2012 war sie noch Fiktion. Die verkehrsbefreite Kirchgasse, wie sie die Visualisierung von damals zeigt: Ein mit Passanten und einzelnen Fahrradfahrern bevölkerter Platz, die Sommersonne brennt auf den frischen Belag. Obwohl das einschneidende Verkehrsregime nicht unbestritten war und es gleich mehrere Hürden passieren musste (siehe Chronik), ist die verkehrsbefreite Oltner Innenstadt nun seit bald fünf Jahren Realität. Wie hat sich das Gewerbe mit dem neuen Verkehrsregime zurechtgefunden?

«Es hat einfach zu viele Gastrobetriebe», sagte der kurz vor dem Ruhestand stehende Café Grogg-Pächter Markus Jans neulich. Äusserungen wie diese, und der von der Stadtregierung aufs Tapet gebrachte Mobilitätsplan, heizen die Diskussion über den wirtschaftlichen Zustand der Innenstadt erneut an.

Vereinfacht gesagt, soll durch den neuen Mobilitätsplan mit Zeithorizont 2030 der motorisierte Individualverkehr eingedämmt, der öffentliche Verkehr und der Langsamverkehr ausgebaut werden. Zum Opfer fallen könnten dadurch weitere Parkplätze. Wie schon 2012, als die Debatte um die heute verkehrsbefreite Kirchgasse lief, erzeugten diese Aussichten bei den bürgerlichen Parteien Sorgenfalten. CVP, FDP und SVP sehen dadurch die Zukunft des lokalen Gewerbes gefährdet.

Gewerbe hält sich ansprechend

Doch wie sieht die Gemütslage bei den Direktbetroffenen aus? In einer von dieser Zeitung durchgeführten Umfrage gaben 17 von 35 angefragten Gewerbebetreibern ihren wirtschaftlichen Zustand preis und äusserten sich über die Lage der Oltner Innenstadt. Wie die Erhebung zeigt, befürwortete damals eine deutliche Mehrheit, dass die Kirchgasse zur Fussgängerzone umgestaltet würde. Und dies ist auch fünf Jahre später unbestritten.

Zu den offenkundigen Gegnern der 2012 behandelten Vorlage gehört bis heute Roger Lang. Wobei sich der «Rathskeller»- und «Kreuz»-Wirt insbesondere über die Tempo-20-Zone und die Parkplatzgebühren kritisch äussert. Dass sich die Parkplatzsituation nicht verschlechtern dürfe, darin sind sich die Gewerbler einig: Sie fordern ein Parkleitsystem, zudem seien die Parkplätze auf dem Klosterplatz für die Anbindung essenziell.

Die anhaltend hohe Ladenfluktuation in der Oltner Innenstadt mag den Eindruck erwecken, dem Gewerbe ginge es wirtschaftlich schlecht. Dem ist, zumindest gemäss der Angaben der etablierten Laden- und Gastrobetreiber, nicht so. Bloss ein Geschäft gab an, im Vergleich zur Zeit vor der verkehrsbefreiten Innenstadt, Umsatzeinbussen zu verzeichnen.

Die Mehrzahl der Betriebe konnte das Umsatz-Niveau in etwa halten, einige Läden und Restaurants legten gar leicht zu. Doch viele Gewerbebetreibende haben mit dem Strukturwandel zu kämpfen. Onlineeinkauf oder zunehmender Einkaufstourismus gehören zu den genannten Faktoren, welche die Verkaufsbranche unter Druck setzen. Das neue Verkehrsregime spiele dabei eine untergeordnete Rolle.

Ob sich die Altstadtlokale im Vergleich zu jenen an der Kirchgasse seit 2013 nachteilig entwickelten, lässt sich anhand der Erhebung nicht festmachen. «In den vergangenen Jahren büsste die Altstadt klar an Attraktivität ein», sagt jedoch Christian Meyer. Ob dies unter anderem auf Kosten der verkehrsbefreiten Kirchgasse geschah, lässt er offen. Doch um sein Statement visuell zu untermauern, öffnet er an diesem relativ milden Januarnachmittag kurzerhand die Tür seiner Buchhandlung und tritt im Poloshirt auf die Hauptgasse hinaus.

Zunächst realisiert Christian Meyer, dass das Altstadtbild, welches sich ihm bietet, doch gar nicht so armselig ist. Dann kommentiert er kurz, was ihm an der aktuellen Situation missfällt; grüsst dabei im Minutentakt Bekannte. Er seufzt tief: «Wenn nun auch noch «Bernheim» aus der Altstadt wegzieht…»