In Olten ist der 53-Jährige an vielen Fronten tätig, u.a. als Fasnächtler, EHCO-Fan, Polit- und Finanzfachmann. Als solcher präsidiert er derzeit auch die kantonsrätliche Finanzkommission. 

Beat Loosli, Sie wohnen seit zehn Jahren in Starrkirch-Will. Weshalb?

Beat Loosli: Meine Frau und ich haben uns wegen der Wohnlage für Starrkirch-Will entschieden. Ich fühle mich hier als Oltner, wie viele andere Einwohner von Starrkirch-Wil auch. Wäre die seinerzeitige Eingemeindung in Olten gutgeheissen worden, wäre Starrkirch-Wil Stadtgebiet.

Wie kommt die starke Bindung zu Olten?

Ich bin in einem kleinen Gewerbebetrieb, dem damaligen Blumengeschäft Loosli an der Unterführungsstrasse, aufgewachsen. Ich habe im Laden und beim Austragen von Blumen viele Menschen kennen und schätzen gelernt. Das hat mich geprägt. Durch viele Freundschaften habe ich in Olten starke Wurzeln geschlagen. Deshalb engagiere ich mich noch heute in zahlreichen Institutionen in Olten. Mein Wohnortswechsel von zehn Jahren hatte aber zur Folge, dass ich mich nach 14-jähriger Tätigkeit als FDP-Gemeinderat aus der Oltner Gemeindepolitik verabschiedete. Ich wirke aber immer noch im Solothurner Kantonsrat, wo ich hin und wieder auch Oltner Interessen vertrete. Kurz gesagt: Olten ist und bleibt meine Heimat. Olten ist mein Leben.

Was schätzen Sie besonders an Olten?

Mir gefällt vor allem der offene Geist in der Stadt. Die Aufmüpfigkeit und gleichzeitig grosse Herzlichkeit der Menschen. Und die vielen idyllischen Kleinode. Ausserdem ist Olten durch seine zentrale Verkehrslage und die optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr sehr attraktiv. Nicht von ungefähr wird Olten in den Medien immer wieder als «Juwel» oder «Perle» der Schweizer Kleinstädte bezeichnet, wie dieser Tage in der NZZ.

Können Sie uns als Fuko-Präsident schon etwas über die nächste Fasnacht verraten?

Die nächste Fasnacht wird von der Vorbereitung her nicht ganz einfach, weil bei der Zusammenarbeit mit der Polizei, die zum Beispiel für die Sicherheit und Ordnung beim Fasnachtsumzug sorgt, ein Wechsel von der Stadt- zur Kantonspolizei stattfindet. Ich hoffe, dass dieser Übergang reibungslos erfolgen kann. Ansonsten können wir in Olten wohl im nächsten Jahr mit einer musikalischen Fasnacht mit viel Gesang rechnen. Denn die Banausen stellen den Obernarren.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Verwaltungsratspräsident der Sportpark AG?

Zum einen ist der Bau der Eishalle unter Einhaltung des knappen Budgets von rund 16 Mio. Franken, davon gut 12 Mio. Franken aus der Stadtkasse, abzuschliessen. Zudem ist der Heimfall der Curling-Halle auszuhandeln und die Frage zu beantworten: Wie weiter, nachdem sich die Oltner Curling-Szene nach Aarau orientiert hat?

Wie sind eigentlich die Reaktionen auf die sanierte Eishalle?

Unterschiedlich. Die einen loben, andere träumen immer noch einem Neubau nach. Ich meine, wir haben unter den gegebenen (finanziellen) Umständen ein Projekt realisiert, das sich sehen lassen darf. Wäre es durch ein Neubauprojekt zu zeitlichen Verzögerungen gekommen, hätte vielleicht der Sparhammer dem Ganzen ein Ende bereitet. Deshalb: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

Trotz überdurchschnittlicher Finanzkraft schreibt die Stadt Olten seit 2011 rote Zahlen. Wie konnte es so weit kommen?

Die Ursache ist allgemein bekannt: Das Ausbleiben der Alpiq-Millionen hat ein grosses Loch in die Stadtkasse gerissen. Man hat seinerzeit in Olten das Klumpenrisiko, das die Alpiq darstellte, nicht richtig erkannt. Dabei war die damalige Atel bereits Ende der 90er-Jahre, als ich noch im Oltner Gemeinderat sass, ein 10-Prozent-Risiko. Das heisst: Bei einem Steuerausfall der Atel hätten die Steuern um 10 Prozent erhöht werden müssen.

Wurde zu spät auf die Alpiq-Ausfälle reagiert?

Ja. In Olten hat man erst reagiert, als bereits alles passiert war. Wahrscheinlich wollte man im Stadthaus nicht wahrhaben, was sich bei der Alpiq abzeichnete. Doch die zu hohe Einstufung der Wasserkraftanlagen der EOS in der Fusionsbilanz sowie die Auswirkung von Fukushima auf den Strommarkt und die Energiepolitik haben der Alpiq arg zugesetzt. Und das Tempo, mit dem es bergab ging, wurde unterschätzt.

Wie kommt die Stadt Olten aus dem Defizitsumpf heraus?

Ich habe den Eindruck, beim Personal wurde genügend gespart. Aber der Aufgabenkatalog der Stadt muss nochmals durchforstet werden. Die Effizienz in der Verwaltung könnte zusätzlich gesteigert werden, indem sich die Stadt Olten als Dienstleistungszentrum für umliegende Gemeinden positionieren könnte. Olten sollte regionale Dienstleisterin werden. Auch wenn die Zeit für eine Fusion mit Gemeinden in der Region noch nicht reif ist, könnte auf kooperativer Ebene die Zusammenarbeit zum Nutzen aller Beteiligten verstärkt werden. Zum Beispiel im Bereich der Bauverwaltung.

