OLTNER STADTRATSWAHLEN
Beatrice Schaffner, die Unverfilzte

Für ihre Wahlheimat Olten will sich Beatrice Schaffner (GLP) mit Fachwissen einsetzen.

Janine Gloor
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Im «Gleis 13» isst Stadtratskandidatin Beatrice Schaffner (53) manchmal mit ihren Arbeitskollegen zu Mittag. Hier fühlt sie sich immer gut aufgehoben.

Im «Gleis 13» isst Stadtratskandidatin Beatrice Schaffner (53) manchmal mit ihren Arbeitskollegen zu Mittag. Hier fühlt sie sich immer gut aufgehoben.

Bruno Kissling

Beatrice Schaffner ziert sich nicht, als ihr der Fotograf für ihr Werbevideo eine Kamera vor das Gesicht hält. Sie findet klare Worte. «Die Stadt hat Fehler gemacht, viele Investitionen hätten anders verlaufen sollen», sagt sie, ohne zu zögern. Im Interview erklärt die 53-Jährige mit ruhiger Stimme, welche Fehler gemacht wurden. «Ein Beispiel ist der Gäubahnsteg. Dieser führt ins nirgendwo.» Ein anderes Beispiel sei die Velostation Olten Ost, dort befänden sich die Bügel auf der falschen Seite. «Die Leute, welche das geplant haben, waren noch nie in einem Veloparking.»

Die zehn Kandidaten unter der Lupe

In loser Folge berichtet das Oltner Tagblatt bis Mitte Februar in einer Porträtserie über die fünf Frauen und fünf Männer, die sich für die fünf Oltner Stadtratssitze bewerben.
Wie stehen sie zur Stadtteilverbindung ins Quartier Olten SüdWest? Sollen die Christkatholiken für die Sanierung der Stadtkirche einen Zustupf aus der Stadtkasse erhalten? Finden sich in der Stadt genügend Parkplätze? Oder wie halten es die Kandidierenden mit möglichen Steuererhöhungen?

Zu Wort kommen aber nicht nur die Kandidierenden selbst, sondern auch deren Lebenspartner.

Die Oltner Stadtratswahlen finden am 12. März statt.

Die grünliberale Politikerin setzt auf ihre praktische Erfahrung. «Seit ich sechzehn Jahre alt bin, arbeite ich in der Privatwirtschaft.» Dieses Wissen sei im Stadtrat bitter nötig. «Viel zu oft verlässt man sich auf externe Firmen und ist zu wenig kritisch. Ich bringe Fachkompetenz mit.» Schaffner arbeitet als Ingenieurin im Bereich Energieeffizienz in einem Oltner Büro.

Beatrice Schaffner hat als Lokal das «Gleis 13» ausgewählt. Die Frau mit dem grauen Kurzhaarschnitt fällt auf unter den Gästen; hauptsächlich Männer, die lange sitzen bleiben und zwei jungen Frauen, die auf Französisch ein Meeting abzuhalten scheinen. «Ich bin oft hier», sagt Schaffner. «Ob mit den Kollegen zum Zmittag oder einfach um etwas zu trinken, hier fühle ich mich immer gut aufgehoben.»

Sie spricht mit ruhiger Stimme, wenn sie überlegt, schaut sie kurz zum Fenster hinaus. Impulsivität gehört nicht zu ihrem Repertoire, sie wirkt analytisch und professionell – und sympathisch. Und sie weiss genau, wieso sie eine gute Stadträtin abgeben würde. «Ich bin im richtigen Alter und bringe Sachwissen mit.» Ein bisschen gesetzter sei sie, das Alter helfe zum Beispiel bei der Sozialkompetenz. Seit 2013 ist sie im Kantonsparlament und die Politik ist ihr noch nicht verleidet, im Gegenteil. «Kurzfristige Erfolge gibt es im Leben nicht. Mir machen langfristige Beziehungen Spass.» Eine Frau mit freundlicher Beharrlichkeit.

Der Vorteil der Zuzügerin

Ihr Dialekt verrät sie als Nicht-Oltnerin. Schaffner ist in Rapperswil SG aufgewachsen, hat in Basel eine Lehre zur Chemielaborantin gemacht. «Ich habe lang in Basel gearbeitet und schliesslich die Erwachsenmatur gemacht», erzählt sie. Irgendwann habe sie Basel dann gesehen. Sie zog von dort weg und wurde schnell in Olten heimisch. «Olten ist eine total unterschätzte Stadt», sagt sie. Mit ihrem Mann wohnt sie in einem «Hüsli» mit Garten. Dass sie eine Zuzügerin ist, sieht sie als Vorteil im Wahlkampf. «Ich bin unabhängig und unverfilzt. Ich kann entscheiden, ohne mich irgendwelchen Interessenverbänden anpassen zu müssen.» Die Kandidatin mit Doktortitel will mit Fachwissen überzeugen.

