Talk täglich
Bauernverband: «Der Fall Boningen hätte nie passieren dürfen»

Auf einem Bauernhof in Boningen SO sind 16 Rinder verhungert. Wie konnte das passieren? Wurden Warnungen von Nachbarn ignoriert? Was für Lehren ziehen die Behörden aus diesem Fall? Ein Nachbar des betroffenen Bauers sowie Vertreter des Veterinärdienstes und Bauernverbandes sprechen darüber.

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So sahen die Kühe auf dem Boninger Bauernhof aus.
12 Bilder
... alles andere als gesund.
Teilweise fehlt das Fell.
Der betroffene Bauernhof in Boningen
Die Beine sind verdreckt.

So sahen die Kühe auf dem Boninger Bauernhof aus.

zvg

Mike Mezei ist Nachbar des betroffenen Bauers in Boningen und derjenige Anwohner, der bereits vor zwei Jahren Alarm schlug.

«Ich habe damals schon Tiere auf dem Hof gesehen, die schlimmes Fell trugen, abgemagert waren und apathisch herumliefen. Das hatte mich schon immer stutzig gemacht», erzählt er in der Tele-M1-Sendung «Talk Täglich».

Mezei taten die Kühe leid, machte Fotos der schwer gezeichneten Tiere und schickte diese an den Tierschutz und den Veterinärdienst.

Von Letzterem fühlte er sich nicht ernst genommen und wirft den Kantonstierärzten vor, nicht umgehend aktiv geworden zu sein.

«Man hat mir gesagt, dass ich die Schäden nicht detailliert beurteilen könne, sie den Fall aufgenommen hätten und sich den Hof anschauen würden. Doch passiert ist nichts. Die Behörden haben nicht genau hingesehen.»

Kantonstierärztin Doris Bürgi wehrt sich in der Sendung gegen die Vorwürfe: «Wir haben die Hinweise sehr ernst genommen. Der Bauernhof wurde kontrolliert, die Schäden und Verletzungen an den Tieren bemerkt, weshalb wir Massnahmen von dem Bauer verlangt und Strafanzeige eingereicht haben. Im Verwaltungsgericht ist überdies nicht vorgesehen, dass wir mit Nachbarn einer betroffenen Person eng zusammenarbeiten. Es gibt einen Datenschutz, der einzuhalten ist.»

Auch des Datenschutzes wegen wurde der Bauernverband nie vom Veterinärdienst kontaktiert. Man wusste deshalb nichts von dem Problem-Bauer.

Beim Verband zeigt man sich betroffen: «Einen solchen Fall habe ich noch nie erlebt», sagt Sekretär Peter Brügger.

Es sei glücklicherweise ein Einzelfall – aber dennoch gebe es nichts zu beschönigen: «Es hätte nie passieren dürfen.»

Der betroffene Bauer sei beim Verband nie aufgefallen: «Die Bauern wissen, dass sie bei uns mit all ihren Problemen vorsprechen können, sei es persönlicher oder betrieblicher Art – aber er hat das nie getan und sich nie gemeldet.»

Wie können solche Fälle in Zukunft verhindert werden? Kantonstierärztin Bürgi betont während der Sendung, dass das Veterinäramt seine Pflicht erfüllt hat. Die Tierschutzbehörde sei nicht die Polizei oder die Staatsanwaltschaft. Dennoch würde zweifellos der Fall aufgerollt.

Selbstkritischer zeigt sich der Bauernverband: «Aus diesem Fall werden wir lernen, dass wir noch öfter den Kontakt zu den Bauern suchen müssen. Wir werden über Informationen und Beratungen noch häufiger Hilfeleistungen anbieten.»

Ob diese Massnahmen helfen und einen weiteren Fall abwenden können? Klar ist: Der Bauer darf zurzeit keine Tiere auf dem Hof halten. Ob er dies jemals wieder darf, werden Gerichte entscheiden müssen. (sha)