Hägendorf/Olten
Barockwerke im Vergleich: Der Kirchenchor ist der schwierigen Aufgabe gewachsen

Der katholische Kirchenchor Hägendorf-Rickenbach gab am Wochenende einige, schwierige Meisterwerke zum Besten.

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Remo Fröhlicher

Es ist das Meisterwerk eines jungen Mannes: Mit 21 Jahren vertonte Georg Friedrich Händel während einer dreijährigen Italienreise den Psalm 110. «Dixit Dominus», HWV 232, gilt als eines der frühesten geistlichen Werke des europaweit erfolgreichen Barockkomponisten.

«Trotz einiger radikaler Choreffekte ist das Stück sehr spröde zu singen, denn es ist noch nicht voll ausgereift und vor allem beim Kontrapunkt hätte man einiges besser machen können», meinte Dirigent Ralph Stelzenmüller in einer launigen Werkeinführung.

Hohes Niveau

Händels Vertonung eines martialischen Psalms aus dem Alten Testament ist ein Prüfstein für jeden Chor. Starke rhythmische Elemente, schnelle Tempi und die dynamischen Wechsel fordern Chor und Solisten heraus.

Schön, wenn sie sich gut verstehen und sogar die Chorpartien gemeinsam singen, wie im klug zusammengestellten Barockkonzert des katholischen Kirchenchores Hägendorf-Rickenbach, das am Samstagabend in der katholischen Kirche in Hägendorf und am späten Sonntagnachmittag in der reformierten Pauluskirche in Olten erklang.

Der von Stelzenmüller gut geschulte Chor zeigte sich der schwierigen Aufgabe voll und ganz gewachsen, auch wenn er sich laut Chorpräsidentin Irène Dietschi-Klaffke an Händels gesanglich anspruchsvollem Königspsalm «zuerst die Zähne ausgebissen hat».

Und auf bemerkenswert hohem Niveau sangen auch die Sopranistinnen Ulrike Hofbauer und Jole De Baerdemaeker, Altus Roman Melish, Tenor Richard Resch und Bass Raitis Grigalis ihre Arien und Soli.

Standing Ovation

Eingängiger präsentierte sich die 1731 uraufgeführte Kantate «Wir danken dir, Gott, wir danken Dir», BMV29. Trotz des Dankes an Gott und friedvollen Fürbitten ist es eine weltliche Festkantate, die der Thomaskantor Johann Sebastian Bach, teilweise sich selbst zitierend und mit leicht ironischen Akzenten, für die Prozession beim Ratswechsel der Stadt Leipzig komponiert hatte.

Eindrücklich ist besonders der leichtfüssig dahinperlende Auftakt, bei dem Bach ein älteres Violinsolo für den Orgelpart übernommen hat – Organist Jonas Kissling meisterte dies perfekt. Aber auch beim prächtigen ersten Chorus der Kantate überzeugten alle Mitwirkenden, sodass sich das Publikum nach einer ersten Standing Ovation diesen wunderschönen Dankesgesang nochmals als kleine Zugabe anhören durfte.

Zwei instrumentale Stücke

Für den orchestralen Klangteppich hatte Ralph Stelzenmüller, der auch selber das Cembalo bediente und die Rezitative begleitete, das von ihm 2005 gegründete Ensemble Combassal engagiert. Das Kammerorchester ist auf Alte Musik spezialisiert. Die Streichinstrumente sind mit Darmsaiten bespannt, müssen deshalb öfters nachgestimmt werden, beglücken die Zuhörer aber mit ihrem weichen, samtenen Ton.

Das Auftaktstück, Händels Sonata g-moll für Oboe, Violine und Bassi g-moll, HWV 404, zeigte dies besonders eindrücklich. Aber auch der Klang barocker Trompeten und Flöten vermittelt ein einmaliges Hörerlebnis: Beim instrumentalen Zwischenstück, in Bachs Ouvertüre D-Dur BWV 1068, kamen sie voll zur Geltung. Ein reichhaltiges Barockkonzert!

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