Das sagt der Ehemann

Stärke: «Sie hat eine rasche Auffassungsgabe und sehr gute analytische Fähigkeiten.»

Schwäche: «Sie kann gegenüber Leuten, die unreflektierte Aussagen wie ‹Das haben wir schon immer so gemacht› von sich geben, etwas intolerant sein.»

Was aber nicht heisst, dass sie nicht am Leben in der Stadt teilnehmen würde. «Olten ist eine sehr integrative Stadt. Man kennt sich im Quartier.» Sie geht gern an öffentliche Anlässe, zum Beispiel an den Neujahrsapéro. Im Sommer ist sie jeden Tag in der Badi und schwimmt auch bei schlechtem Wetter. «Danach eine heisse Dusche», schwärmt sie. Darf man das als Grünliberale? Schaffner lacht. Sie achtet im Alltag darauf, Energie zu sparen. Besitzt kein Auto, kauft auf dem Markt ein, überheizt die Wohnung nicht und fährt mit dem Zug in die Ferien.

Doch sie verfolgt ihre Prinzipien nicht unerbittlich. Und missionieren ist schon gar nicht ihr Ziel. «Ich sage nicht, dass Leute auf etwas verzichten sollen.» So ist sie auch mit dem Flugzeug nach Japan gereist. Diese Reise hat sie sich lange gewünscht. Wird sie im Stadthaus als erstes die Heizung runterdrehen, falls sie gewählt wird? «Das wird nicht nötig sein nach der energetischen Sanierung», sagt sie diplomatisch. Für sie selber ist ihr Energiesparen kein Verzicht. «Südfrüchte reizen mich sowieso nicht», sagt sie. Badeferien auch nicht. Fleisch dagegen isst sie gern und viel. «Ich esse aber alles, auch Innereien», sagt sie. Das Fleisch kauft sie beim Metzger. Wenn es draussen richtig kalt ist, heizt sie in ihrem Haus mit einem Holzofen ein. «Das Fürle macht mir Spass», sagt sie und wenn sie lacht, ist sie plötzlich ein bisschen weniger promovierte Ingenieurin.

Schaffners Ehemann, Hans-Ulrich Lerch, ist Gründungsmitglied der Grünliberalen Partei Olten. Vor vier Jahren wurde sie angefragt, ob sie für das Kantonsparlament und für den Gemeinderat kandidieren möchte. «Doch, das wäre etwas», hat sie damals gesagt. Und wurde prompt gewählt. «Das war eine schöne Bestätigung.» Sie reduzierte ihr Arbeitspensum und lernte, wie politische Prozesse funktionierten. «Das gab etwas zu tun abends», sagt sie. Ein Stadtratsmandat schien zuerst zu viel zu sein, da es eine weitere Pensumsreduktion im Job verlangt hätte. «Ich arbeite sehr gern», sagt Schaffner. Doch dann hat sie der Stadtrat doch gereizt. Das Interesse an langfristigen Beziehungen hat gesiegt.

Ja oder Nein?

Persönlich

Glauben Sie an Gott oder eine sonstige höhere Macht? Ja, an den Sinn vom Leben.
Zahlen Sie Kirchensteuern? Ja.
Spenden Sie regelmässig für wohltätige Organisationen? Ja, rund Tausend Franken pro Jahr.
Rauchen Sie oder haben Sie früher geraucht? Nein.
Trinken Sie Alkohol? Ja, Bier und Wein.
Lesen Sie Bücher? Ja, ich mag komplexe Geschichten.
Kaufen Sie Bio-Lebensmittel ein? Ja, durchs Band.
Haben Sie Haustiere? Nein.
Kaufen Sie ab und zu Waren online ein? Ja, CDs.
Gehen Sie regelmässig ins Ausland einkaufen? Nein.

Politisches

Braucht es eine neue Stadtteilverbindung Hammer ins Quartier Olten SüdWest? Ja, aber erst viel später.
Muss die Stadt Olten den Steuerfuss für natürliche Personen von bisher 108 Prozent erhöhen? Grundsätzlich nein, aber für Projekte wie den Bahnhofplatz könnte eine temporäre Erhöhung in Erwägung gezogen werden.
Soll die Stadtkirche für die Renovation einen Beitrag der Stadt erhalten? Nein.
Ist die Parkplatzsituation in Olten zufriedenstellend? Nein, es hat zwar genug Parkplätze, aber es braucht ein Parkleitsystem.
Müsste die Winkelunterführung von Grund auf neu geplant werden? Nein, die Winkelunterführung ist nicht prioritär, man müsste die Hauptgasse für Velos öffnen.
Soll die Stadt Olten mit umliegenden Gemeinden fusionieren? Nein, das ist im Moment vom Tisch.
Sollen Tagesstrukturen wie Mittagstische oder Aufgabenhilfe flächendeckend in ganz Olten eingeführt werden? Ja, aber nicht, wenn die Stadt Olten dafür zahlen muss.

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