Es wird gemunkelt, dass das Stadtbudget 2016 ohne Steuererhöhung nicht ausgeglichen werden kann – würde Sie das erstaunen?

Nein. Ich erwarte sogar, dass der Stadtrat dem Parlament eine Steuererhöhung beantragen wird. Ob das gerechtfertigt ist, kann ich nicht beurteilen. Doch zu andern vergleichbaren Städten, auch Solothurn und Grenchen, liegt der Steuersatz in Olten noch relativ tief. Und mit dem Alpiq-Millionenmanna, das es der Stadt ermöglichte, den Steuersatz tief zu halten, kann Olten nicht mehr rechnen. Steuererhöhungen sollen aber nicht Priorität haben. Wichtiger ist, dass die Hausaufgaben auf der Ausgabenseite mustergültig gelöst werden.

Der Spardruck wirkt sich auch auf die Gemeindeorganisation aus. Was ist zu verändern?

Die Oltner Gemeindeorganisation ist zu überprüfen, unabhängig vom Spardruck. Denn Organisationsveränderungen, wie etwa die vorgeschlagene Verkleinerung des Stadtparlaments, haben keinen signifikanten Spareffekt. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Organisation und die verschiedenen Gremien angemessen sind.

Zielt der soeben vom Parlament zurückgewiesene Vorschlag in die falsche Richtung?

Nein. Grundsätzlich zielt man in die richtige Richtung. Persönlich bin ich der Auffassung, dass die Variante mit einem dreiköpfigen vollamtlichen Stadtrat nochmals eingehend geprüft werden sollte. Auch wenn der jetzige Stadtrat als Kollektiv nicht schlecht funktioniert, erscheint mir das heutige Modell mit einem vollamtlichen Stadtpräsidenten und vier nebenamtlichen Stadträten nicht als ideal, weil die Balance zwischen Voll- und Nebenamt nicht stimmt. Mit drei Vollämtern könnte meiner Meinung nach die Exekutive als Führungsgremium gegen innen und aussen gestärkt werden. Zu diesem Modell müsste man natürlich hinsichtlich der nächsten Führungsebene die Frage stellen: Wie viele Verwaltungsleiter braucht es?

War diese Rückweisung für Sie eine Überraschung?

Ja, etwas erstaunt hat mich die Rückweisung schon. Schliesslich wurde die Vorlage von einer parlamentarischen Kommission, in der alle politischen Kräfte vertreten sind, vorbereitet. Mit der Rückweisung der Vorlage wurden die Ratskollegen in der vorberatenden Kommission gewissermassen desavouiert.

Sie sind beruflich als Verwalter einer Pensionskasse tätig. Was halten Sie von der Altersvorsorge 2020?

Sie zielt in die richtige Richtung. Unverständlich ist für mich, dass die Entlastungswirkung der Massnahmen bei der zweiten Säule (gleiches AHV-Alter 65 für Mann und Frau, Reduktion des Mindestumwandlungssatzes von 6,8 auf 6 Prozent) mit einer Massnahme bei der ersten Säule (Erhöhung der AHV für Neurentner um 70 Franken bzw. für Ehepaare bis zu 226 Franken pro Monat) zu einem wesentlichen Teil zunichtegemacht wird. Diese Massnahme ist nur politisch zu begründen: Es ist ein «Zückerchen», damit man die Vorlage dem Volk besser verkaufen kann. Doch solche «Zückerchen», die nach dem Giesskannenprinzip verteilt werden, bringen uns bei der Sicherstellung der Altersvorsorge nicht weiter.

Das heisst, die getroffenen Massnahmen reichen nicht aus, um die Altersvorsorge zu sichern?

Das ist zu befürchten. Denn die demografische Entwicklung hat zur Folge, dass immer weniger arbeitende Personen die Rente eines Pensionärs finanzieren. 2010 kamen 3,63 Erwerbstätige auf einen Rentner. Laut Prognosen werden es im Jahr 2030 noch 2,33 und im Jahr 2040 noch 2,2 Beitragszahlende pro Rentner sein. Weil die AHV nach dem Umlageverfahren finanziert wird, ist aufgrund der demografischen Entwicklung längerfristig mit einer Finanzierungslücke zu rechnen.

Was halten Sie konkret von der weiteren Reduktion des Mindestumwandlungssatzes in der obligatorischen beruflichen Vorsorge von 6,8 auf 6 Prozent innert 4 Jahren?

Diese Massnahme ist überfällig. Denn den Preis für die zu hohen Leistungsversprechen müssen dereinst die kommenden Generationen bezahlen. Deshalb muss im Interesse kommender Generationen gehandelt werden. Wer in diesem Zusammenhang von «Rentenklau» spricht, verkennt bewusst oder unbewusst die Realität. Fakt ist: Heute subventioniert die berufstätige Bevölkerung mit 3,5 Milliarden Franken die Rentner in der zweiten Säule. Und diese systemwidrige Umverteilung verstärkt sich weiter wegen der andauernden tiefen Zinsen. Der Reformdruck nimmt deshalb zu.

Und wie stehen Sie zum Rentenalter – ist eine Erhöhung notwendig?

Ich bin für eine flexible Lösung, was dadurch gefördert wird, dass der Begriff «Rentenalter» durch «Referenzalter» ersetzt wird. Das ermöglicht eine weitreichende Flexibilität nach oben und nach unten. Und das Referenzalter, das massgeblich für die maximale Altersrente ist, wird wohl bei 65 bleiben, obschon aufgrund der demografischen Entwicklung eine Erhöhung angezeigt wäre. Doch politisch ist ein solcher Entscheid (noch) nicht mehrheitsfähig. Es braucht noch mehr Einsicht in Notwendigkeiten.