Hägendorf

Bildungsvorsteherin ist zurückgetreten

Man sei nicht im Streit auseinandergegangen, betont Gemeindepräsident Albert Studer.

Man sei nicht im Streit auseinandergegangen, betont Gemeindepräsident Albert Studer.

Andrea Aerni verlässt den Hägendörfer Gemeinderat aus «ressourcenrelevanten und persönlichen Gründen».

Die Gemeinderatssitzung in Hägendorf endete mit einem Paukenschlag: dem Rücktritt von Bildungsvorsteherin Andrea Aerni. Auf Anfrage teilte sie am Dienstag mit, sie wolle sich zu einem späteren Zeitpunkt dazu äussern. In der Mitteilung des Gemeinderates hiess es dazu knapp, Aerni sei «aus ressourcenrelevanten und persönlichen Gründen zurückgetreten».

Später sprach Gemeindepräsident Albert Studer davon, Andrea Aerni habe mit ihrer Rolle etwas Mühe gehabt, sei eher etwas gegen den Schulleiter eingestellt gewesen und habe daher die ganze Geschichte nicht mehr weiterbegleiten wollen, weil das zu intensiv geworden wäre.

Man sei aber nicht im Streit auseinandergegangen. Nun gehe es darum, so Gemeindepräsident Studer, Frieden zu stiften, Ruhe in die Schule zu bringen und diese neu auszurichten.

Massnahmenplan vorgestellt

Zuvor war unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Massnahmenplan zur Behebung der schulischen Mängel besprochen worden. Diesen hat die Gemeinde gestern online zugänglich gemacht (siehe Kontext). 

Beschlossen wurde ausserdem, eine «Klausursitzung zur Klärung der Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit dem Massnahmenplan abzuhalten», wie der Gemeinderat mitteilte. «Friedensstiftende Workshops» mit den Lehrpersonen unter Leitung des Coachs Denis Bitterli fanden bereits statt (wir berichteten), weitere sollen folgen.

Rechnung 2015 deutlich im Minus

«Nach meinen vielen Jahren darf ich einmal eine feuerrote Rechnung präsentieren», verkündete der ehemalige Hägendorfer Finanzverwalter Urs Studer an der Sitzung. Studer, seit 2012 pensioniert, wurde als kurzfristiger Ersatz für den im letzten Jahr verstorbenen Erich Franz beigezogen, welcher noch die Budgetierung vorgenommen hatte. Zwar sei man nun über diesen budgetierten Werten zu liegen gekommen, so Studer. Dennoch tue das Defizit von 1,55 Millionen Franken weh.

Hauptgrund dafür: ausgebliebene Steuererträge der natürlichen Personen (budgetiert wurden rund 1,3 Millionen Franken mehr). Zudem habe die Gemeindeversammlung den Steuerfuss nicht wie beantragt auf 115 Punkte anheben wollen, sondern sich auf 107 Prozent der einfachen Staatssteuer geeinigt. In Schulhausneubau und Raiffeisen-Arena habe man relativ hohe Nettoinvestitionen getätigt, so Studer.

Zu diskutieren gaben unter anderem ausgebliebene Steuererträge. Welche Einwohner dafür verantwortlich sind, wurde den Gemeinderäten mit einer ausgeteilten Liste aufgezeigt, die später wieder abgegeben werden musste. Studer wies darauf hin, dass andere Gemeinden in der Region mit höheren Steuerschulden zu kämpfen hätten. Der Unmut schien dennoch gross: «Ich könnte kotzen, wenn ich den Einzelfall sehe», befand Gemeinderat Andreas Heller.

Ein weiteres Traktandum im Rat: Soll sich Hägendorf zusammen mit Kappel, Rickenbach, Gunzgen und Wangen an einer Klasse für fremdsprachige Kinder beteiligen? Gemeinderat Uli Ungethüm stellte deren Notwendigkeit infrage: «Hägendorf hat hier aktuell kein Problem. Das heisst, wir würden für etwas zahlen, wofür wir gar keinen Bedarf haben.» Bildungsvorsteherin Andrea Aerni argumentierte, man müsse berücksichtigen, dass die für das Angebot vorgesehenen Kinder meist einen anderen kulturellen Hintergrund hätten und auch traumatisiert sein könnten. «Das kann man mit einer normalen Klasse nicht auffangen.» Aerni warf zudem die Frage auf, wie man als Gemeinde dastehen würde, wenn man sich als einzige Primarschule nicht am Projekt beteiligen würde. Dennoch votierte sie schliesslich als Einzige für die Beteiligung an einer fremdsprachigen Klasse.

Zustimmung fand hingegen die Einführung einer gemischten Primarklasse, in welcher Schüler des ersten und zweiten Schuljahres gemeinsam unterrichtet werden.

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