Olten

Bei Suchtkranken und Langzeit-Arbeitslosen führten Corona-Massnahmen zu prekären Situationen

Während des Lockdowns erledigte das Oltech-Team die Arbeiten der Teilnehmenden. Langsam können sie an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Während des Lockdowns erledigte das Oltech-Team die Arbeiten der Teilnehmenden. Langsam können sie an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Für Suchtkranke, Menschen im Time-out oder Betroffene von Langzeitarbeitslosigkeit ist die Normalität während der Coronakrise noch weiter in die Ferne gerückt.

Bei der Oltner Bildungswerkstätte Oltech erhalten Menschen Unterstützung auf ihrem Weg in die berufliche Integration. Das Angebot für Teilnehmende aus der Arbeitslosenversicherung, IV und den Sozialregionen bietet den Betroffenen eine Tagesstruktur und begleitet sie in individuellen Coachings. Auch diese Angebote waren von den Massnahmen des Bundes am 17. März betroffen. «Praktisch über Nacht mussten wir unsere Räumlichkeiten für die Teilnehmenden schliessen», sagt Felix Pfaff, Geschäftsführer von Oltech. Mit allen Betroffenen wurde Kontakt aufgenommen: «Uns war wichtig, dass wir mit ihnen weiter im Austausch stehen, um sie über die Entwicklungen informieren zu können.»

In dieser Zeit wickelte das Team der rund 30 Festangestellten Aufträge aus dem ersten Arbeitsmarkt anstelle der Teilnehmenden ab. Diese mussten Zuhause bleiben. Pfaff sagt: «Für diese Menschen ist ein Unterbruch der gewohnten Struktur noch schwieriger zu bewältigen; die sozialen Folgen treffen sie noch härter.» Für das Team sei es leichter gewesen, auch weil dieses weiterhin arbeiten durfte. Hier habe das Zusammenspiel gut funktioniert. Pfaff erkennt darin auch eine Chance: «Die Mitarbeitenden aus Coaching und Administration konnten einen Einblick hinter die Tätigkeit der Teilnehmenden werfen.» Das Team von Oltech führte Arbeiten in verschiedenen Abteilungen aus wie beispielsweise das Sortieren und Recyceln von alten Elektrogeräten am Förderband. «Unsere Aufträge konnten wir nicht liegen lassen. Sie zu verlieren war keine Option.»

Pfaff spürt in Gesprächen mit den Teilnehmenden, dass sich diese den Besuch der Tagesstruktur wünschen. «Seit dem 11. Mai dürfen wir Teilnehmende in unseren Abteilungen wieder beschäftigen.» Die Umsetzung der Vorsichtsmassnahmen des Bundes ist aufwendig und wurde mit den verschiedenen Zuweiser wie dem Kanton abgesprochen. Wegen den geltenden Abstandsregeln ist man von einer Vollbeschäftigung aller Teilnehmenden noch weit entfernt: Diese liegt momentan bei etwa der Hälfte. Laut Pfaff wird nach Alternativen gesucht, um möglichst bald wieder alle der Institution angeschlossenen Personen ins Boot zu holen.

Kein Rückgang der Neuanmeldungen bei Anlaufstellen

Auch die Suchthilfe Ost wurde durch die Massnahmen des Bundes vor eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Esther Altermatt ist Co-Geschäftsleiterin der Suchthilfe. Sie sagt: «Der direkte Kontakt mit unseren Klienten beschränkten wir sofort auf ein absolutes Minimum.» Die Teams arbeiteten vorwiegend von Zuhause aus. Erstgespräche und Beratungen wurden per Telefon geführt. Weil auch die Arbeitsprogramme durch den Kanton geschlossen wurden, entfiel für die Klienten die Präsenzzeit.

Diese ist normalerweise an die Auszahlung von Sozialhilfe gekoppelt. «Die Leute konnten ihr Geld weiterhin am gewohnten Schalter beziehen, allerdings bei reduzierten Öffnungszeiten.» Für alle Angebote musste eine Lösung gefunden werden. Der Raum, wo Suchtkranke geschützt Drogen konsumieren können, wurde zu Beginn der Massnahmen ganz geschlossen wie auch in der restlichen Schweiz. «Nach ein- bis zwei Wochen stellten wir fest, dass diese Situation für die Betroffenen unhaltbar war.» Daraufhin wurde auch dieses Angebot mit angepassten Zeiten wieder geöffnet.

Umfrage in der Stadt

Die Mitarbeitenden der Stadtküche waren während des Lockdowns auch in der Stadt unterwegs, um an von Klienten bevorzugten Plätzen nach deren Wohlbefinden zu schauen. «Uns war wichtig, dass wir den Kontakt zu ihnen trotzdem aufrechterhalten konnten», so Altermatt. Die Stadtküche stellte täglich mehrere Menus zur Verfügung, die als Take-away angeboten wurden. «Wir versuchten, die Bedürfnisse unserer Klienten abzudecken. Mit manchen fand telefonischer Austausch statt und wir konnten so Unterstützung leisten», sagt Altermatt.

Suchthilfe Ost bot Betroffenen einen Einkaufsservice an und machte wo nötig auch Hausbesuche. «Alle diese Angebote fanden unter Berücksichtigung der gegebenen Schutzmassnahmen statt.» Langsam kehrt aber wieder eine gewisse Normalität ein. Die Klientinnen und Klienten seien vermehrt wieder vor Ort anzutreffen, zum Teil wünschten sie sich aber auch noch Kontakt per Skype. Arbeitsprogramme werden wieder gestartet, ab dem 8. Juni sind dann auch die Auszahlungen des Sozialgeldes wieder an die Präsenz gebunden. Altermatt sagt: «Wir können feststellen, dass unsere Leute froh sind, wenn wieder Normalbetrieb herrscht. Sie schätzen den Kontakt und die Unterstützung.»

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