Wer sich für den Bau des 8134 Meter langen Hauenstein-Basistunnels zwischen Tecknau und Trimbach interessiert, kann ab Samstag selber «unter Tag» gehen: Im Historischen Museum Olten läuft ab diesem Wochenende die Sonderausstellung «100 Jahre Hauenstein-Basistunnel». Gezeigt werden Dokumente und Originalobjekte sowie eine Fotoreportage vom Tunnelbau.

Anlass für die Ausstellung ist die Eröffnung des Hauenstein-Basistunnels vor 100 Jahren, am 8. Januar 1916. Die Vorgeschichte beginnt aber schon früher: 1882 wurde der Gotthardtunnel vollendet und 1906 die Simplon-Linie eröffnet, was dazu führte, dass die Kapazität der Nord-Süd-Achse immer enger wurde. Ohnehin war die «alte Hauensteinstrecke» über Sissach und Läufelfingen nach Trimbach überlastet, zu steil und zu kurvenreich. Die SBB prüfte deshalb weitere mögliche Juradurchstiche, unter anderem von Tecknau nach Trimbach, von Reigoldswil nach Mümliswil (Variante Wasserfallen), von Waldenburg nach Mümliswil (Variante Kellenberg) oder Varianten einer «Schafmattbahn», beispielsweise von Rothenfluh nach Erlinsbach.

Vor allem der Kanton Aargau setzte sich für die Schafmattlinie ein, die meisten anderen Kantone waren aber für den Basistunnel von Tecknau nach Trimbach, den auch die SBB favorisierte. 1912 wurde schliesslich mit den Bauarbeiten begonnen.

Fast 5000 Arbeitsunfälle

Die Sonderausstellung beleuchtet auch die Situation der grösstenteils italienischen Tunnelarbeiter, die ohne Helm und Handschuhe bei bis zu 25 Grad eine beschwerliche und gefährliche Arbeit verrichten mussten. Zwölf Menschen kamen während der Bauzeit ums Leben, insgesamt wurden 4826 Unfälle registriert.

Gearbeitet wurde rund um die Uhr in drei 8-Stunden-Schichten. Mit Sprengstoff und Pressluftbohrhämmern trieben etwa 20 Männer den Stollen voran, während weitere den Tunnel ausweiteten und die Mauerung erstellten. Bei Vollbetrieb arbeiteten über 400 Männer gleichzeitig an der Tunnelröhre, dazu kamen Arbeiter auf offener Strecke, in der Maschinenhalle und in der Werkstätte.

An den Endpunkten des Tunnels, in Tecknau und in Trimbach, entstanden während des Baus eigene Barackensiedlungen für die Arbeiter. Die Ausstellung im Historischen Museum Olten zeigt vor allem das Leben in der Bauarbeitersiedlung «Tripolis» in Trimbach, die mehr als 2000 Menschen beherbergte, mehrheitlich Italiener mit ihren Familien. Neben Wohnbaracken, einer Schule, Kantinen und Lebensmittelgeschäften, einem Kino und Tanzlokalen gab es im Tripolis Trimbach ein Badehaus und eine eigene Poststelle. Nach dem Ende der Bauarbeiten verschwand die Siedlung allerdings schnell wieder.

Erster Weltkrieg legte Bau lahm

Ein weiterer Teil der Sonderausstellung setzt sich mit dem Thema Erster  Weltkrieg auseinander. Beim Durchschlag am 10. Juli 1914 dachte kaum jemand an den bevorstehenden Kriegsausbruch. Aber schon Anfang August reisten rund 600 italienische Tunnelarbeiter ab. Die Zahl der Arbeiter verringerte sich in der Folge von knapp 2000 auf rund 450. Zudem wurden kriegsbedingt die Bauausgaben eingeschränkt, Ingenieure und Beamte fehlten, Material war schwieriger zu beschaffen, und die Lebenshaltungskosten stiegen deutlich. Durch militärische Verfügung wurden die Bauarbeiten auf offener Strecke für einige Monate eingestellt.

Mit dem Teil über den Ersten Weltkrieg schlägt die Sonderausstellung den Bogen zur bestehenden Ausstellung «Die Stadt Olten im Ersten Weltkrieg», in die sie integriert ist.

Historisches Museum Olten; Ausstellung vom 9. Januar bis 31. Mai. www.historischesmuseum-olten.ch