Am Pfingstwochenende feierte die Katholische Kirche Olten die Errichtung ihres Pastoralraums. Höhepunkt war der Festgottesdienst zu St. Martin am Samstag, der nach Schätzung von Diakon Andreas Brun – neben dem Seelsorge-Team, rund 50 Ministranten und 200 Mitwirkenden in den Pastoralraumchören – gegen 900 Gläubige versammelte.

Festgottesdienst Pastoralraum

Festgottesdienst Pastoralraum

An den Festivitäten kamen alle fünf Pfarreien in den vier beteiligten Kirchgemeinden zum Zuge. Nach dem Start zu St. Mauritius in Trimbach am Freitag waren St. Katharina (Ifenthal-Hauenstein) und St. Josef (Wisen) am Samstag das Ziel von Besuchsfahrten im Oldtimer-Car. Den Reigen beendete am Sonntag St. Marien (Olten) mit einer Vesper. Für Jung und Alt bot am Samstag ein spielerisches und musikalisches Aktivitätenprogramm im Garten des Kapuzinerklosters einen weiteren Anziehungspunkt.

Den Blick nach vorne richten

Die formelle Errichtung des Pastoralraums mit der Einsetzung von Andreas Brun als Pastoralraumleiter, Mario Hübscher als leitender Priester und Antonia Hasler als Pastoralassistentin kam während des fast zweistündigen, musikerfüllten Festgottesdienstes fast einem Wimpernschlag gleich.

Bischof Felix Gmür nützte die Zeit vielmehr dazu, die festliche Stunde mit dem Heiligen Geist zu verbinden, für dessen Erscheinen die Bibel zwei Versionen anbietet. Ob an Ostern oder 50 Tage danach an Pfingsten, spiele letztlich weniger eine Rolle. Wichtiger sei die Bedeutung des Neuanfangs, die Menschen in ihrer Vielheit zur Einheit im Glauben führe, verknüpfte der Bischof das Völkergemisch im Jerusalem von damals und in der persönlich eben wieder erlebten Wallfahrtstätte Lourdes von heute mit den Herausforderungen im Pastoralraum.

Klostergarten und Treicheln

Klostergarten und Treicheln

«Menschen verstehen sich, wenn sie sich verstehen wollen», unterstrich Felix Gmür. Nicht von ungefähr sei deshalb auch in den drei Sakramenten Taufe, Eucharistie und Beichte die Sündenvergebung zentral. «Wühlen wir also nicht in der Mottenkiste, sondern schauen wir nach vorne», empfahl der Bischof, der immer wieder mit Lockerheit und Humor auffiel. Er rief den Anwesenden auch das apostolische Glaubensbekenntnis als Grundlage allen ökumenischen Tuns in Erinnerung, bevor er allen Beteiligten am Schaffensprozess zum vor über zehn Jahren erstmals angedachten Pastoralraum dankte.  

Fünf Bäume fürs Gummiflüeli

Zeichen der menschlichen Verbundenheit, Gaben, Geschenke, Fürbitten und Grussworte erfüllten den Pastoralraum mit Leben. In einem symbolischen Akt mischten Angehörige der fünf Pfarreien mitgebrachte Erde. Sie soll in den nächsten Tagen dazu dienen, fünf verschiedene Bäume bei der Feuerstelle auf dem Gummiflüeli in Hauenstein zu pflanzen, wo sich der Blick auf alle vier Kirchgemeinden öffnet. Bischof Felix Gmür erhielt eine Pastoralglocke und seitens der Strickgruppe St. Marien wie die drei eingesetzten Pastoralraum-Verantwortlichen einen Schal, der vor der Kälte des Alltags schützen soll.

Die reformierte Pfarrerin Katharina Fuhrer wünschte den Katholiken für ihr neues Miteinander gutes Gelingen. Für die vorgetragenen Lied-Strophen «Gib uns Weisheit, gib uns Mut» erntete die Leiterin des ökumenischen Konveniats der Oltner Kirchen Szenenapplaus. Eingebunden in den Festgottesdienst war durch die Präsenz von Don Arturo auch die Missione Cattolica, obwohl sie juristisch nicht Teil des Pastoralraums ist.

Zusammenarbeit stetig erweitern

Theo Ehrsam sprach vom Erreichen eines Etappenziels für die vier Kirchgemeinden. «Wir wollen immer mehr harmonieren, bis zum Gleichklang», sagte der Kirchgemeindepräsident von Olten/Starrkirch-Wil. Er möchte in der neuen Amtszeit bis 2021 den bestehenden Zusammenarbeitsvertrag erweitern und verfolgt als persönliches Ziel einen Zweckverband, wobei dessen finanzieller Verteilschlüssel eine Knacknuss darstellt. Martin Wey, der den zweiten Festtag eröffnete, könnte sich vorstellen, dass der Pastoralraum den entwickelten Elan auch zu einer Fusion der Kirchgemeinden nützt. Für dessen Funktionieren sei aber die alltägliche Praxis entscheidend, gemeinsame Anlässe und die Zusammenarbeit, auch in der Diakonie zwischen Kirch- und Einwohnergemeinde.