Olten

Beherrscher einer Handwerkskunst

Michael Erni und Michael Aeberhard im Duett.

Michael Erni und Michael Aeberhard im Duett.

Tenor Michael Aeberhard und Gitarrist Michael Erni gastierten im Konzertsaal

Sonntagabend, am Montag geht es zurück an die Arbeit. Was gibt es Schöneres als das Wochenende mit einem Konzert im Stadttheater in Olten aus-klingen zu lassen? Der Tenor Michael Aeberhard und der Gitarrist Michael Erni sorgten mit dem Weihnachtskon-zert für den entsprechenden Einstieg in die kommende Woche.

Beide beherrschen ihre Instrumente, Erni die Gitarre und Aeberhard seine Stimme. Ein Instrument spielen oder singen sind Handwerk, und beide Männer beherrschen es. So wie Richard Sennet in seinem gleichnamigen Buch schreibt: «… sie sind Handwerker, weil sie ihrer Arbeit mit Hingabe nachgehen und sie um ihrer selbst willen gut machen wollen.» Und sie wollen es nicht nur gut machen, sie machen es gut, sogar sehr gut.

Schon beim «Ave Maria» zeigte sich, wie gut sich die beiden Künstler verstehen und aufeinander eingespielt sind. Sie verstehen sich fast blindlings, gehen gekonnt aufeinander ein. Sie kommunizieren auch wunderbar mit dem Publikum. Als dieses «unprogrammmässig» beim zweiten Stück einen spontanen Zwischenapplaus spendet, reagiert Aeberhard mit viel Humor und kommentiert diesen mit Witz und Charme.

Eine Oper besteht bekanntlich aus Stücken für Chöre, Arien für Solisten und einem Orchester. Es geht aber auch «nur» mit Gitarre und einem Tenor. Dies bewiesen die beiden Musiker mit zwei Arien aus der «Zauberflöte». Mit «Holde Flöte» traten Erni und Aeberhard in einen Dialog, der bei einer normalen Opernaufführung so nicht möglich wäre. Hier Tamino, da der Rest des Ensembles der Oper.

Noch nie gehört

«Das habe ich noch nie gehört» meinte ein Zuhörer zum Solostück von Erni. Dabei hat er – und nicht nur er – dieses Lied wohl schon hunderte Male gehört. «Happy Birthday» eigentlich ein wirklich banales Stück. Tarréga, ein spanischer Komponist, hat dieses Stück aber neu, ganz anders, umgesetzt. So hat man es wirklich noch nie gehört. Hier zeigte sich Ernis ganzes Können. Seine Finger flogen, tanzten und wanderten über die Saiten. Fein und leise, dann wieder kraftvoll und mächtig überraschte er das Oltner Publikum mit dem eben nicht so banalen Geburtstagslied. Aber auch Aeberhard ist ein Meister seines Handwerks. Das «Wolgalied» aus Lehars «Zarewitsch» sorgte für Gänsehautstimmung.

Heiter und beschwingt ging es nach der Pause weiter. Das Publikum wurde in die Zeiten von Strauss versetzt. Mit dem Lied «Wie mein Ahnl zwanzig Jahr» aus dem «Vogelhändler» von Zeller schufen die beiden eine Kaffeehausstimmung, wie man sie noch heute in Wien erleben kann. Aeberhard überzeugte nicht nur hier durch seine stimmliche Kunst, die ohne überflüssige Schnörkel das Publikum in seinen Bann schlägt. Er versteht wahrlich sein Handwerk.

Natürlich steht ein Programm immer nur auf dem Papier. Und natürlich dürfen Künstler davon abweichen. Die Arie «Martha» aus der eher unbekannten gleichnamigen Oper von Friedrich von Flotow wäre vorgesehen gewesen. Dieser Punkt wurde kurzfristig durch das bekannte Stück «Santa Lucia» ersetzt. Obwohl dies zu bedauern war, zog auch der Klassiker die Zuhörer in seinen Bann.

Erni ist bekannt für seine Affinität zur spanischen Musik. Diese bewies er durch «Fantasia Morisca», von ihm komponiert. Ruhige Töne, die zu fla-mencoartigen Rhythmen überführten, zeugte von Ernis grosser Virtuosität. Dass Aeberhard auch soulig kann, bewies er mit «White Christmas». Am Ende ertönte «Stille Nacht, Heilige Nacht», das ganze Publikum sang mit: der klangvolle Schlusspunkt eines schönen Konzerts.

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