In der Innenstadt von Olten sei immer mit archäologischen Funden zu rechnen, betont Andrea Nold, wissenschaftliche Assistentin bei der Kantonsarchäologie. Die römische Siedlung von Olten bestand zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert und bedeckte zunächst ungefähr die Fläche von der Altstadt bis zur Frohburgstrasse und von der Aare bis zur Baslerstrasse. In der Spätzeit, im 4. und 5. Jahrhundert, umschloss eine mächtige Mauer die nun deutlich kleinere Siedlung, die die Fläche der Altstadt einnahm.

Aber auch Spuren jüngerer Zeiten haben sich in Oltens Boden rund um die Stadtkirche erhalten. So war aus historischen Schrift- und Bildquellen und aus früheren Untersuchungen bekannt, dass vor der heutigen Stadtkirche an derselben Stelle eine kleine Kapelle stand und dass sich westlich der Stadtkirche unter dem Munzingerplatz ein Friedhof erstreckte.

Die Kantonsarchäologie begleitet deshalb die Bauarbeiten zur Neugestaltung Innenstadt in Olten von Beginn an. Einige Leitungen werden in bereits bestehenden Gräben verlegt, das heisst, allfällige archäologische Befunde sind bereits früher meist unbeobachtet zerstört worden. Es gibt aber auch zahlreiche neue Leitungsgräben, die durch ungestörten Boden verlaufen. In diesen Gräben ist denn auch bisher schon einiges zum Vorschein gekommen.

Feuerstelle aus römischer Zeit

Aus römischer Zeit stammt eine Feuerstelle aus einigen flach liegenden Ziegelsteinen in der Kreuzung Kirchgasse/Baslerstrasse/Hauptgasse/Mühlegasse. Westlich davon erstreckt sich eine Schicht aus vielen faustgrossen Kieseln, die vielleicht eine Strasse oder einen Platz befestigten.

In der Mühlegasse ist ein grosser Kalkstein mit einer quadratischen Aussparung zum Vorschein gekommen. In dieser Aussparung steckte ursprünglich wohl ein Holzpfosten. Vielleicht gehörte dieser Stein zur mittelalterlichen oder gar zur römischen Stadtbefestigung. Er muss irgendwann in den letzten Jahrhunderten an diese Stelle verschleppt worden sein.

Kreuzkapelle vor der Stadtkirche

Bevor ab 1806 die Stadtkirche errichtet wurde, stand an der Kreuzung Kirchgasse/Baslerstrasse die Kreuzkapelle von 1603. Auf einer Darstellung aus dem 18. Jahrhundert ist die Kapelle parallel zur Kirchgasse ausgerichtet, mit dem Chor im Osten. In einem neuen Leitungsgraben sind nun Mauern dieser Kapelle und sechs Gräber zum Vorschein gekommen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die Bürger von Olten eigentlich im Friedhof um die alte Stadtkirche in der Altstadt, beim heutigen Ildefonsplatz, bestattet. Laut einer Schriftquelle wurden bei der Kreuzkapelle nur Fremde begraben.

Westlich der Stadtkirche, unter dem Munzingerplatz, lag der Friedhof zur Stadtkirche, der von 1812-1861 benutzt wurde. Danach wurden Oltens Verstorbene im Friedhof im heutigen Stadtpark bestattet. Da der Friedhof bei der Stadtkirche nur Platz für etwa 300 Gräber bot, mussten die Gräber mehrmals belegt werden. Das heisst, die Grabgruben wurden nach einiger Zeit wieder geöffnet, die Knochen entnommen und eine frisch verstorbene Person wurde in der Grube bestattet. Die entnommenen Knochen wurden in eine grosse Grube am Südrand des Friedhofes umgebettet. Diese Grube mit Bestandteilen von hunderten Skeletten ist letzte Woche bei den Bauarbeiten zum Vorschein gekommen.

Die eigentlichen Gräber sollen möglichst nicht zerstört werden. Die Kantonsarchäologie hat 2008 Baggersondierungen auf dem Munzingerplatz gemacht, als Vorbereitung auf den allfälligen Bau eines Parkhauses. Dabei hat sie mehrere Gräber freigelegt. Eine Lücke zwischen diesen Gräbern geht auf einen parallel zur Stadtkirche verlaufenden Weg dieses Friedhofes zurück. Dank den Sondierungen der Kantonsarchäologie können die neuen Leitungen nun innerhalb dieses Weges verlegt werden, so dass keine Gräber zerstört werden müssen. Auch in diese Richtung läuft also die Zusammenarbeit zwischen Stadtbehörden und Kantonsarchäologie. (mgt)