Verschwunden
Bei Froburg schmerzlich vermisst: ein Wanderwegweiser

Auf geheimnisvolle Art und Weise verschwindet ein Richtungsanzeiger bei der Ruine Froburg spurlos. Womöglich waren akribisch agierende Vandalen am Werk.

Urs Huber
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Wo einst der Wegweiser stand, sinniert heute Oswald Schmid über dessen Verbleib. Im Hintergrund Teile der Ruine Froburg.

Wo einst der Wegweiser stand, sinniert heute Oswald Schmid über dessen Verbleib. Im Hintergrund Teile der Ruine Froburg.

Hub

Im Juni war er noch da, Mitte Juli aber verschwunden; auf rätselhafte Weise und ohne Spuren zu hinterlassen. Die Rede ist vom Wanderwegweiser nahe der Ruine Froburg. Oswald Schmid, Bezirksleiter Olten-Gösgen der Solothurner Wanderwege, stupst mit der Fussspitze das lockere Erdreich zur Seite und wird fündig. «Hier ist er gestanden», sagt der Dulliker trocken.

Das ganze Ding, wohl an die 50 kg schwer, wie vom Erdboden verschluckt. Besuchern der Ruine Froburg hat er seit mehr als 30 Jahren den Weg gewiesen. Wer vor ihm gestanden ist, erfuhr: Nach rechts gehts Richtung Trimbach/Olten, nach links Richtung Froburg, Wisen, Gelterkinden. «Zur Ruine selbst gab er zwei Minuten an», weiss Schmid, seit 1978 bei den Solothurner Wanderwegen dabei.

Eine Primeur

So etwas sei ihm bislang noch nicht untergekommen, weiss er. Eine Primeur, sozusagen. «Niemand hat irgendwas gesehen», erklärt Schmid. Er habe überall herumgefragt. «Nichts», bilanziert er das Ergebnis. Und weil gestandene Mannsbilder nicht an Wunder, aber allenfalls an Vandalismus glauben, hat Schmid mit zwei, drei Kollegen der Solothurner Wanderwege vor rund 14 Tagen weite Teile des angrenzenden Südhangs – in sehr unwegsamem Gelände – nach dem Corpus Delicti abgesucht.

Vergebliche Liebesmüh

«Gelbfarbene Schilder müssten doch direkt ins Auge stechen», sinniert Schmid. Aber: Die Suche blieb vergebliche Liebesmüh. Der Wegweiser inklusive Betonsockel bleibt bis auf den heutigen Tag verschwunden. Noch nicht mal Spuren des Betonsockels seien auszumachen. Das wäre eigentlich nur verständlich, wenn das ganze Konstrukt vollständig ausgegraben und dann abtransportiert worden wäre.

Mit einem Fahrzeug eher unwahrscheinlich, getragen aber durchaus denkbar. Schmid zuckt mit den Schultern. «Mindestens 500 Franken sind futsch», sagt er. Und was Schmid ebenfalls zu bedenken gibt: «Wegweiser stehen den Wandernden ja als Orientierungshilfe zur Verfügung. Natürlich weniger den Ortskundigen aus der Region als Auswärtigen. Aber von Letzteren hat es ebenfalls viele», wie er weiss.

Vandalen am Werk?

Der geäusserte Verdacht auf Vandalismus ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Denn unweit des einstigen Wegweiserstandorts befindet sich ein grosszügiger Grillplatz, der gut frequentiert scheint. Und was auf Grillplätzen nach drei, vier, fünf Bieren oder dann aus blosser Lust auf Leben und Abenteuer geplant und manchmal auch in die Tat umgesetzt wird, wissen alle, die bei solchen Anlässen auch schon mal das Wort geführt haben. Ein Wanderwegweiser im eigenen Garten, just neben dem Koi-Teich; originell, weil eben nicht käuflich.

Für Oswald Schmid ein schwacher Trost. «Auf jeden Fall wäre ich dankbar für etwaige Hinweise», meint der 81-Jährige. Denn die Hochzeit der Wandernden, der Herbst, steht vor der Tür. Ob bis dann der vermisste Wegweiser zurückgekehrt ist, steht in den Sternen.