Olten

Banause-Zunft feiert unter dem Motto «Jubi et Orbi»

Zwei Ur-Banausen: Peter Christ (links) und Sigi Meier.

Zwei Ur-Banausen: Peter Christ (links) und Sigi Meier.

Die Banause-Zunft zu Olte feierte ihren 50. Geburtstag mit einem kleinen Volksfest auf dem Ildefonsplatz.

Man brachte es zum Reimen an der Geburtstagparty der Banause-Zunft zu Olte, wie sie offiziell heisst, wobei Liebhaber und andere natürlich auf die Schnelle auch einfach «Banause» sagen dürfen.

Kennzeichen Nummer 1 fürs Gereimte: Die knapp 200 Gäste fühlten sich auf dem Ildefonsplatz bestens unterhalten und umsorgt; und dies, obschon nicht Produktionen en masse anstanden. «Wir wollten eben, dass die Leute untereinander auch noch etwas reden können», so Oberbanause (Zunftmeister) Heinz Neuenschwander, der fast ein bisschen dankbar zum blauen Himmel hochschaute. «Wetterglück gehört natürlich auch dazu.»

Ganz aber konnten es die Jubilare zum 50. Geburtstag ihrer Zunft – die eigentlich mehr eine Clique ist – wie Gründer Sigi Meier sagte, zum Glück dann doch nicht lassen. «Also eine Banausiade veranstalten wir nicht» hiess die Maxime. Und darum zum Kennzeichen Nummer 2: Wenn etwas gesagt oder geboten wurde, geschah dies – eben – meist in Reimform und wenn nicht, dann sonst in einer sprachlich-literarischen Kunstform, die von feinster Klinge zeugte; wie man sich dies von den Banausen halt gewohnt ist.

Jubi et orbi

Der Stopf stand unter der Affiche «Jubi et Orbi», ganz unbescheiden in Anlehnung an den päpstlichen Segen Urbi et Orbi (der Stadt und dem Erdkreis). Und Jubiläumsmeister Massimo Hauswirth war ganz zufrieden mit dem Verlauf des Anlasses, der mit einer Pontonfahrt begonnen hatte und via «Schissdräggzügli» vom Pontonierhaus in die Stadtmitte führte. «Wir wollen natürlich auch etwas für uns selber machen», meinte er.

Dass dazu neben einer vollfetten Proklamation von Gründer Sigi Meier auch Pfeifer und Gugge (Vaudois Schränzer) gehörten: klar. Dazu eine Ansprache von Bruno Cerf, mit literarisch-spitz formulierten Reminiszenzen aus dem vergangenen halben Jahrhundert, dem der Autor irgendwie den romantisch-verklärenden Liebreiz einer Provinzstadt einhauchte und darin gleichzeitig die Weltbühne installierte.

Als die Banausen 1964 ins Leben gerufen wurden, nämlich, da kam James Bonds «Goldfinger» in die Kinos, wurde My Fair Lady als bester Film mit dem Oscar ausgezeichnet, bekam Jean Paul Sartre den Literaturnobelpreis, hatte die Schweiz ihre Mirageaffäre und «Olten hatte einen Stadtammann, der Gedichte schrieb», wie Cerf meinte.

«Banause guttt»

Es gab – wie bereits geschrieben – viel Gereimtes an diesem Jubiläumsstopf. Sogar der zum Ende einer Banausiade nie fehlende Gefangenenchor aus Verdis Nabucco wurde gesungen. Vielleicht fehlte nur eine Nummer; jene nämlich, in der das epochale «Banause guttt!» transportiert worden wäre. Aber Thomas Steiner war da, der die Worte in den letzten paar Jahren in die Schnitzelbankdarbietung einbrachte. «Dass ich das war – reiner Zufall», sagt er.

Und auf das Erfolgsgeheimnis der Banausen angesprochen meint der Mann, der über Kollegen in die Zunft kam: «Unser Geheimnis? Wahrscheinlich die sehr gute Kameradschaft.» Und vierzehn Tage vorher würden alle die Texte der Schnitzelbänke kennen. Kennen? «Also, auswendig kennen», lacht Steiner.

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