Olten
Bachs bis Schweitzers Klänge fürs Urwaldspital bringen gut 1200 Franken

Hans Egg konzertierte in der Stadtkirche; die Kollekte kam Albert Schweitzers Spital in Gabun zugute, welches vor 100 Jahren ins Leben gerufen wurde.

Christian Roth
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Der Rothrister Organist Hans Egg am Instrument in der Stadtkirche

Der Rothrister Organist Hans Egg am Instrument in der Stadtkirche

Christian Roth

Beim Feierabendkonzert in der Stadtkirche Olten hat der Rothrister Organist Hans Egg Werke von Johann Sebastian Bach und dessen musikalischen Nachfolgern gespielt. Die Kollekte des Benefizkonzerts geht an den Schweizer Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene.

Hundert Jahre ist es her, seit Albert Schweitzer mit seiner Frau Hélène aus dem Elsässer Dorf Günsbach nach Afrika abgereist ist, wo er in Lambarene (Gabun) ein Spital gründete. «Lambarene, das heisst, wir wollen es versuchen», erklärte Dominic Bertschi vom Schweizer Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital bei der Begrüssung und dankte für die «kulturelle Zeitreise», auf die Organist Hans Egg das Publikum mitnahm. Diese startete mit mystischen, leisen Tönen in Moll, der Fantasie c-Moll BWV 537. Bei der dazugehörigen Fuge entfaltete die Orgel lautere, mächtigere Töne. Weiter ging es mit einem Werk von Johann Ludwig Krebs (1713–1780), «dem einzigen Krebs in meinem Bache», wie der Meister seinen Lieblingsschüler einmal nannte.

Auch Werk Schweitzers Orgellehrer war zu hören

Rasante Tonfolgen und barocke Schnörkel waren in der Partita «Allein Gott in der Höh sei Ehr» zu hören. Bei Christian Heinrich Rincks (1770–1846) «Variationen über ein Thema von Corelli op. 56», der bei Bachschüler Kittel lernte, wechselten sich mächtige Bässe und strahlende Obertöne in rasanten Läufen ab. Zu den «Variationen A-Dur» von Adolf Friedrich Hesse (1809–1883), dem «schlesischen Bach», wurden Bilder aus Lambarene gezeigt. Einerseits vom Spital, Ärzten und Patienten heute, aber auch von Albert Schweitzer im Busch mit Tropenhut, mit Stethoskop, auf der Baustelle und selbstverständlich an der Orgel.

Mit Charles-Marie Widors (1844–1937) «Andante Cantabile As-Dur aus der 4. Symphonie» war schliesslich auch ein Werk von Schweitzers Orgellehrer zu hören. Widor war es auch, der das Vorwort zu Schweitzers Buch über Johann-Sebastian Bach schrieb, das zuerst auf Französisch und später auf Deutsch erschien. Albert Schweitzer spielte selber viele Orgelkonzerte in ganz Europa, um Geld für sein Urwaldspital zu sammeln. Am Donnerstagabend kam in den Kollektenkörbchen der stolze Betrag von 1287 Franken zusammen, der für den Neubau des Frauenspitals verwendet wird.

Grossen Applaus erhielt Hans Egg vom Publikum für sein Spiel auf der Johann-Nepomuk-Orgel. Das 1880 gebaute Instrument ist für die Musik der Klassik und Romantik besonders geeignet. Und man kann sie als Klangdenkmal aus der Zeit des jungen Albert Schweitzer (1875–1965) bezeichnen. Mit einer kurzen Zugabe, Bachs Sonatina BWV 106, eigentlich für Streicher und Flöten geschrieben, führte der Organist nochmals den weichen Klang des Instruments vor.