Letztes Jahr war an den Oltner Kabarett-Tagen das Musik-Kabarett sehr präsent. Welche Richtung ist für das diesjährige Festival prägend?

Claude Schoch: Dieses Jahr haben wir ein wirklich breites Spektrum an Kabarett. Mit Chin Meyer ist das erste Mal ein Finanzkabarettist bzw. ein Wirtschaftskabarettist im Programm. Timo Wopp kombiniert Kabarett und Artistik, Gabriel Vetter kommt aus dem Slam-Bereich. Und mit dem Pfannestil Chammer Sexdeet ist das musikalische Kabarett vertreten. Selbstverständlich sind die Kabarett-Tage auch politisch. Und mit Sebastian Schnoy tritt ein Kabarettist auf, dessen Programm «Von Napoelon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt» einen historischen Hintergrund hat.

Der Schweizer Kabarett-Preis Cornichon 2014 geht an das Duo schön&gut, das sein viertes Programm zeigt. Wieso erst jetzt?

Christa Hirschi: schön&gut stehen schon lange auf unserer Liste. Ich muss ehrlich sagen, dass ich es fast nicht glauben konnte, dass das Duo vier Programme mit den gleichen Figuren durchziehen und gleichwohl die Spannung aufrechterhalten kann. Es hat sich gelohnt, zu warten: Das vierte ist für mich zugleich das beste Programm von schön&gut.

Welches ist der schrägste Auftritt, den es dieses Jahr geben wird?

Hirschi: Das ist sicher Thomas Kreimeyer. Also schräg ist vielleicht nicht das richtige Wort. Aber es wird sicher der überraschendste Auftritt sein.

Was sind die anderen Renner der 27. Oltner Kabarett-Tage?

Schoch: Das ist eine schwierige Frage. Fragt man aber nach den grossen Namen, die dieses Jahr nach Olten kommen, sind das sicher schön&gut für die Schweiz, Jochen Malmsheimer ist in Deutschland ein grosser Name und Alfred Dorfer in Österreich. Piet Klocke gehört auch zu diesem Kreis. Da sind Künstler zu entdecken, die man sonst oft nur im Fernsehen sieht.

Vom 7. bis 17. Mai ist jeder Tag Kabarett angesagt. Kommt es da nicht zu einer Übersättigung des Publikums?

Schoch: Das müsste man nach den Kabarett-Tagen fragen. Ich fand die Idee, durchzuspielen, immer schön. Mit der Umlagerung des Brunchs auf die Mitte des Festivals im letzten Jahr haben wir eine Lücke geschlossen. Da lag es auf der Hand, am Montagabend ebenfalls etwas zu veranstalten. Wichtig ist aber, dass wir am Montag nicht einfach eine zusätzliche Vorstellung machen, sondern mit der Surprise von Thomas Kreimeyer etwas Spezielles bieten. Und zum Stichwort Übersättigung: Wir sind in den letzten Jahren immer etwa bei 28 bis 30 Veranstaltungen pro Jahr und wir haben 90 Prozent Auslastung.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Hirschi: Ich freue mich vor allem auf schön&gut. Das ist wirklich mein Highlight, denn ich begleite das Duo schon seit dem ersten Programm. Ich habe erlebt, wie nervös Anna-Katharina vor ihrem ersten Auftritt im Theaterstudio war und wie sie immer sicherer wurde. Ich habe schön&gut nie aus den Augen verloren, habe ihre Entwicklung verfolgt. Natürlich freue ich mich auch besonders auf Alfred Dorfer, und ausserdem fasziniert mich Timo Wopp, der gleichzeitig in einem unheimlichen Tempo jongliert und redet.

Und Sie, Claude Schoch?

Schoch: Als Organisator sind für mich die Highlights die Experimente: Dazu gehören Finanzkabarettist Chin Meyer und die Surprise am Montag. Ausserdem der gemeinsame Auftritt von Jochimsen und Stahlberger sowie von Uta Köbernick und Heinz de Specht. Formationen, die in dieser Zusammensetzung noch nie aufgetreten sind. Als Kabarett-Liebhaber nach den Highlights gefragt, glaube ich, dass es dieses Jahr einen grandiosen Kabarett-Cocktail geben wird: Piet Klocke und Schwarze Grütze sind beide gut, und das dürfte auch für den Gewinner der Sprungfeder gelten.