Mit der Wiedereröffnung der «Braui 47 Grad Nord» (ehemals «Brauerei Guldibräu») in Winznau am vorletzten Mittwoch verfügt die Region Olten – je nach Definition – wieder über mindestens fünf in Kleinbrauereien hergestellte Biermarken. Das «Drei Tannen» und das «OLA» (Brauerei Dünnern) werden in der Stadt Olten hergestellt.

Das «Degen» wird zwar mittlerweile nicht mehr in Trimbach, sondern in Zofingen produziert, ist aber nach wie vor stark in seiner Geburtsregion präsent. Auch das «Smöre» wird ausserregional, in Adliswil ZH, hergestellt, jedoch ausschliesslich in Oltner Bars serviert. In Stüsslingen wird an sich ebenfalls gebraut – dank der «4655 Brewing Company». Deren Biere sind gemäss Facebook-Seite jedoch derzeit nur in Thun und Densbüren AG erhältlich.

Bietet dieses knappe halbe Dutzend Regionalbiere nebst der Vielfalt an Namen auch geschmackliche Variation? Wie beurteilen Biertrinkerinnen und -trinker die verschiedenen Biere? Ein am Freitagabend durchgeführter Geschmackstest unter Besuchern der Oltner Kilbi sollte versuchen, diese Fragen zu beantworten.

Getestet wurde hierbei jeweils das Pale Ale jeder Marke, mit Ausnahme der Braui 47 Nord, deren Pale Ale wohl erst im September erhältlich sein wird. Daher stieg die Winznauer Brauerei mit ihrem «Hellen» ins Rennen, was bei der Vergleichbarkeit der Resultate berücksichtigt werden sollte.

Bitteres «Drei Tannen»

Um sich bei der Degustation nicht von bereits bekannten Markennamen oder Etikettendesigns beeinflussen zu lassen, wurden die Bierflaschen mit einer Abdeckung umhüllt, damit tatsächlich nur der Geschmack beurteilt werden konnte. Und dies taten die über 20 Testpersonen teilweise recht unterschiedlich – Bier scheint klar eine Geschmackssache zu sein. Dennoch liessen sich zum Testende hin gewisse Tendenzen beobachten. Manche Bierproben – den Testern wurden je ein bis zwei Schluck in einem kleinen Kunststoffbecher serviert, zwischen den fünf Proben wurde mit Wasser gespült – riefen zum Teil ähnliche Reaktionen hervor.

So fiel den Probierenden beispielsweise beim Pale Ale der Brauerei «Drei Tannen» dessen eher starke Bitterkeit auf. Urteile von «ist ein bisschen bitter» über «recht bitter, eher ein Genussbier» bis «bitter bis zum Ende», «zu bitter» waren hierzu zu vernehmen. Einige Probanden bemängelten zudem, das «Drei Tannen» enthielte ihnen zu viel Kohlensäure. Der bittere Geschmack führte zu entsprechenden Bewertungen.

Auf einer Skala von 1 bis 5 (wobei 5 die Bestnote ist) beurteilten die Degustierenden das «Drei Tannen» im Schnitt mit dem Wert 2,57. Einigen sagte die Bitterkeit also auch durchaus zu. «Geschmäcker sind natürlich verschieden, die einen mögens bitter, die andern nicht», so Luc Nünlist von der Drei Tannen Bier GmbH.

Unterschiedliche Urteile

Den Vorwurf des zu hohen Kohlensäuregehaltes musste sich auch das Smöre-Bräu gefallen lassen. Teilweise befand man auch, es weise fast keinen Geschmack auf, weshalb es eher an kohlensäurehaltiges Mineralwasser als an Bier erinnere. Was gewissen Testern missfiel, erfreute jedoch andere. «Es hat keinen Nachgeschmack, der stören würde», «von allem etwas, nicht zu bitter, nicht zu süss», «das stimmt für mich einfach», konnte der vergleichsweise offenbar weniger intensive Geschmack auch ausgelegt werden. Auf der fünfstufigen Punkteskala erreichte das «Smöre» damit einen Durchschnittswert von 3,29.

Mit 3,11 praktisch ebenso gut schnitt das OLA-Bier der Brauerei Dünnern ab. Hierbei liessen sich – wie auch beim Smöre-Bräu – sehr unterschiedliche Urteile beobachten. Was den einen «zu bitter, zu blumig, zu wenig an Bier erinnernd» oder «penetrant bitter» war, war den anderen «angenehm bitter», «gut riechend und schmeckend» oder gar «geil, da nicht zu herb». Auch das «OLA» wies manchen Testern wiederum zu viel Kohlensäure auf.

«Jede Menge davon trinken»

Auf die grösste Zustimmung stiess unter den Pale Ales dasjenige der Brauerei Degen (durchschnittliche Bewertung von 3,43). «Das ist das, was ich von einem Pale Ale erwarte», «bitter und blumig, leicht bitter, erfrischend», «einem Bierkenner würde ich es weiterempfehlen», so der Tenor. Das als fruchtig-zitronig wahrgenommene «Degen Kobra» war anderen dann aber wiederum «zu süss» oder «zu lasch», was einige dazu veranlasste, es als Frauenbier zu bezeichnen. Braumeister Claude Degen zeigt sich angesichts des guten Abschneidens seiner «Kobra» erfreut: «Besonders, weil Pale Ale eine schwierige Aufgabe ist.»

Die beste Testnote mit einem Durchschnittswert von 3,97 erreichte das «47 Grad Nord hell» aus Winznau, wobei es sich hierbei wie erwähnt um kein Pale Ale handelt und die Vergleichbarkeit mit den anderen Testbieren somit nicht ganz gegeben ist. Das «47 Grad Nord» nahmen die Testenden als «süffig», «erfrischend» und «sehr ausgeglichen» im Sinne einer optimalen Mischung aus herben und süsslichen Geschmacksnoten wahr. «An Festivals würde ich jede Menge davon trinken», sagte hierzu eine weibliche Testperson.

Geringe Abstände

Wie die teils nahe beieinanderliegenden Durchschnittsbewertungen zeigen, hätten die Ränge im Mittelfeld bei einer geringeren oder grösseren Anzahl Testpersonen eventuell auch anders aussehen können. Eine geschmackliche Vielfalt scheinen die Oltner Regionalbiere angesichts der Bandbreite von 1,5 Bewertungspunkten allerdings aufzuweisen – zur Freude unterschiedlichster Geschmäcker.