Wangen bei Olten

Betreiberin des «Suppekasper»: «Ich gebe nicht so schnell auf»

Petra Beljean mit ihren ersten «Suppekasper»-Kindern, in der Mitte Tochter Sophie (7). Die definitive, offizielle Eröffnung des Mittagstischs ist aber erst am 12. August.kas

Petra Beljean mit ihren ersten «Suppekasper»-Kindern, in der Mitte Tochter Sophie (7). Die definitive, offizielle Eröffnung des Mittagstischs ist aber erst am 12. August.kas

Nach der Schliessung des «Häxehüüsli» in Wangen bei Olten eröffnet Petra Beljean am 12. August den Mittagstisch «Suppekasper». Dennoch wird sich das Betreuungsangebot in Grenzen halten.

Petra Beljean hat ein neues Kinderbetreuungsprojekt am Start: das Projekt «Suppekasper». «Es ist die Fortsetzung des ‹Häxehüüsli›», erklärt die Wangnerin. Wie früher dieser Kinderhütedienst entstand, entwickelte sich der Mittagstisch aus einer persönlichen Not heraus. «Meine Kinder sind inzwischen aus dem Alter heraus, in dem sie eine Ganztagsbetreuung brauchen». Für sie – die Mutter eines neunjährigen Sohnes und einer siebenjährigen Tochter – sei es deshalb sehr schwer, einen Job zu finden.

2002 begann Petra Beljean in ihrem Eigenheim an der Neumattstrasse als Tagesmutter auf privater Basis mit dem Kinderhüten. Aufgrund der grossen Nachfrage eröffnete sie 2007, zusammen mit ihrer Kollegin/Mitarbeiterin Sandra Moser, im angrenzenden Nebengebäude den Kinderhütedienst «Häxehüüsli». Im Zusammenhang mit dem Kinderpflegegesetz stellte das Amt für soziale Sicherheit (ASO) vor drei Jahren bei einer Überprüfung fest, dass das «Häxehüüsli» das gesetzlich erlaubte Mass überschreitet beziehungsweise «weder einer Spielgruppe, einem Mittagstisch noch einem sporadischen Kinderhütedienst entspricht», hiess es. Um den Hütedienst den Eltern ihrer «Kunden» die Betreuungsplätze so flexibel wie gewünscht anbieten zu dürfen, hätte er nach Erfüllung von Vorlagen laut Pflegekinderkonzept als bewilligte Kindertagesstätte geführt werden müssen. Da sich Petra Beljean und die Verantwortlichen des Amts für soziale Sicherheit nicht einigen konnten, wurde das «Häxehüüsli» geschlossen.

«Umfrage hat Wellen geschlagen»

Im Zusammenhang mit der Diplomabschlussarbeit während ihrer – im Sommer zu Ende gehenden – Ausbildung zur Fachfrau für Betreuung und einer weiterführenden Ausbildung zur Leiterin von schulergänzenden Betreuungsangeboten befasste sich Petra Beljean «einmal mehr mit der Betreuungssituation in Wangen». Während Nachbargemeinden wie Hägendorf, Olten oder Trimbach seit Jahren Kitas, Horte oder Mittagstische anbieten, fehlt dieses Angebot in Wangen bis heute. Petra Beljean erarbeitete im Zusammenhang mit der Abschlussarbeit ein 27-seitiges Konzept und stellte es Gemeinderat und Schulkommission vor. Doch die Behördenvertreter halten sich ihm gegenüber neutral zurück. «Sie wollen keine Begehrlichkeiten wecken, sagen, sie seien nur zur Einführung der Blockzeiten verpflichtet», erzählt Beljean schulternzuckend, fügt aber spitzbübisch lächelnd an: «Wer mich kennt, weiss, dass ich nicht so schnell aufgebe. Und genau aus diesem Grund werde ich in Wangen mein Projekt ‹Mittagstisch Suppekasper› mit Randstundenbetreuung und Hausaufgabenhilfe/Nachhilfe auf Sommer 2013 realisieren.»

Die Einführung von Blockzeiten habe die Situation «nicht wirklich verbessert», sagt die (2009) schweizweit erste zertifizierte Kursleiterin für Babyzeichensprache. «Danach fängt die Schule für die Kinder um 8.20 Uhr an. Doch viele Eltern müssen bereits um 8 Uhr bei der Arbeit sein. Das geht also nicht auf.» Noch ein Beispiel: «Für die jüngeren Kinder ist die Schule einmal pro Woche um 15.05 Uhr und einmal um 15.30 Uhr aus. Kein berufstätiger Erwachsener hat um 15 Uhr Feierabend. Es hat auch nicht jede Mutter einen Elternteil neben sich wohnend, der ein Kind hüten kann. Für Alleinerziehende ist das schwierig.» Ihre Umfrage im Dorf sei nicht die erste zum Thema «Familien ergänzendes Betreuungsangebot» gewesen, «doch wir haben damit wieder Wellen geschlagen».

«Sechs bis acht Plätze reserviert»

«Aufgrund der ausgefüllt zurückgekommenen Fragebögen sind für Sommer sechs bis acht Plätze schon einmal reserviert», hält Petra Beljean fest. Bei weiteren zurückgesandten Fragebögen rechnet sie «acht bis 15 reservierten Plätzen. Mir ist klar, dass wir mit unserem Angebot in erster Linie Kleinwangen ansprechen. Für die Kinder von ‹Grosswangen› ist der Weg an die Neumattstrasse zu weit.» Der «Suppekasper» wird – zumindest in der Anfangsphase – in den früheren Räumlichkeiten des «Häxehüüsli» eingerichtet. «Wir haben die Räume und sind bereit.» Dass deren Grösse sich für das neue Betreuungsangebot auf die Dauer allerdings in Grenzen hält, ist Petra Beljean klar. «Ich bin gerne bereit, mit jemandem zusammenzuarbeiten im Hinblick auf einen besser geeigneten Standort. Lokalitäten, die sich für so etwas eignen, sind in Wangen aber rar.»

Und was gesetzliche Vorlagen angeht, müssen laut Petra Beljean solche für einen Mittagstisch nicht erfüllt werden, weil er unter Aufsicht der Schule läuft. «Eine Gemeinde und Schule sind sich selber lieb, wenn sie eine solche Dienstleistung anbieten.» Ob sie dafür finanzielle Unterstützung erhalten, sei abhängig von der Gemeinde. «Deshalb machen wirs auf privater Basis mit Spenden, Gönner- und Elternbeiträgen», so Beljean. «Solche Angebote würden die Gemeinde und Schule attraktiver machen. Das Elternfeedback zeigt, dass wir auf gutem Weg und sie dankbar sind, dass ich einen Mittagstisch anbiete. Das Bedürfnis nach einem Familien ergänzenden Betreuungsangebot ist definitiv vorhanden.»

www.suppekasper.jimdo.com

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