Olten

Beim 2-Stunden-Lauf gehen Freud und Leid Hand in Hand

Pyjama-Laufanzüge und Stirnbänder waren Ende der 1980er-Jahre bei den Teilnehmern des Oltner 2-Stunden-Laufes angesagt. zvg

Pyjama-Laufanzüge und Stirnbänder waren Ende der 1980er-Jahre bei den Teilnehmern des Oltner 2-Stunden-Laufes angesagt. zvg

Der 2-Stunden-Lauf feiert sein 30-Jahr-Jubiläum – der langjährige Präsident Emile Stricker blickt zurück.

Der Oltner 2-Stunden-Lauf: Was heute als fester Programmpunkt in der städtischen Agenda bezeichnet werden kann, fing einst ganz klein an, 1987 um ganz genau zu sein. Damals schon mit dabei: Emile Stricker aus Olten. Während 25 Jahren stand er dem Verein als Präsident vor, seit fünf Jahren «helfe er nur noch ein bisschen mit», wie er sagt.

«Hinter dem 2-Stunden-Lauf steht die Idee, dass man etwas für sich selbst und andere machen kann», erklärt Emile Stricker. Damals, 1987, gab es diese Art von Lauf bereits in den USA. Von dort fand er den Weg ins thurgauische Frauenfeld. «Das funktioniert auch in Olten», hat sich Stricker, der damals beim Cevi engagiert war, gedacht und in seinem Bekanntenkreis nach Personen gesucht, die bei der Organisation mithelfen würden.

«Damals druckten wir noch 10 000 Laufprospekte», blickt der 61-Jährige zurück und ergänzt: «Heute läuft ein Grossteil der Werbung über das Internet.» Wahnsinnig viel Werbung brauche es aber heutzutage gar nicht mehr. «Der 2-Stunden-Lauf ist zu einem Selbstläufer geworden.» Viele Athleten, die im Jahr zuvor dabei waren, kämen auch beim nächsten Rennen wieder. Jemanden, der heuer zum 30. Mal mitläuft, gibt es zwar nicht, aber viele Läuferinnen und Läufer nehmen immer wieder daran teil.

Darunter auch manch ein Prominenter, wie Triathletin Natascha Badmann oder regionale Politiker wie Regierungs- und Kantonsräte sowie Gemeindepräsidenten. «Zur ersten Ausgabe haben wir den damaligen Oltner Stadtpräsidenten Philipp Schumacher als Ehrenstarter eingeladen», erinnert sich Emile Stricker lachend. «Er kam viel zu spät und wir hatten dann schon angefangen.»

Laufstrecke startete in der Schützi

Letztes Jahr sind fast 500 Personen an der 29. Ausgabe des 2-Stunden-Laufes mitgerannt. Doch es gab auch Jahre, da war die Teilnehmerzahl fünfmal kleiner. «Die ersten zehn Jahre verliefen schleppend, damals nahmen 110, 140 Personen teil», blickt Emile Stricker zurück. Als sich der Event etwas etabliert hatte, kamen auch mehr Teilnehmer. Anfangs bestand die Teilnehmerschaft vor allem aus Cevi-Vereinen und anderen Jugendorganisationen.

«Einen grossen Läufer-Anstieg erlebten wir, als wir die Organisation der Spenden umgestalteten», weiss Stricker, der in Olten nie selbst mitgelaufen ist. Damals wurde die Regel eingeführt, dass ein Drittel des gesammelten Geldes an ein Projekt gespendet werden kann, welches dem Läufer persönlich am Herzen liegt. «Wieso sollte man auch Geld für etwas sammeln, das jemand anders ausgesucht hat?», fragt Emile Stricker.

Bis anhin wurden die gesamten Spenden an die Projekte weitergeleitet, welche von der Organisation des 2-Stunden-Laufes ausgesucht wurden. Seit einigen Jahren sind dies sowohl internationale wie auch lokale Vorhaben. Unterstützt wurden in den letzten 30 Jahren die verschiedensten Projekte. Einmal wurde für Versorgungstöffli in Bangladesch gesammelt, ein anderes Mal für Entwicklungshilfe in Guatemala.

Heuer werden Unternehmergeist und Gesundheit von jungen Frauen in Malawi und die Pfadi Olten unterstützt. Zu Beginn sah die Laufstrecke anders aus als heute. Ende der 1980er-Jahre waren der Start und das Ziel in der Schützi und die Strecke führte dem Aareweg entlang zum Chessiloch und anschliessend ins Kleinholz hoch. Später wurde dann eine Strecke durchs Stadtzentrum gewählt. Emile Stricker: «Manche Ladenbesitzer waren damals aber nicht glücklich über uns, weil wir ihnen den Weg in ihre Läden versperrten. So mussten wir die Strecke dann anders absperren.»

Seit Beginn unfallfrei

Während früher das Geldeintreiben und die damit verbundene Anstrengung im Fokus standen, geniesst heute der Spassfaktor höhere Bedeutung. Es gibt eine Festwirtschaft und Musik am Strassenrand. Auch die Kreativität der Läuferinnen und Läufer hat zugenommen, manche Gruppen kreieren gar ihre eigenen Laufshirts. An der Beschaffenheit des Laufes habe sich aber nichts verändert, ist der ehemalige Präsident überzeugt. «Es ist nicht nur ein Plauschevent, sondern ein qualitativer Laufanlass.»

Am besten gefällt ihm die bunte Durchmischung der Athleten, denn vom Kind mit hochrotem Kopf bis zum schwitzenden Rentner sei alles dabei, so Stricker. Besonders stolz ist der 61-Jährige auf die Tatsache, dass in all den Jahren nie ein Unfall passiert ist. «Und darauf, dass wir stets gutes Wetter hatten», meint Stricker und grinst. «Einmal mussten wir den Lauf verschieben, weil die Holzbrücke bereits anderweitig in Betrieb war. In diesem Jahr hat es am traditionellen Datum geregnet und an unserem Verschiebedatum schien die Sonne.»

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