Olten

Banause-Zunft feiert - ein halbes Jahrhundert Fasnacht der feinen Klinge

Drei Banause-Generationen: Von links Heinz Neuenschwander, Sigi Meier und Massimo Hauswirth hub

Drei Banause-Generationen: Von links Heinz Neuenschwander, Sigi Meier und Massimo Hauswirth hub

«Banause guttt!» ist in Olten und Umgebung zum Gütesiegel geworden. Das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben, so wie man die Banause-Zunft kennt. Denn der Kalender ist im Jubiläumsjahr so voll wie eh und je.

«Banause guttt!» Was bei Nummern der Oltner Banause-Zunft als Zwischenruf immer wieder mal vorkommt, ist längst zum Gütesiegel geworden. «D Banause» – wie der Volksmund sagt, bürgen für Qualität, gleichbedeutend mit überraschenden Pointen, seriösem, ausgeklügeltem Fasnachtsschaffen, sorgsamer Pflege von Traditionen und des Fasnachtshandwerks.

Kopfnicken ob dieser Analyse im weiten Rund der Fasnachtsgemeinde. Das Geheimnis der Banausen? «Wir wollen ein bisschen anders sein als die andern.» Die das unisono sagen: Sigi Meier, Massimo Hauswirth und Heinz Neuenschwander, alle drei seit Jahrzehnten Banausen; eingefleischte, versteht sich, Meier ist gar Gründungsmitglied.

«Ich glaube, bei uns gibts wenig Häuptlinge und viele Indianer», sagt Neuenschwander, den meisten unter dem Namen «Nöschi» besser bekannt. «Man könnte fast sagen: Wir sind diszipliniert», reicht Hauswirth nach.

«Der Zusammenhalt ist ausgezeichnet, wir agieren harmonisch», weiss Meier. Ingredienzen, aus denen Fasnachtsglanzlichter entstehen? Kein Nicken, was einem stillschweigenden Einverständnis gleichkommt; praktiziertes Banausen-Understatement. «Banause guttt!» eben.

Ungeschriebenes Gesetz

Es gehört zu den ungeschriebenen Gesetzen: Formationen mit hinderlichem Start laufen zu grosser Form auf. Das ist auch bei den Banausen nicht anders. Hervorgegangen ist die Zunft nämlich aus dem Umstand, dass junge Landhockeyspieler von Blauweiss bei der vereinseigenen fasnächtlichen Stammformation, den Höckelern, mitmachen wollten.

Aber: Die Höckeler meldeten: «Wir sind komplett!» – und zeigten den Jungspunden die kalte Schulter. Was diesen die Fasnachtsbegeisterung aber nicht vergällte und flugs unter dem Namen Banause eine eigene Zunft gegründet wurde.

«Der Name kam vermutlich darum zustande, weil die Stammformation der Höckeler die Jungen als Banausen abqualifizierten», vermutet Meier. Allenfalls käme als Erklärung auch die Möglichkeit infrage, dass im antiken Griechenland jene als Banausen bezeichnet wurden, die nicht frei und als nicht zum Denken fähige Rüppel geboren waren; Meier lächelt.

Tempi passati. Spätestens mit der anrückenden Banausiade, einem vorfasnächtlichen Anlass der Zunft, rückt die aktuelle Jubilarin jeweils unwiderstehlich in den Vordergrund. Der Charakter der Banausiade lässt sich am besten mit einer Worttriplette umschreiben: unterhaltend – ausverkauft – Stammpublikum.

«Wir stellen fest, dass ein Billetthandel unter der Hand läuft», sagt Neuenschwander, eigentlicher «Tätschmeister» und gleichzeitig Auslöser des Anlasses. Die 1999 erstmals gegebene Veranstaltung sollte Neuenschwanders anstehende Obernaarenzeit als Nöschi I mitfinanzieren helfen.

