Olten

Aussergewöhnliche Bilder von aussergewöhnlichen Menschen: Marco Grob präsentiert Sammlung seiner Portaits

Die Jugendfreunde Marco Grob (l.) und Charles Blunier sind stolz auf ihr Werk.

Die Jugendfreunde Marco Grob (l.) und Charles Blunier sind stolz auf ihr Werk.

Der Fotograf Marco Grob und Designer Charles Blunier haben einen Bildband kreiert. «Money People Politics» zeigt Portraits von Menschen die Aussergewöhnliches geleistet haben.

Marco Grob und Charles Blunier müssen sich verstecken. Draussen scheint die Sonne, sie sitzen als einzige Gäste im Innern des Cafés. Zu oft werden die verlorenen Söhne Oltens von Bekannten und Freunden angesprochen. Drinnen lässt es sich besser reden.

Auf dem Tisch liegt ein dicker Bildband, ihr gemeinsames Werk. «Money People Politics» lautet der Titel. Mit ungefähr 225 Porträts führt Marco Grob vor, wer auf dieser Welt Aussergewöhnliches geleistet hat. Designt wurde der Bildband von seinem Jugendfreund und Creative Director Charles Blunier, der in Zürich eine Designagentur betreibt.

Doch Grob hat den Auftrag nicht aus Sympathie vergeben. «Ich wollte den Besten haben», erklärt er. Er hat bei renommierten Designern auf der ganzen Welt angefragt, Bluniers Entwurf hat ihn überzeugt. Darüber sind beide froh. «Ein Beziehungsdelikt war es also nicht», sagt Blunier und lacht. Marco Grob leert derweil Kaffeerahm in seinen Espresso.

Die Hand, die das Cremekännchen hält, hat schon jene von Barack Obama geschüttelt, um nur eine weltberühmte Hand zu nennen. Neben Politikerhänden waren auch solche von Schauspielern und Raumfahrern, Minenopfern und Überlebenden von 9/11 dabei. Sie alle hat er fotografiert. Für seinen Beruf ist Grob 280 Tage im Jahr unterwegs und wohnt in New York. Starallüren sind ihm keine anzumerken. «Ist gut so, Marco?», fragt die junge Frau, als sie ihm ein Glas Wasser bringt.

Olten ist zu gemütlich

Eine Sammlung seiner Porträts herauszugeben, war schon länger eine Idee von Grob. Als das Dänische Nationalmuseum wegen einer Ausstellung anfragte, hat er die Gelegenheit ergriffen. «Aber wenn, dann etwas Rechtes», war Grobs Devise. Die Auswahl der Porträts war keine einfache Arbeit. Aus tausend Fotografien hat er 500 ausgewählt, die er nochmals um die Hälfte reduziert hat. Das hat wehgetan. «Es war, wie Kinder mit einer Axt killen», beschreibt er den Prozess. «Das Buch zeigt die gesamte Bandbreite von Marcos Schaffen», sagt Blunier.

«Es ist die Summe der Leute, die bestimmen», sagt Grob. Er erinnert sich an einen Besuch in der Schweiz vor vielen Jahren, als er für ein Fotobuch 118 Franken ausgegeben hat. «Ich wusste, ich war danach wieder blank. Doch ich musste das Buch einfach kaufen.» Er hofft, dass es dem einen oder anderen mit seinem Buch gleich gehe.

Grob und Blunier erzählen und plaudern, ein Gespräch unter Freunden, mehr Kaffee muss her. Beide tragen dunkle Kleidung und Dreitagebart. Früher sind die Freunde zusammen durch die Gassen gezogen, haben nächtelang über Fotografie diskutiert. «Charles war der Erste, der mir sagte, ich solle doch nach New York gehen», erzählt Grob.

Er wagte den Sprung über den Teich zunächst nicht, zu gross war die Angst vor dem Unbekannten. «Heute gehe ich viel mehr Risiken ein», sagt er. «Das einzig Vernünftige im Leben ist, unvernünftig zu sein.» Im Gegenzug hat er Blunier dazu motiviert, in Zürich eine eigene Agentur zu eröffnen.

Zürich ist nicht New York, doch auch für Blunier war dies eine entscheidende Veränderung. «Zürich war für mich das Tor zu einer internationalen Karriere. Hier konnte ich meine ganze Kreativität zeigen. Das hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin», sagt Blunier. Grob und Blunier schämen sich jedoch nicht für ihre Herkunft. Olten ist ihnen einfach ein bisschen zu «cozy«, wie Grob sagt. Zu gemütlich.

In der Freizeit wissen sie diese Gemütlichkeit durchaus zu schätzen, sitzen gern bei einem Bier in der Gartenbeiz. Doch beide wollten sich mit den Besten messen und mussten deshalb der Dreitannenstadt den Rücken kehren. Heimweh nach der Schweiz kennt Grob nicht, eher «längi Ziit» nach Europa. «Mir gefällt die kulturelle Vielfalt hier, dass man mit dem Flugzeug in einer Stunde an einem ganz anderen Ort sein kann.»

Grob und Blunier haben hohe Ansprüche an ihre Arbeit. «Da ändert der Arbeitsort nichts», sagt Grob. Ob in seinem ehemaligen Studio an der Solothurnerstrasse oder beim Fotografieren von Prominenten in Amerika.

Fast möchte man sagen, Grob sei ein Star, der am Boden geblieben sei. Doch er selber mag diese Formulierung nicht. «Blödsinn», sagt er dazu. Zu sehr schwingt in ihr die Schweizer Liebe nach Konformität mit. Er hat es viel lieber, wenn die Menschen fliegen.

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