Tote Rinder
Bauernsekretär: «Der Vorfall in Boningen ist ein Einzelfall»

Wie konnte es zum Tod der 15 Rinder in Boningen kommen? Über mögliche Gründe will der Solothurner Bauernsekretär Peter Brügger nicht spekulieren. Er thematisiert aber die Überforderung, die seit einigen Jahren bei vielen Bauernfamilien zunimmt.

Deborah Onnis
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Hat der Bauer von Boningen seine Tiere aus Verzweiflung vernachlässigt?

Hat der Bauer von Boningen seine Tiere aus Verzweiflung vernachlässigt?

Tele M1

Peter Brügger, Bauernsekretär des Solothurnischen Bauernverbands, ist der Bauer in Boningen bisher noch nie negativ aufgefallen. Der Vorfall in Boningen sei zudem klar ein Einzelfall – dies bestätigt auch der kantonale Veterinärdienst. Über mögliche Gründe, die zum tragischen Ausmass führten, will Brügger nicht spekulieren. Er thematisiert aber die Überforderung, die seit einigen Jahren bei vielen Bauernfamilien zunehme.

«Viele sind psychisch und finanziell am Anschlag.» Trotzdem würden Bauern dies in der Regel nie an den Tieren, sondern eher auf den privaten oder gesundheitlichen Bereich abwälzen. «Bei der Arbeit aber funktionieren sie trotzdem.» Bauern hätten von Natur aus eine hohe Selbstverantwortung, sprich sie sind sich gewohnt, selber zurecht zu kommen. «Sind sie mal in einer ernsten Krise, realisieren es viele vermutlich gar nicht», erklärt er. «Oder wollen es auch gar nicht realisieren.» Deshalb würden sich Bauern selten Hilfe holen.

Brügger beobachtet dies auch beim Beratungsangebot des Solothurnischen Bauernverbands. «Diesen beanspruchen viele, wenn es aber darum geht, effektiv Hilfe anzunehmen, verzichten sie darauf.» Seit Januar bietet der Verband laut Brügger zahlbare Entlastungsangebote wie Betriebshelfer, Haushaltshilfen oder Helfer in der Administration an. «Wir machen unsere Mitglieder immer wieder darauf aufmerksam, bis jetzt aber hat sich noch niemand angemeldet.»