Urnenabstimmung

Benötigt Hägendorf weiterhin ein Hallenbad? 8 Fragen und Antworten zur Abstimmung

Das Hallenbad mit Schwimmer- und Lernschwimmbecken wäre bei einem Ja zur Sanierung nächste Saison geschlossen.

Das Hallenbad mit Schwimmer- und Lernschwimmbecken wäre bei einem Ja zur Sanierung nächste Saison geschlossen.

Am kommenden 9. Februar entscheidet sich, ob Hägendorf weiterhin ein Hallenbad betreibt oder dieses per Ende Juni schliesst. Die Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden nämlich darüber, ob das Gebäude mit Schwimmer- und Lernschwimmbecken für 3,4 Millionen Franken saniert wird.

An der Gemeindeversammlung Mitte September 2019 traten die 71 Stimmberechtigten einstimmig auf die Sanierung des Hallenbads ein und verwiesen das Geschäft so an die Urne. Zum eidgenössischen Abstimmungstermin am 9. Februar können die Hägendörferinnen und Hägendörfer nun entscheiden, ob sie weiterhin ein Hallenbad wollen oder nicht.

1. Warum soll das Hallenbad saniert werden?

Das Hallenbad im Schulzentrum Oberdorf wurde 1978 eröffnet und ist gemäss Abstimmungsbotschaft «zwingend und unaufschiebbar sanierungsbedürftig». Nach über 40 Jahren Nutzung hätten das Gebäude und «fast alle technischen Anlagen das Ende ihrer Lebensdauer erreicht oder überschritten». Mit einer umfassenden Sanierung wäre der Weiterbetrieb sichergestellt für 15 bis 20 Jahren bei den technischen Anlagen und für 20 bis 30 Jahren beim Gebäude.

2. Wie teuer ist die Sanierung?

Bereits 2010 hat die Gemeinde eine erste Kostenschätzung erstellen lassen. Damals ging man noch von 1,7 Millionen Franken aus. Mittlerweile kostet die Sanierung mit 3,4 Millionen aber das doppelte: Dies, weil «diverse Untersuchungen und Prüfungen durch einen Badspezialisten ergeben haben, dass die Instandsetzung wesentlich umfangreicher sein muss, als auf den ersten Blick ersichtlich war», wie es in der Botschaft weiter heisst. Hauptgrund dafür ist eine umfassende Sanierung des noch vorhandenen Werkstoffs Asbests, der inzwischen wegen seiner krebserregenden Wirkung verboten ist.

3. Welche Alternativen wurden geprüft?

Neben der Sanierung war auch ein Ersatzneubau, bei dem sich die Bauzeit aber deutlich verlängern würde, am gleichen Ort diskutiert worden. Mit mindestens 4.5 Millionen Franken waren dem Gemeinderat die Kosten dafür aber zu hoch.

4. Wie hoch sind die voraussichtlichen Betriebskosten?

Mit dem bisherigen Hallenbad betragen die jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten 180'000 Franken. Diese verringern sich dank des tieferen Energiebedarfs nach der Sanierung um voraussichtlich 30'000 Franken. Trotzdem steigen die jährlichen Gesamtkosten auf 334'000 Franken. Dies, weil Abschreibungen auf Gebäude und Technik von 157'000 Franken dazukommen sowie die Verzinsung der fremdfinanzierten 3,4 Millionen Franken in Höhe von 27'000 Franken. Finanzverwalter Uli Ungethüm sagt auf Anfrage, dass die Sanierung wohl zum Teil aber auch aus Eigenmitteln bezahlt werden könne. Der Hallenbad-Betrieb generiert hingegen kaum Einnahmen: Auf 6000 bis 8000 Franken schätzt Finanzverwalter Ungethüm die jährlichen Einkünfte durch die verkauften Eintritte.

5. Was passierte nach einem Volks-Ja an der Urne?

Die Sanierung wäre gutgeheissen und würde im Juli dieses Jahres starten. Das Hallenbad bliebe die nächste Saison geschlossen und würde im Oktober 2021 wieder eröffnet. Die Öffnungszeiten für die Bevölkerung blieben die gleichen wie bisher.

6. Was passierte nach einem Volks-Nein an der Urne?

Lehnt das Volk die Sanierung ab, dann würde das Hallenbad im Juni nach der jetzigen Saison den Betrieb definitiv einstellen. Der bisher dort stattfindende Schwimmunterricht im Winterhalbjahr wäre dann nicht mehr gesichert, weil dieser in eine andere Gemeinde ausgelagert werden müsste. Dies wäre ebenfalls mit Kosten für Transport und Eintritt verbunden, heisst es in der Abstimmungsbotschaft. Für das geschlossene Hallenbad käme danach entweder ein Umnutzungsprojekt in Frage, etwa ein schulähnlicher Betrieb wie Musikschule, Schulsozialarbeit und Jugendarbeit oder ein Gesundheits- und Freizeitangebot wie Kletterhalle und Gymnastik. Oder der Rückbau des Gebäudes, was allerdings mit der Asbestsanierung und dem Abbruch ebenfalls auf 250'000 Franken zu stehen käme.

7. Warum benötigt Hägendorf weiterhin ein Hallenbad?

Aus Sicht des Gemeinderats ist eine gute Infrastruktur ein Standortvorteil. Das Hallenbad steht von Oktober bis Ende Juni allen Schulen in Hägendorf und der Bevölkerung zur Verfügung. «Der Gemeinderat ist der Ansicht, dass sich diese Investition im Sinne des Ausbildungs- und des Kulturangebots für Hägendorf lohnt», schreibt Gemeindepräsident Andreas Heller auf Anfrage. Und er betont: Es gebe zur Sanierung keine Alternative, wenn das Hallenbad noch erhalten bleiben sollte.

8. Wie stehen die Parteien zur Abstimmungsvorlage?

Zwei von vier Ortsparteien unterstützen die Vorlage. Für die SP ist es eines der Legislaturziele, das Hallenbad zu erhalten, wie Präsidentin Nadine Vögeli auf Anfrage sagt. «In den letzten Jahrzehnten hätten alle Hägendörfer Schülerinnen und Schüler dort schwimmen gelernt.» Im Lehrplan 21 sei Schwimmunterricht zudem weiterhin aufgeführt. Auch die CVP spricht sich dafür aus, weil das Hallenbad ein «Standortvorteil für Hägendorf» sei, sagt Präsident Fabian Lauper. «Es kostet zwar etwas, aber das muss es uns wert sein.» Stimmfreigabe beschlossen haben hingegen die beiden anderen Ortsparteien. FDP-Präsident Patrick Rossi schreibt: «Einige Mitglieder finden, die Investition respektive die anschliessenden laufenden Kosten sind zu hoch und sie würden lieber auf ein Hallenbad verzichten.» Und bei SVP-Präsident Tobias Fischer heisst es, dass die Sanierung «mit einiger Skepsis aufgenommen wurde» wegen der «enorm hohen Kosten». Zudem fragte sich die Partei, «ob es nicht eine Möglichkeit gegeben hätte, die Schwimmanlage so zu gestalten, dass die Öffentlichkeit einen grösseren Nutzen davon hätte».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1