Stephan Fröhlicher: Wann ist eine Big Band eigentlich eine Big Band?

Stephan Fröhlicher (lacht): Nun, das ist definiert durch die Besetzung: Vier Trompeten, ebenso viel Posaunen, fünf Saxofone plus Rhythmusinstrumente gelten als Standardformation einer Big Band. Gegebenenfalls können die einzelnen Register auch grösser sein.

Wer soll Ihrer Erfahrung nach in einer Big Band mitspielen?

Vor allem jene, die gerne kraftvoll Musik machen wollen und gleichzeitig auch musikalische Präzision hinbekommen. Wer in einer solchen Formation mitwirkt, kann die Dynamik eines gemeinsamen Auftritts bis in die Fingerspitzen eindrücklich miterleben.

Die Big Band Olten (BBO) wird heuer 30-jährig. Nicht viele vergleichbare Formationen erleben Jubiläen dieser Art.

Ich glaube, das kleine Geheimnis der BBO ist deren sehr unkompliziertes Wesen. Wir sind eine absolut lockere Vereinigung, brauchen uns nicht um Statuten zu kümmern, kennen keine übers Musizieren hinaus gehenden Verpflichtungen, wenn man dem überhaupt Verpflichtung sagen will. Jede und jeder von uns ist im eigentlichen Sinn frei, in der Band mitzuwirken. Ich finde auch, dass wir einander mögen, ein absolut zentraler Umstand in einer solchen Formation. Um es kurz zu machen: Wir sind ein loser Haufen von 17 Köpfen und spielen einfach in einer guten Atmosphäre. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass im Ensemble fast jedes Alter vertreten ist. Von der 19-Jährigen bis zum knapp 70-Jährigen sind alle dabei.

Dann haben Sie wohl absolut pflichtbewusste Musikantinnen und Musikanten in der Formation?

Das könnte täuschen (lacht). Viele in der BBO gehen einem bürgerlichen Beruf nach, sind dort meist ziemlich engagiert. Da bleibt nicht immer viel Zeit zum Üben. Und so ruht ein Instrument auch schon mal und wird erst bei der nächsten gemeinsamen Probe wieder hervorgeholt.

Ärgert einen Dirigenten so was?

Nein, das darf es nicht, denn ich bin mir durchaus bewusst, dass ich in der Formation der einzige professionelle Musiker bin und alle andern, wie gesagt, hobbymässig Musik machen. Irgendwann muss man zufrieden sein mit dem Machbaren und am Schluss sagen können: Mehr geht halt nicht. Hauptsache, es macht Spass. Aber aktuell kann ich sagen: Wir haben noch nie so viel geprobt wie im Moment (lacht). Dadurch ist auch unser Niveau wohl so hoch wie noch nie vorher. Das ist immer dann der Fall, wenn die Maxime lautet: Jetzt gilts ernst. Wir steigern uns kontinuierlich!

Wer legt denn das musikalische Programm fest?

Eigentlich ich als Dirigent. Aber natürlich kann sich jeder aus der Big Band einbringen.

Darf am Jubiläumskonzert mit Benny-Goodman- oder Glenn-Miller-Kompositionen gerechnet werden?

Natürlich machen wir Unterhaltung fürs Publikum. Aber wir werden auf die beiden Klassiker der Swing-Ära verzichten, obwohl Swing grundsätzlich zu unserem musikalischen Tummelfeld gehört.

Aber die «Moonlight Serenade» etwa wär’ doch ein glatter Ohrwurm?

Das schon. Der Haken dabei ist, dass jeder und jede im Publikum dann eben just diese Originalversion zu hören bekommen will, welche er oder sie zur Originalversion erklärt. Das kann schliesslich enttäuschend sein. Wir verlassen uns da eher auf Count Basie; seine Kompositionen gehören in der BBO traditionsgemäss ins Repertoire. Ansonsten sind wir inzwischen sehr vielseitig geworden.

Das Jubiläumskonzert wird als das Jazz-Highlight des Jahres gepriesen.

Wir sind auf jeden Fall bemüht. Mit Fabienne Hoerni am Saxofon als Gast und Regi Sager als Moderation haben wir bestimmt die gute Wahl getroffen. Zudem spielt später
Strawberry Jam zur Party auf, mit einem auserlesenen Repertoire der besten Songperlen von grossartigen Künstlern der Soul-, Funk-, Rock’n’Roll-Ära. Wir erwarten eine proppenvolle Schützi.

Auf jeden Fall wird der 30. Geburtstag ein Festival des guten und fetzigen Tones?

So ist es.

Jubiläumskonzert 30 Jahre Big Band Olten in der Schützi Olten: 12. Dezember, 20.30 Uhr