Abgezeichnet habe sich das Ende schon länger, vor etwa zwei Jahren habe er erstmals konkret darüber nachgedacht. «Auf einmal ging es dann schnell. Mitte November habe ich meine Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten über die Schliessung informiert.»

Total stehen 13 Personen auf Flückigers Lohnliste, davon der Grossteil in Teilzeit. «Für Einzelne ist die Situation schon etwas schwierig», gibt Flückiger zu. Umso mehr froh ist er darüber, dass für die beiden Lehrlinge in der Backstube Stellen in Aussicht stehen.

«Thaler Brot» mit Naturpark-Label

37 Jahre lang hat «Wädu» Flückiger («Alle nennen mich so, nur eine Lehrerin bestand auf Walter.») den Betrieb geführt, und dies in dritter Generation. In dieser Zeit sind bei ihm mehr als 50 junge Leute in Bäckerei, Konditorei und Verkauf ausgebildet worden. Mit der Übernahme eines Bäckerladens in Oberbuchsiten expandierte Flückiger ins Gäu. Dort ist er auch in Coop-Filialen vertreten – aber nur noch bis am kommenden Silvester. Dann wird dort zum letzten Mal das «Thaler Brot» zu haben sein, das in der Bäckerei Flückiger seit April 2010 hergestellt wird und als einziges das Produkte-Label des Naturparks Thal tragen darf. Mit der Aufgabe des Bäckereibetriebs Flückiger endet dieses Kapitel.

«Unüberbrückbare Schwierigkeiten»

Den Entscheid zur Schliessung habe er wirklich schweren Herzens gefasst. Was die Gründe dafür angeht, so wird Flückiger sehr direkt: «Unüberbrückbare private Schwierigkeiten, verändertes Einkaufsverhalten, die Lage des Geschäfts und die wachsende Konkurrenz zwingen mich dazu», teilt er per Inserat mit. Im Gespräch erläutert er Punkt für Punkt: «Seit fünfzehn Jahren bin ich geschieden, muss aber noch immer pro Monat 3500 Franken an meine Ex-Frau abliefern. Und das, bis ich 65 bin, jetzt bin ich 63.» Das sei ihm zu viel geworden. Er werde nun ein weiteres Mal versuchen, gegen diesen Gerichtsentscheid anzukämpfen. Dass sich das Kaufverhalten der Kundschaft verändert habe, sei flächendeckend eine Tatsache. Bei seinem Geschäft kämen weitere Faktoren hinzu. «Die Gesundheit meiner zweiten Frau lässt die volle Belastung eines solchen Betriebs nicht mehr zu. Und ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste.» Ferner sei es praktisch nicht mehr möglich, vor dem Laden kurz anzuhalten, seit auf der Strasse Verkehrsinseln und auf Trottoirs Poller eingebaut sind. Und seit Eröffnung der Tankstellenshops in der Nähe (Schmelzihof, Äussere Klus) sei jene Kundschaft markant kleiner geworden, die er morgens zwischen fünf und sieben habe bedienen können.

Gegen eine Umfahrung der Klus

Hinzu kommt der «Fürobe-Beck», der in der Lindenallee ab 15 Uhr frisches Brot anbietet und damit Erfolg hat. «Ich muss aber anerkennen, dass seine Idee gut ist», merkt Flückiger an, schiebt aber gleich nach, dass dies eben deutlich zeige, wie wichtig eine verkehrsmässig gute Lage ist. Mit ein Grund, warum Flückiger sich immer gegen eine Umfahrung der Klus wehrte. «Kein Zweifel: Der starke Verkehr durch die Klus ist belastend. Aber was passiert, wenn alle aussen durchfahren? Dann ist das Städtchen tot. Siehe Wiedlisbach.» Man müsste, so schlägt er vor, einerseits eine separate Lösung finden, um die vielen Lastwagen aus der Klus fernzuhalten. Anderseits die OeBB nur bis Thalbrücke fahren lassen, dann würde die Barriere den Verkehr nicht mehr blockieren.

Keine Nachfolgelösung in Sicht

Was geschieht nun mit dem Laden, der Backstube und dem Tearoom «Vorläufig gar nichts», antwortet «Wädu» Flückiger. Denn eine Nachfolge sei nicht in Sicht. Interessenten gäbe es schon, aber nicht solche, die er sich wünsche. Gleiches gelte für die ganze Liegenschaft, die er verkaufen möchte.