Olten
Beim grossen Fasnachtsumzug sind 100 Kilo Konfetti das absolute Minimum

Haufenweise Konfetti, spendierfreudige Cliquen, Tausende von Zaungästen und zwei, drei längere Staus: dies die Markenzeichen des Fasnachtsumzugs in Olten. Die Wagen blieben ausnahmsweise in mehr oderweniger genormten Grössen. Durchfahrtsprobleme gabs keine.

Urs Huber
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Oltner Fasnachts-Umzug 2017

Bruno Kissling

Eine kleine Umfrage unter ein paar Umzugscliquen brachte es an den Tag: Mit weniger als 100 Kilo Konfetti war niemand von ihnen unterwegs. Die Rätschwyber rechneten grob mit 100 Kilo, die Altstadtzünfter überschlagsmässig mit rund 300. «Und wissen Sie was? Wir nehmen davon nichts mehr nach Hause», sagte einer droben auf dem Wagen und lachte. Den absoluten Rekord aber durfte wohl Obernaar Role dr Nachtwächter für sich und seine Zunft-Mitglieder in Anspruch nehmen. «Wir verbrauchen rund zwei Tonnen am Umzug, haben auf der Route noch Zwischenlager stehen», meinte er lachend. «Mehr geht einfach nicht», schob der Obernaar hinterher.

Spendierfreudige Cliquen

Überhaupt gaben sich die Cliquen heuer am Oltner Fasnachtsumzug äusserst spendierfreudig. Unglaublich, was Mann und Frau am Strassenrand zugeworfen, in die Hand gedrückt oder eben in den Kragen gestopft bekamen: Bonbons, Chilisuppe, Rosen (mit Dornen), Nelken, Schokoriegel, Käsescheiben, Kaugummi, Schleckwaren, Tee mit Rum oder andersrum. Hin und wieder landete eine Frucht in den Zuschauerreihen.

Und eben: Konfettis. Die Austeilstrategie ist unterschiedlich. «Also, es kommt immer ein bisschen auf die Situation an», wusste ein Altstädter. Da gebe es zunächst den Frontalangriff. «Erst jemanden anvisieren, und im letzten Moment den andern nebenan mit Konfetti eindecken.» Auch nicht schlecht sei die Strategie des Angriffs von hinten. «Da rechnet eben niemand mit dir», weiss der erfahrene Zünfter. Und schon griff er wieder in den Konfettisack und nahm das nächste Opfer ins Visier.

Durchlauf in anderthalb Stunden

38 Wagen waren heuer in Olten dabei. Gut anderthalb Stunden dauerte deren Durchlauf auf der vielleicht etwas zu gross veranschlagten Route. Durchfahrtprobleme gabs eigentlich keine, man blieb unter den Wagenbauern für einmal konform in der Kleinstadtnorm. Nur die Glugger (Motto: Manne i d’Hose) reizten gelegentlich mit ihrem stilisierten Kuhkopf und breiten Hörnern die Strassendimensionen aus. Aber die tollkühnen Männer in ihren Drillichhosen wären vermutlich im Stand gewesen, notfalls die Häuserreihen zurück zuschieben.

Und um bei den Grossen zu bleiben: Mit Hörnern und mächtigem Wagen trat auch die Fröscheweid (Mir hei Hörner) im weiss-roten Kuh-Outfit in Aktion, die Hilari machten mit einer grossmächtigen Stretchlimousine und als Backstreet Boys gute Figur, während die Guggi-Zunft in Wildwestmanier auftrat und gar noch mit postierten Winkautomaten gute Mine zum bösen Spiel mit Olten SüdWest machte. Die Rätschwyber segelten hart am Wind und fühlten sich dabei frei wie derselbe und die Bazille liessen den Sarg unter dem Motto «die BeSTADTer» hochleben. Und die Altstadt-Zunft präsentierte doch eine pinkfarbene Giraffe, ein Wunder für Bernhard Grzimek. Die Säli-Zunft hoffierte auf der Ritterburg als «letzter Froburger». Aber wer die Säli-Kids dabei besah, kam unweigerlich zum Befund: Der «letzte Froburger» macht noch lange nicht Schluss.