Coronavirus

Ausgerätselt: Die Oltner Kabarett-Tage sind abgesagt – Light-Version soll folgen

Max Uthoff (links) ist der letzte Preisträger, dem am 16. Mai letzten Jahres das Cornichon ordnungsgemäss überreicht werden konnte.

Max Uthoff (links) ist der letzte Preisträger, dem am 16. Mai letzten Jahres das Cornichon ordnungsgemäss überreicht werden konnte.

Es wird nichts aus den 33. Oltner Kabarett-Tagen vom 6. bis 16. Mai 2020. Im Spätherbst aber sollen wesentliche Elemente «normaler» Kabarett-Tage in einer Light-Version nachgeholt werden.

Noch am 29. März schrieb Peter Brunner als Leiter der Vereinsorganisation Gesellschaft Oltner Kabarett-Tage auf deren Website: «Geschätzte Freunde des intellektuellen Humors und der Aufrechterhaltung der Landesmoral; die Vorbereitungen für die 33. Oltner Kabarett-Tage vom 6. bis 16. Mai 2020 laufen auf Hochtouren. Auch wenn die Chancen für eine Durchführung der schönsten elf Tage des Jahres nicht sehr gross sind, bleiben wir optimistisch.» Es blieb, so in der Rückblende, also bei allem Sinn für vermeintliche Realitäten doch auch die blosse Vermutung, der Spiess liesse sich noch wenden.

Das Festival kann nicht durchgeführt werden

Jetzt hat die blosse Vermutung ein Ende. Denn gut 14 Tage später ist das Geheimnis und Sein oder Nichtsein der 33. Ausgabe endgültig gelüftet: «Es hat sich abgezeichnet, aber irgendwie hofften wir, dass es nicht so wird. Jedoch mit dem aktuellen Beschluss des Bundesrats wird klar: Das Festival vom 6. bis 16. Mai 2020 kann nicht durchgeführt werden.» Und die Gesellschaft ist dem leisen Humor auch in dieser Situation verpflichtet. «Dank des Virus mit mexikanischem Namen müssen die Fans der deutschsprachigen Pointe etwas Geduld aufbringen, denn das grösste Schweizer Kabarettfestival lässt sich nicht ohne Widerstand absagen», lässt sich das Leitungsteam zitieren. «Deshalb arbeiten wir im

Moment mit Hochdruck daran, im Herbst-Winter eine Bonsai-Version des Festivals oder Einzelabende zu organisieren; einerseits um die ordentliche Mitgliederversammlung durchzuführen und andererseits um der Preisverleihung und ein paar wichtigen Veranstaltungen, auch aus dem Bayern-Special oder dem Kabarett-Casting –einen würdigen Rahmen zu verleihen.» Das Rahmenprogramm dazu werde bekannt gegeben, sobald die Möglichkeiten und Termine geklärt sind. Für einige gut gebuchte Abende werden Verschiebungstermine gesucht. «Konkrete Termine und alle Details können erst bekannt gegeben werden, wenn behördlichen Vorgaben bekannt sind», so die Gesellschaftsleitung weiter.

Warum aber nur so spät abgesagt?

Ok, natürlich sind Kabarett-Aficionados Optimisten: Und dennoch sei die Frage erlaubt: Warum kam die Absage erst jetzt? «Zum einen ist es so, dass dieses Wochenende so etwas wie die Deadline für die ordentliche Durchführung des Festivals gewesen wäre», sagt Rainer von Arx, künstlerischer Leiter des Festivals. «Und zum andern», schiebt Alex Summermatter als Gesamtleiter hinterher, war der bundesrätliche Entscheid so etwas wie die Bestätigung dafür, dass höhere Mächte, sprich höhere Gewalt, eine Durchführung des Festivals verhinderten.»

Ein nicht ganz unwichtiger Umstand. Wird nämlich eine Veranstaltung abgesagt, ohne dass höhere Mächte im Spiel sind, ist der Organisator vertraglich verpflichtet, den engagierten Künstlerinnen und Künstlern einen grossen Anteil der vereinbarten Gage aus der eigenen Kasse auszuzahlen. «Unter den jetzigen Umständen haben die Bühnenakteure Anrecht auf eine Ausfallentschädigung durch die Coronaverordnung», so von Arx weiter. Für Kunstschaffende aus der Schweiz ist dies aktuell klarer als für betroffene Akteure aus Deutschland oder Österreich. Deshalb wird eine gesamtheitlich gute Lösung gesucht. «Wir sind auch bemüht, dass niemand unter den Mitwirkenden vollständig unbezahlt zurückbleibt», so Summermatter.

Dazu gehören auch Beleuchter, Tonmeister und andere Mitwirkende im Hintergrund. «Stand heute gehen wir davon aus, dass der Gesellschaft aus der Absage ein Defizit im mittleren fünfstelligen Bereich bleibt», so der Gesamtleiter. Abschliessend lasse sich dies noch nicht beziffern. «Wir sind froh, auf die Gelder der Sponsoren, des Kantons und die unserer Mitglieder zählen zu können.» Allerdings schliesst Summermatter nicht aus, dass neue Wege gesucht werden müssen, um das Loch zu stopfen und die Kasse wieder ins Lot zu bringen.

Eine Light-Version im Spätherbst

Ganz geschlagen aber gibt sich die Gesellschaft dem Coronavirus nicht. Im Spätherbst soll eine Lightversion der Kabarett-Tage über die Bühne gehen. «Wir müssen dabei aber aufpassen, dass sich kein Overkill an Veranstaltungen ergibt, weil sich alle Organisatoren jetzt mit diesem Gedanken beschäftigen», warnt von Arx. Auch hatte die Gesellschaft im Vorfeld der Absage den Gedanken verworfen, die Auftritte im Streamingdienst unter die Leute zu bringen. «Nach unserer Auffassung wäre das zu steril rübergekommen», so Summermatter. «Das kann man eigentlich heute schon etwa via Youtube», reicht von Arx nach.

Vorläufig also bleibt Max Uthoff, der Cornichon-Gewinner des vorigen Jahres, der letzte mit ordentlicher und regulärer Preisverleihung. «Es ist klar, die Preisverleihung wird sicher noch in diesem Jahr nachgeholt», klären Summermatter und von Arx auf. Es sei denn, eine zweite Coronawelle würde über das Land hereinbrechen. Aber was rät das Leitungsteam doch: «Bleibt gesund, bleibt zu Hause und esst Cornichons; die sind gut gegen operative Hektik.»

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