4. März 2014, 21.49 Uhr: Bei der Oltner Feuerwehr geht ein Alarm ein. Eine Wohnung im sechsten Stock eines Wohnblocks an der Ziegelfeldstrasse in Olten steht in Flammen. Rund 30 Feuerwehrleute müssen ausrücken, um den Brand zu löschen.

Der Sachschaden beträgt laut der Solothurnischen Gebäudeversicherung zwischen 50'000 und 100'000 Franken. Schnell wird klar, dass es sich um Brandstiftung handelt. Wer den Brand in Auftrag gab und wer ihn legte, sollte gestern am Amtsgericht Olten-Gösgen ermittelt werden.

Vier Angeklagte mussten sich vor Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei verantworten: Drei eingebürgerte Männer mit Wurzeln im Balkan sowie eine Kosovarin wurden der Brandstiftung beziehungsweise der Anstiftung zur Brandstiftung angeklagt.

Zwei der Männer sowie die Frau mussten sich ausserdem wegen zusätzlicher Anklagepunkte – Betrug, versuchter Betrug, Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz sowie Widerhandlung gegen das Ausländergesetz – verantworten.

Betrug hat nicht geklappt

Laut Staatsanwaltschaft soll sich der Vorfall wie folgt abgespielt haben: Rilinda O.* war in der Wohnung an der Ziegelfeldstrasse wohnhaft. Ihr damaliger Freund, Indrit G.*, soll gemeinsam mit seinem Bekannten Murat A.* nach jemandem gesucht haben, der bereit wäre, die Wohnung seiner Freundin anzuzünden.

Gemeinsam fragten sie Besim H.*, ob er jemanden kenne, der ein Feuer legen würde. Indrit G. übergab Besim H. einen Schlüssel zur Wohnung, mit dem Besim H. am 4. März in die Wohnung ging, einen Kleiderschrank mit Brandbeschleuniger übergossen und diesen anschliessend angezündet haben soll. Für die Brandstiftung habe er von Indrit G. 6000 Franken erhalten.

Der Versicherung gab Wohnungsmieterin Rilinda O. anschliessend an, dass sich in der Wohnung Goldschmuck im Wert von 11'000 Franken sowie 6000 Franken Bargeld befunden hätten – dies war jedoch nicht der Fall. Zur Auszahlung durch die Versicherung kam es nicht, weshalb es beim versuchten Betrug blieb.

Niemand will es gewesen sein

Bei der Befragung machten es alle vier Angeklagten den Amtsrichtern schwer. Bereits auf die Frage nach seinem Geburtsort antwortete Indrit G., er habe nichts dazu zu sagen. Auch zu allen weiteren Fragen wollte er keine Stellung beziehen. «Ich stelle die Fragen trotzdem, sonst habe ich meinen Fragenkatalog ja umsonst vorbereitet», fand Pierino Orfei und führte die Befragung fort. «Ich habe dazu nichts zu sagen», war bis zum Schluss seine einzige Antwort. Auch bei Murat A. ging das Spiel so weiter. «Herr Amtsgerichtspräsident, ich wiederhole: Ich habe dazu nichts zu sagen», beendete Murat A. seine Befragung.

Die Kosovarin Rilinda O. musste wegen ihrer mangelnden Deutschkenntnisse von einem Dolmetscher begleitet werden. Sie stritt jegliche Beteiligung an der Brandstiftung ab und gab an, nichts vom versuchten Versicherungsbetrug gewusst zu haben. Sie habe lediglich das Dokument – die Schadensliste – unterzeichnet, welches Indrit G. ihr gegeben habe. Was auf der Liste stand, habe sie nicht gewusst.

Besim H. zeigte sich zwar gesprächiger und ging auf die Fragen des Amtsgerichtspräsidenten ein, leugnete jedoch ebenfalls jegliche Beteiligung. Seine DNA sei an den Hausschlüssel gelangt, weil er diesen beim Gespräch mit Indrit G. und Murat A. berührt habe. Den Vorschlag, das Feuer zu legen, habe er aber abgewiesen.

Grosse Spannweite der Anträge

Indrit G. wird zusätzlich vorgeworfen, auf der Autobahn zwei Autos rechts überholt zu haben. Besim H. soll in Österreich absichtlich einen Autounfall verursacht haben, um von der Versicherung zu profitieren. Ausserdem habe er vor drei Jahren 3000 Liter Heizöl bestellt, welches er nie bezahlte. Weiter habe er Autos, welche er hätte abgeben sollen, inklusive Kontrollschildern verkauft. Zuletzt soll er vier kosovarische Staatsangehörige unrechtmässig in die Schweiz transportiert haben.

Die Spannweite zwischen dem Antrag des Staatsanwalts Pascal Flückiger und denjenigen der Verteidiger ist gross. Flückiger fordert für Indrit G. eine Freiheitsstrafe von 7 Jahren, für Murat A. 4,5 Jahre, für Rilinda O. 6 Jahre und für Besim H. 8 Jahre – insgesamt 25,5 Jahre. Die vier Verteidiger plädierten wegen ungenügender Beweise jeweils auf einen Freispruch ihrer Klienten in allen Punkten sowie Entschädigungen für die Zeit in Untersuchungshaft. Das Urteil wird in zwei Wochen mündlich eröffnet.

* Namen der Redaktion bekannt