Der Entscheid der ausserordentlichen Gemeindeversammlung von Mitte April war eindeutig: 48 der anwesenden 65 Christkatholiken haben sich für die Schliessung und Umnutzung der drei Kirchen in Hägendorf, Trimbach und Starrkirch-Wil ausgesprochen. Sogar 52 Stimmbürger haben den Gemeinderat ermächtigt, dass er Verhandlungen mit Interessierten abschliessen darf.

Diese Kirchen werden nicht mehr benötigt (v.l.): Christuskirche in Hägendorf, Dorfkirche St. Peter und Paul in Starrkirch-Wil und Kreuzkirche in Trimbach.

Diese Kirchen werden nicht mehr benötigt (v.l.): Christuskirche in Hägendorf, Dorfkirche St. Peter und Paul in Starrkirch-Wil und Kreuzkirche in Trimbach.

Ab Herbst sollen alle Gottesdienste nur noch in der bis dann frisch renovierten Oltner Stadtkirche durchgeführt werden. Trotz des klaren Verdikts wehren sich nun zwei ehemalige Gemeinderäte der Kirchgemeinde Region Olten mit der Unterstützung weiterer Personen gegen die Schliessungen. Sie haben Beschwerde beim kantonalen Amt für Gemeinden eingereicht.

«Wir sind mit dem Vorgehen dieser konzeptlosen Schliessung nicht einverstanden», sagt Fritz Neuhaus aus Hägendorf. Und sein Mitstreiter Peter Bitterli aus Trimbach doppelt nach: «Es ist störend, dass man bei drei von vier Kirchen einfach vorprescht und den Schlüssel drehen will.» Sie ärgern sich vor allem darüber, dass der Gemeinderat die vom Souverän im Juni 2017 klar gutgeheissene Motion von Clemens Ackermann nicht umgesetzt hat.

Mit dieser wird verlangt, dass der Kirchgemeinderat «ein schriftliches, detailliertes und umfassendes Nutzungskonzept für alle Liegenschaften und deren Räumlichkeiten im Besitz der Kirchgemeinde erarbeitet und der Kirchgemeindeversammlung vorlegt».

Ein solches Nutzungskonzept habe der Gemeinderat nicht ausgearbeitet, sondern gleich den Antrag mit der Schliessung vorgebracht, sagt Neuhaus. Es wurde sozusagen ein Schritt übersprungen. Zudem gibt es bereits ein solches Nutzungskonzept. In seiner Zeit als Gemeinderat im Ressort Bau hat der Architekt zusammen mit einem Ausschuss ein 17-seitiges Papier erarbeitet mit Vor- und Nachteilen verschiedener Nutzungsvarianten, Kosten zu den Sanierungen sowie den Plänen zum Grundstückbesitz. Als Fazit heisst es darin, dass die Kirchgemeinde «den Gewinn aus den Immobilien optimieren» sollte. Die bisherigen Defizite aus der laufenden Rechnung könnten so kompensiert werden, sagt Neuhaus.

Ausserdem halten Neuhaus und Bitterli die Zahlen, welche in der Botschaft zur Gemeindeversammlung für die nötigen Sanierungen der drei Kirchen angegeben wurden, für zu hoch. «Eine neue Orgel für die Dorfkirche in Starrkirch-Wil kostet nicht Hunderttausende von Franken», sagt Neuhaus. Für die anstehende Orgelsanierung könnte erneut ein Fundraising durchgeführt werden, wie dies bereits bei der Stadtkirche-Sanierung erfolgreich geschah. Ferner genügen Neuhaus zufolge die Gelder, welche die Kirchgemeinde an zweckgebundenen Legaten zur Verfügung hat, für alle nötigen Renovationen an den drei Kirchen. Diese aus finanziellen Gründen zu schliessen, so wie dies der Gemeinderat den Versammlungsteilnehmern dargelegt hatte, sei nicht nötig, sagt Neuhaus. Und Bitterli ergänzt: Wenn ein Nutzungskonzept zeige, dass die Finanzlage bei einer Fremdnutzung der Liegenschaften nicht besser aussehe, erst dann «müsse man halt in den sauren Apfel beissen» und Schliessungen akzeptieren.

Kein offizielles Nutzungskonzept

Kirchgemeindepräsident Kurt Stutz sieht dem Beschwerdeentscheid gelassen entgegen. «Das Resultat an der Versammlung war deutlich.» Natürlich gebe es immer Leute, die damit nicht zufrieden seien. Wird die Beschwerde gutgeheissen, würde der Beschluss zu den Kirchenschliessungen aufgehoben. Gemäss Stutz würde dies aber nichts ändern: Der Kirchgemeinderat könnte auch im Alleingang entscheiden, die Kirchen umzunutzen. «Es würden in den Aussengemeinden trotzdem keine Gottesdienste mehr geben.» Zudem sei das Nutzungskonzept, welches Neuhaus erarbeitet habe, gemäss seinen Informationen kein offizieller Auftrag des Gemeinderats gewesen. «Neuhaus hat dieses auf eigene Faust erstellt.» Sonst wäre das Papier an einer Sitzung des Kirchgemeinderates behandelt worden, was seiner Ansicht nie der Fall war.