Die Oltner Bernex Bimetall AG verlagert im Lauf dieses Jahres ihre Produktion vollständig nach Tschechien – dadurch gehen 51 Stellen am Sitz der Firma in Olten verloren. Hintergrund sind die hohen Arbeitskosten in der Schweiz.

«Unsere Produkte sind hoch spezialisiert und arbeitsintensiv», erklärt Vittorio Buzzoni, CEO und Verwaltungsrat der Firma, gegenüber dieser Zeitung. «Es handelt sich um Einzelanfertigungen oder Kleinstserien. Der Herstellungsprozess kann nicht automatisiert werden.» Das bedeutet, dass der Anteil der Lohnkosten am Produktpreis hoch ist. «Und die Lohnkosten sind in der Schweiz nicht unbedingt tief», sagt Buzzoni diplomatisch.

Dazu kommt die Situation auf dem Markt: «95 Prozent unserer Produktion verkaufen wir ausserhalb der Schweiz. Etwa 90 Prozent im Euroraum, den Rest im Dollarraum.» Und: Die grössten Konkurrenten der Bernex produzieren in Nordeuropa – ihre Kosten fallen in Euro an. Das Problem ist nicht neu, die Frage habe sich schon vor 10 Jahren gestellt. Mehrmals habe man den Gürtel enger geschnallt. «Aber seit 2008 hat sich unsere Marge allein aufgrund der ständigen Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro um 30 Prozent reduziert», ergänzt Peter Grob, Mitglied der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates von Bernex.

Es kam nicht überraschend

Der Entscheid, die Produktion ganz in den Bernex-Betrieb in Modrice bei Brno (Brünn, Tschechien) zu verlagern, habe sich darum seit längerem abgezeichnet. Er sei auch gegenüber der Belegschaft seit 2013 angekündigt worden, wenn auch nicht mit Zeitpunkt und genauem Umfang. Der italienische CEO Vittorio Buzzoni wählt seine Worte präzis und bedächtig: «Das tut weh, es fällt uns sehr schwer. Aber wir können uns auf die Dauer nicht gegen übermächtige Marktkräfte stemmen.»

Das Unternehmen sei für ihn wie ein Kind: «Niemand will ein Kind begraben, das ist gegen die Natur. Man will, dass es überlebt.» Soll heissen: Wenn Bernex mit seiner Produktion von Spezialteilen für die Kunststoffindustrie überleben soll, bleibt nur die Verlegung nach Tschechien. Dorthin war schon früher die Produktion von Schnecken aus einem früheren Standort in Rorbas ZH verlegt worden, nun kommen auch die Zylinder hinzu, die bisher noch am Hauptsitz und Bernex-Ursprungsstandort Olten gefertigt wurden.

Viele langjährige Mitarbeiter

Alle 51 Stellen in der Produktion in Olten werden aufgegeben. Nach Auskunft von Peter Grob und Pressesprecher Martin Fricker sind die Betroffenen ausschliesslich Männer, zu 80 Prozent gelernte Berufsleute (vor allem Mechaniker) und meist langjährige Bernex-Mitarbeiter – der Durchschnitt beträgt 18 Dienstjahre. 12 Personen erhalten ein Angebot für die Frühpensionierung mit einer Übergangsrente. Für Einzelne gibt es die Möglichkeit zum Übertritt in die in Olten verbleibenden Abteilungen (Verkauf, Administration und Entwicklung) oder zum Einsatz in Tschechien. Aber 35 Mitarbeiter werden ihre Stelle verlieren.

Von den acht Lehrlingen in der Produktion werden drei diesen Sommer die Lehre abschliessen, für die andern wird Bernex Lehrstellen in anderen Firmen suchen, damit sie ihre Ausbildung dort zu Ende führen können.

Zu einem Sozialplan sei Bernex nicht verpflichtet, sie biete aber für die Entlassenen einen freiwilligen Unterstützungsplan. Dieser wird zum Teil von der Firma, zum Teil vom Bernex Personal-Wohlfahrtsfonds finanziert. Er biete nicht nur finanzielle Hilfe, sondern auch Unterstützung bei der Suche nach neuen Stellen.

«Bernex bleibt in Olten»

17 Mitarbeitende der Bernex Bimetall AG bleiben weiterhin in Olten. Es sind Ingenieure und Techniker im Bereich Engineering (Forschung und Entwicklung) sowie kaufmännisches Personal in Verkauf und Administration. Pläne, auch diese Bereiche ins Ausland zu verlegen, gebe es nicht, verspricht CEO Buzzoni: «Wir bleiben hier. Bernex ist eine schweizerische Marke, und das wollen wir bleiben.»