Oltner Stadtratswahlen

Benvenuto Savoldelli, der Sparfuchs

Benvenuto Savoldelli (54) im Astoria, wo er hin und wieder anzutreffen ist. «In erster Linie bevorzugen unsere Töchter das Lokal», sagt er.

Benvenuto Savoldelli (54) im Astoria, wo er hin und wieder anzutreffen ist. «In erster Linie bevorzugen unsere Töchter das Lokal», sagt er.

Nach seiner ersten Amtsperiode kommt Benvenuto Savoldelli (FDP) zum Schluss: «Ich bin mit meiner Bilanz als Finanzdirektor zufrieden.» Olten habe sich finanziell stabilisiert, auch wenn mehr als 100 Millionen Franken Schulden abzubauen seien. Daran wolle er arbeiten, falls er wieder gewählt werde.

«Verlangt der Finanzdirektor noch das Wort?», fragt der Oltner Gemeinderatspräsident hin und wieder in einer Debatte. Nicht selten blickt der Angesprochene dann über die Schulter hinauf zum Präsidentenpult und schüttelt den Kopf.

Oltner Stadtratswahlen vom 12. März: Benvenuto Savoldelli

Oltner Stadtratswahlen vom 12. März: Benvenuto Savoldelli

Untypisch für einen Stadtrat, aber typisch für diesen Stadtrat. «Ich rede eigentlich nur, wenn ich den Eindruck habe, mit einer wichtigen bislang unbekannten Information dienen zu können.» Der das sagt: Benvenuto Savoldelli, Senkrechtstarter der Stadtratswahlen von 2013.

Als politischer Nobody eroberte der verheiratete Jurist und Vater zweier Töchter die Exekutivbühne im zweiten Wahlgang. Der Mann – unverbraucht. In mehrfacher Hinsicht. Wie erklärten damals doch zwei Parlamentarierinnen einander im Vorfeld ihre Wahltaktik: «Dann wählen wir noch den Savoldelli, da haben wir auch was fürs Auge.»

Savoldelli ist kein Politiker ab Stange. Manchmal sagt er: «Ich bin gar kein Politiker.» Er ist gradlinig, hält mit seiner Meinung nicht zurück, wagt Unbequemes auszusprechen, Gewohntes infrage zu stellen. Aber Konsens ist ihm nicht fremd. «Mit Extrempositionen tue ich mich schwer», erklärt er.

Bringt ihn eine Frage in die diplomatische Bredouille, meint er jeweils leicht amüsiert: «Was soll ich jetzt wieder sagen?», und deutet damit an: Jetzt folgt eine Antwort, hinter der sich der pure savoldell’sche Kern etwas verbirgt. Kein Wunder ist ihm die Figur des süffisant-klugen Don Camillo lieber als jene des Polterers Peppone, den beiden cineastischen Antipoden italienischer Denk- und Lebensart.

Der Stadtrat kann das als italienisch-schweizerischer Doppelbürger und als klassischer Secondo beurteilen: Als 9-Jähriger kam er in die Schweiz und hat «eigentlich immer schon gearbeitet, auch als Kind», wie er sagt.

Daher rührt vielleicht sein Lebensgefühl, Verantwortung für sich und die Zukunft übernehmen zu wollen, ja zu müssen, ohne den andern dabei zu vergessen. «Auch Liberale stehen für eine sozial verträgliche Politik ein», sagt er.

Steuerfuss von höchstens 110 Prozent

Zieht der 54-Jährige nach seiner ersten Amtsperiode ein Resümee, kommt er zum Schluss: «Ich bin mit meiner Bilanz als Finanzdirektor zufrieden, eigentlich sehr zufrieden.» Olten habe sich finanziell stabilisiert, auch wenn mehr als 100 Millionen Franken Schulden abzubauen seien. Daran wolle er arbeiten, falls er wieder gewählt werde.

«Ich wüsste von keiner andern Stadt, die sich so rasch erholt hätte», meint er und spielt damit auf Zeiten an, als mehrere Kommunen ob ihrer Finanznot in die Schlagzeilen gerieten und dort noch immer verharren.

Aber Savoldelli wäre nicht Savoldelli, würde er verschweigen, dass die erfolgreichen Korrekturmassnahmen auch Ergebnis der kollektiven Exekutivarbeit sind «und eine von Finanzchef Urs Tanner.» Dass er sich als Finanzdirektor aber nicht nur Freunde gemacht habe, ist er sich absolut bewusst.

Angetreten war der Präsident der EHC Olten AG seinerzeit mit der Maxime, mit ihm als Stadtrat seien Steuererhöhungen nicht zu machen. «Ich wusste damals nicht, dass Olten finanziell so schlecht situiert war», gesteht er.

Sein Wahlversprechen liess sich nicht einlösen. Er sagt auch, die Reduktion des Steuersatzes auf 95 Prozent sei ein Fehler gewesen, zumal dieser schon unter dem düsteren Finanzhimmel im Jahr 2011 beschlossen worden sei. Ein unüblicher Satz für einen Freisinnigen, der sich eher als Liberaler versteht.

Und heute, quasi 13 Steuerprozente später? Mit dem aktuellen Satz von 108 Prozent könne man leben, sagt Savoldelli. 110 Prozent bezeichnet er unter den gegenwärtigen Verhältnissen als Maximum.

Auch wenn er hinterher schiebt, die Mär, potente Steuerzahlen liessen sich ausschliesslich über einen geringen Steuersatz anlocken, nicht zu halten sei. «Ich erlebe in meiner Zeit als Stadtrat anderes», sagt er.

Übers Ziel hinaus geschossen

Gelegentlich schoss man beim Sparen übers Ziel hinaus. Stichwort: Lohnreduktion. Als Folge davon konnte die Stadt als Arbeitgeber nicht mehr mithalten und blieb so aussen vor. «Daran haben wir wohl zuwenig gedacht und den Entscheid kürzlich korrigiert», sagt Savoldelli, dem man mitunter auch vorhält, er habe mit der Veräusserung von städtischen Liegenschaften den Ausverkauf der Stadt betrieben.

«Wir haben nie strategisch wichtige Immobilien verkauft. Ein einzelnes Haus in einer Häuserzeile wie jenes der Jugendbibliothek etwa kann für die Stadt nicht von grosser Bedeutung sein.»

Viel wichtiger seien zusammenhängende Komplexe, wo sich Konzepte, Neu- und Besonderheiten entwickeln könnten. «Mir ist noch heute unverständlich, wie sich die Stadt etwa die Chance, Besitzerin von SüdWest zu werden, nehmen liess,» sagt er.

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