Die beiden Architekten zeigten dabei Mut. Wieviele Interessierte würden den Weg ins Mokka-Rubin finden? Würde es eine reine abgehobene Fachsimpelei für Eingeweihte? Es zeigte sich schnell, dass das auf hohem Niveau geführte Gespräch auch für Laien verständlich war. Kurt Schneider ist seit sechs Monaten im Amt und hat sicher ein grosses Erbe mit diversen Baustellen angetroffen.

Daniel Schneider meinte, dass ihm vor Jahren ein Lehrmeister gesagt habe „schwümm oder versuf“ und fragte den städtischen Baudirektor ob er den Weg schon gefunden habe. Dieser antwortete mit trockenem Humor, dass er gerne schwimme, auch in kaltem Wasser, aber auch noch auf der Suche sei. In Olten zeige sich eine andere Philosophie, man mache sich gerne klein. Während sein Amt in Aarau Stadtbaumeister geheissen habe, sei es hier eben „nur“ Leiter der Baudirektion, und es sei das Gemeinde- und nicht das Stadtparlament. Er sei aber bereit sich den Herausforderungen zu stellen und sei sich auch bewusst, dass sich seine Aufgabe auf eine längere Dauer erstrecken werde, er rechne mit einer Perspektive von über drei Jahren.

Nicht nur Bahnhof

Architekt Schneider kam auch auf die massiven Sparübungen zu sprechen. Um den Steuersatz tief zu halten, sei sicher auch massiv an der Substanz, sprich Unterhalt gespart worden. Aber auch die Stadtplanung habe darunter gelitten. Dazu meinte der Kurt Schneider, dass es wichtig sei Fachkompetenzen zusammenzuführen. Es gäbe auch sehr wichtige Projekte wie zum Beispiel den Bahnhofplatz. Bei diesem sei es wichtig, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten. Die SBB, der Kanton und die Stadt Olten dürfen sich nicht nur auf die je eigenen Interessen versteifen. Der Bahnhof sei wie die Altstadt und die Holzbrücke eine Visitenkarte der Stadt.

Bevölkerung einbeziehen

Ein weiteres Thema war die Ortsplanungsrevision. Kurt Schneider meinte dazu, dass Ortsplanung nicht nur formalistisch sei, es sei wichtig zu wissen, wohin die Stadt Olten wolle. Die Diskussion darüber dürfe aber nicht allein im Stadtrat und im Gemeinderat geführt werden, die Einwohner und Einwohnerinnen müssen beigezogen werden, auf ihre Meinung müsse man eingehen. Bei grösseren Projekten sei es aber auch wichtig, dass die Bevölkerung informiert werde. Es sei ihm klar, dass die Ressourcen knapp seien. Er wolle aber die Projektleiter vermehrt dafür sensibilisieren, dass man Anwohner und Anwohnerinnen auf dem Laufenden halte.

Dabei nannte er die Sanierung der Holzbrücke als Beispiel. Hier wolle man sehr offensiv Öffentlichkeitsarbeit leisten, was aber etwas kosten werde. Damit sprach er die Parlamentssitzung vom kommenden Donnerstag an. Er wolle mit Schulen und Museen zusammenarbeiten. Und warum nicht Baustellenführungen anbieten? Zum Schluss meinte er, dass diese neuen Geschäfte für ihn eine Nagelprobe seien. Da er in Olten noch nicht sehr vernetzt sei, wolle er mit offenen Karten spielen und das Inhaltliche in den Vordergrund stellen.

Der Mut der beiden Architekten hat sich gelohnt. Zwar kamen am Freitagabend „nur“ rund zwanzig Interessierte ins Mokka-Rubin. Diese zeigten sich aber sehr zufrieden. So meinte Rudolf Moor, Gemeinderat SP: „Es ist gut, dass diese Gespräche wieder stattfinden. Und es war ein sehr aufschlussreicher Abend“. Und Jan Hinkelmann, Vorstandsmitglied des Vereins LEONA (Lebendige Oltner Nachbarschaft), meinte, es sei wichtig, dass man Kräfte bündle, anstatt nur jammern. Daniel Schneider zeigte sich befriedigt und überzeugt, dass er und Schwab auf dem richtigen Weg seien. Mit ein bisschen mehr Werbung werden auch mehr Leute den Weg ins Mokka-Rubin finden.