Olten

Bei Herznotfall zählt jede Sekunde - Oltner Stiftung lanciert neue Kampagne

Jules und Marianne Steiner mit Hugo Saner (v.l.); Jules Steiner wurde nach einem Herznotfall vor rund 10 Jahren dank Feuerwehreinsatz und Defibrillator gerettet.

Jules und Marianne Steiner mit Hugo Saner (v.l.); Jules Steiner wurde nach einem Herznotfall vor rund 10 Jahren dank Feuerwehreinsatz und Defibrillator gerettet.

Die Herzstiftung lanciert eine weitere Herznotfallkampagne; hinzu kommt die Herznotfall-App der Schweizerischen Herzstiftung.

Nach Informationskampagnen, Herzlauf, finanzieller Unterstützung von Herzpatienten oder etwa der Implementierung von Defibrillatoren in Feuerwehren der Region ruft die Herzstiftung Olten zur nächsten Kampagne. Wie Doktor Hugo Saner, Projektleiter Herznotfall Herzstiftung Olten an der Medienkonferenz am Freitag ausführte, hat die Sensibilität für den Herznotfall nämlich nachgelassen.

Untersuchungen jedenfalls zeigen: Der Zeitverlust zwischen Vor-Spitalphase und Spitalpflege bei akutem Herzinfarkt bewegt sich praktisch wieder auf demselben Niveau wie 1992/93, als die erste Herznotfallkampagne startete. Im Folgejahr 1994 lag der Zeitverlust immerhin um ein Drittel tiefer; ein Umstand, welcher den Effekten der seinerzeitigen Kampagne zugeschrieben wird.

Maxime: Schnell reagieren

Dass schnelle Reaktionszeiten entscheidend sind, davon kann Jules Steiner erzählen. Vor knapp 10 Jahren wurde der Niedergösger Opfer eines Herznotfalls. Viele glückliche Momente haben zu seiner Rettung beigetragen. «Zum einen sass ich nicht allein am Tisch; zum andern wusste der Sohn als Mitglied der Pfadi, was in solchen Fällen zu tun ist», erzählt der heute 62-Jährige. Zum Zweiten war die alarmierte örtliche Feuerwehr Niedergösgen innert vier Minuten zur Stelle und konnte via Defibrillator mit der Reanimation beginnen. «Die Ambulanz traf erst nach knapp 20 Minuten ein», erinnert sich Marianne Steiner.

Saner bringt seine Botschaft exakt auf den Punkt: «Richtig und schnell reagieren – das A und O bei Herznotfällen.» Jährlich sind in der Schweiz rund 8000 Menschen vom plötzlichen Herztod betroffen; heute liegen deren Überlebenschancen bei 2 bis 5 Prozent. «Möglich aber wären bis zu 50 Prozent», so Saner.

Eine App als Hilfe

Kräfte bündeln. Und weil alle so etwas wie Herznothelfer sein können, lanciert die Herzstiftung Olten im Auftrag der Schweizerischen Herzstiftung die kostenlose App «Help Notfall» für Smartphones mit iOS- oder Android-Betriebssystem. Die App bietet eine praktische Handlungsanleitung und führt visuell und akustisch in die lebensrettenden Massnahmen ein. «Laden 20 Prozent der rund 80'000 Menschen im Einzugsgebiet Olten die App herunter, ist das ein guter Anfang», so Saner.

Das alles aber reicht nicht. Saner will die Überlebenschancen von Herznotfallpatienten weiter optimieren, verzehnfachen. Und so initiiert er weitere Neuerungen in den Jahren 2016/17. Flächendeckende Ausbildung von Freiwilligen mit absolvierter Ausbildung zum First Responder, der – wenn er sich in der Nähe eines Herznotfalls aufhält, zusätzlich zum Rettungsdienst aufgeboten wird. Hinzu kommt eine verstärkte Laienausbildung, die Weiterführung des Mini-Anne-Projekts, bei dem Schülerinnen und Schüler aus der Region in Beatmung und Herzmassage ausgebildet werden. Und natürlich darf die Info via Briefkasten nicht fehlen. So kann dem Umstand begegnet werden, dass Ambulanzfahrzeuge immer häufiger im Verkehr aufgehalten werden. «Bleiben die ersten acht Minuten nach Eintritt eines Herznotfalls ohne effektive Behandlung, sinkt die Überlebensrate auf 10 bis 20 Prozent», weiss Saner.

Bei aller Prävention: Was rät der Fachmann Otto Normalverbraucher, damit dieser nicht zum Herznotfallpatienten wird? «Nicht rauchen, gesund ernähren, also von nichts zu viel essen, viel bewegen und Stress unter Kontrolle halten.» Saner weiss Bescheid: Denn wenn die beklemmende Enge im Brustkorb eintritt, sich das Druckgefühl im Brustbereich bemerkbar macht, der Schmerz sich in den linken Arm, Rücken, Schulterblätter oder Unterkiefer ausstrahlt, ein plötzlicher Schmerz im Oberbauch und Atemnot bei Anstrengungen auftreten: dann ists höchste Eisenbahn. Anzeichen eines Herzinfarkts.

Die «Help Notfall-App» steht in den App Stores Apples iTunes / Google Play zum Download bereit.

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