Und – sie tat es. «Wir haben bei der Erstausgabe andere Zünfte angefragt, ob sie allenfalls eine Produktion beisteuern könnten», erinnert sich Meier. Die Veranstaltung, die auch an jene im vorfasnächtlichen Basel erinnert, ist seither der Publikumsrenner.

Eine Warteliste für angehende Banausiadeneulinge existiert. Doch irgendwie auch schmeichelhaft für die Zunft? Neuenschwander nickt. Aber es stecke auch eine Menge Arbeit dahinter, so Hauswirth.

Bühnenbild, Wortnummer, Kostüme, Programm, Dramaturgie. «Man fragt sich zuweilen: Was tu ich mir damit an», gesteht Neuenschwander. Aber dann, wenn alles gut gelaufen sei, gebe es bloss einen Schluss: «Es hat sich gelohnt», resümiert er.

Schnitzelbank: Premium

Die Banausiade ist also einer der Höhepunkte im Jahr; selbiges gilt auch für die Schnitzelbänke. Die Banausen gehören auch hier zu den Publikumslieblingen und bringen Premium-Ware unters Volk.

«Wir versuchen immer aktuell zu sein und beschränken uns auf lokale Themen», sagt Neuenschwander. Man weigere sich, über Nullachtfünfzehn-Themen Bänke zu bringen. Allerdings liege darin auch eine Gefahr: «Wir stellen fest, dass gewisse Protagonisten aus der Stadt im Publikum gar nicht mehr bekannt sind» weiss Hauswirth.

Das sei früher doch einfacher gewesen. Item: Die Banausen legen wert auf einen stringenten Auftritt, wenig Krimskrams, wenig elektronisches Zeugs. Handgemacht alles, zurückhaltende musikalische Begleitung, pfiffige Bänke; die besten würden am Anfang oder am Schluss stehen. «Klar spielt dabei die Dramaturgie eine Rolle», sagt Neuenschwander auf die entsprechende Nachfrage.

Bei so viel Engagement – die Zunft bietet 32 Männern eine Heimat – muss doch im Fasnachtsprogramm etwas hintenanstehen. «Hintenanstehen ist vielleicht etwas zu viel gesagt», meint Neuenschwander.

«Aber die Umzugsnummern fallen bei uns eher etwas bescheidener aus.» Doch auch da hält die Zunft eine Besonderheit bereit. «Wir halten es so, dass sich keine Zünftler auf den Wagen befinden», sagt Hauswirth.

Das Zauberwort intrigieren fällt. «Klar, mit den Zuschauern am Strassenrand in Kontakt treten, mit ihnen was veranstalten, das pflegen wir», sagt Meier. Das sei eben nur dann wirklich gut möglich, wenn viele der Zunft zu Fuss unterwegs seien.

Reise nach Wien

Lange nach Umzug und Schnitzelbänken läuft das Jubiläumsjahr 2014 unter der Prämisse «jubi et orbi» – jubiliere und arbeite – zur Hochform auf. Neben einem Banause-Stopf am eigentlichen 50. Geburtstag, dem 30. August, gibts Fasnacht im Sommer und ein Volksfest auf dem Ildefonsplatz, bei dem 5.50 Franken eine wesentliche Rolle spielen werden.

Soviel verrät der Chef Jubiläum, Hauswirth. Und dann folgt im September eine Reise nach Wien. «Wien, Wien, nur du allein ..., meint er vielsagend. Man sei eben eine sparsame Truppe, fügt er noch an, da liege eine solche Reise drin. «Unser diesjähriges Motto ‹Hesch mir en Stutz› hat dann etwa gar nichts mit dem Jubiläum zu tun», sagt Neuenschwander noch lachend.

Zunächst aber – Freude herrscht – stehen Banausiade und Fasnacht vor der Tür. Hochzeit für die Banausezunft also. Kein Zweifel, dass auch im Jubiläumsjahr ein Ausspruch während ihrer Produktionen nicht fehlen wird: «Banause guttt!»

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