«Talentförderung ist heute wichtiger denn je», hielt Georg Berger, der Direktor des Berufsbildungszentrums (BBZ) Olten, bei seiner Begrüssung fest. Die Schweiz komme nicht darum herum, ihre Ressourcen bestmöglich auszuschöpfen. Gerade die Duale Bildung leiste ihren Beitrag, die besten Köpfe mit den besten Ideen zu finden, betonte Berger.

An der Vernissage am letzten Dienstag stellte das BBZ Olten nun eine Auswahl der herausragenden Abschlussarbeiten vor, die von Lernenden und Berufsmaturanden in den Bereichen Allgemeinbildung sowie Wirtschaft und Gesellschaft verfasst worden waren.

Insgesamt entstanden im auslaufenden Schuljahr am BBZ rund 500 solche schriftliche Arbeiten, von denen jeweils rund 50 die Bestnote 6 erreichten. Aus diesen wählte eine Jury die innovativsten Arbeiten aus und belohnt sie mit einer Trophäe, dem Ehrenpreis «talents@bbzolten». Im Foyer des BBZ konnten 17 Teams ihre Resultate präsentieren.

Aus eigener Werkstatt

Gleich beim Eingang stellten Simon Pfister und Loris Witzig ihren selbst gebauten Quadrocopter («Drohne») vor. Die Automatiker der gewerblich-industriellen Berufsfachschule (GIBS) mussten die Erfahrung machen, dass (zwischenzeitliches) Scheitern – die ersten beiden Flugobjekte stürzten ab – Teil des Arbeitsprozesses ist.

Andere Teams machten sicher auch Fehler und Irrwege, nur sind sie weniger direkt sichtbar. Am Ende zählt das Resultat.

Erkenntnisse durch Selbstversuch

Zu weniger handgreiflichen und mehr geistigen Resultaten gelangten Lernende der andern Fachrichtungen. Die Möglichkeit, neue Erkenntnisse durch Selbstversuche zu gewinnen, haben mehrere Teams genutzt. Als Beispiele seien die Kauffrauen Nathalie Gubler und Aline Rippstein herausgegriffen, die sich vier Wochen vegetarisch ernährten und die Auswirkungen am eigenen Leib beschrieben.

Die Fachfrauen für Kinderbetreuung Alyssa Krättiger, Lelia Ischi, Anna Stuber dokumentierten, wo überall sie Plastik gebrauchen und täglich Plastikabfall produzieren. Ihre Forschungen setzten sie auch in ein Merkblatt mit praktischen Tipps um, wie und wo sich Abfall vermeiden lässt, und sei es nur, indem man beim Einkaufen Tasche oder Rucksack mitnimmt. Als roten Faden zieht sich bei mehreren Arbeiten das Thema des Wertwandels durch.

Die Berufsmaturandinnen Alexandra Ledl und Karin von Arx fragten, wo die Frauen in den letzten 50 Jahren Fortschritte in der Gleichstellung erreichten, Melina Keller und Melinda Hüsler bei den Arbeitsbedingungen. In ihrer Vertiefungsarbeit benannten Anja Rätz und Nina Knapp die offizielle Diskriminierung der Homosexuellen und verschwiegene Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren in der katholischen Kirche.

Gesellschaftlich relevante Themen wurden in weiteren Arbeiten behandelt mit Titeln wie «Abschalten der Kernkraftwerke und Umsetzung der Energiestrategie 2015», «Energiewende nach Fukushima», «Was führt Menschen in die Obdachlosigkeit?» oder «Sterbebegleitung». Mit ihren Talenten wucherten die vier Schreiner, die danach fragten, ob es Platz habe für den Wolf im Naturpark Thal, oder ob die zweite Jurakette für ihn ein Unort sei.

Das polarisierende Thema präsentierten sie mit einem Schuss Humor und – wie übrigens alle – mit beeindruckender Routine. Die Verfasserin einer Projektarbeit kleidete ihre wichtige Erfahrung in den Satz, der wohl für alle gilt: «Ich denke jetzt anders als zu Beginn der Arbeit». Ein grösseres Kompliment hätte sie der Bildungsinstitution im Bifang nicht machen können.