine feste Anlaufstelle zu haben. «Viele Veranstalter melden sich, bevor sie in die Planung eines Events gehen, um Datum, Lokal oder Art des Anlasses vorgängig abzusprechen.»

Mit dem Werkzeug eines verdeckten Veranstaltungskalenders gibt es in Aarau zudem die Möglichkeit, dass Melanie Morgenegg Veranstalter darauf hinweisen kann, wenn sich Anlässe, die geplant, aber noch nicht öffentlich kommuniziert sind, konkurrenzieren könnten. Aarau erhält zudem ab 2019 eine eigene Abteilung Kultur und unterstreicht damit die Bedeutung des kulturellen Schaffens. Bisher ist die Kulturstelle bei der Stadtkanzlei angegliedert.

Die Stadt Baden hat bereits eine eigene Abteilung Kultur, wobei die Aufgaben einer hiesigen Kulturfachstelle dort insgesamt rund 100 Stellenprozente umfassen. Für deren Leiter Patrick Nöthiger gehört eine professionelle Stelle zur Grösse einer Kleinstadt wie Baden mit 19 100 Einwohnern, die sich selbst als Kulturstadt mit Zentrumsfunktion sieht, einfach dazu. «Engagierte Leute, wie dies jene aus dem Kulturbereich sind, werden frustriert, wenn es für die Kultur keine klaren Zuständigkeiten in der Verwaltung gibt.» Zudem glaubt er, dass damit in der Stadt seither mehr und eine qualitativ bessere Kultur möglich ist als ohne solche Stelle. «Die Wirkung im Verhältnis zum Aufwand ist grösser, als wenn verzettelt gearbeitet wird», sagt Nöthiger. Zudem gebe es weniger Verteilkämpfe, sondern es sei ein «Wettbewerb um die besten Ideen», seit es auch aufseiten der Verwaltung eine Stelle gibt, die sich professionell um Kultur kümmert. Seine Aufgabe sieht er auch als Übersetzungsarbeit zwischen den beiden Polen Politik einerseits und Kultur andererseits. Zum Anforderungsprofil einer solchen Stelle, die in Olten von Fachstellen-Gegnern als schwierig bezeichnet wurde: Ein Stelleninhaber müsse zwar ein gutes kulturelles Allgemeinwissen haben, aber nicht unbedingt im Detail inhaltlich Bescheid wissen, sondern die Prozesse kennen, wie etwa ein Theater zustande kommt und was es dazu braucht, sagt der ehemalige Journalist.

Auch regionale Zentren wie Wettingen (20 600 Einwohner, 50-Prozent-Pensum), Langenthal (15 800 Einwohner, 50-Prozent-Pensum) oder Zofingen (11 800 Einwohner, 20-Prozent-Pensum) leisten sich heute eine solche Stelle. In Wettingen hält Stefan Meier diese nicht mehr für «nice to have» für eine Gemeinde dieser Grösse. «Die Kultur ist heute derart professionalisiert, dass es auch in der Verwaltung einen kompetenten Ansprechpartner braucht.» In Langenthal betont die Kulturbeauftragte Marianne Hauser, dass man so schon höhere Subventionen vom Kanton etwa für das einheimische Kunsthaus herausgeholt hat. Und in Zofingen sagt Stelleninhaberin Cécile Vilas, dass damit die Kultur nicht nur innerhalb der Verwaltung eine Stimme erhält, sondern auch eine jahrelange Übersicht über die unterstützte Kultur.