Fast ein Dutzend Krane zieren das diesjährige Cover der Oltner Neujahrsblätter. Es handelt sich dabei um die Baustelle Olten SüdWest – «ein Symbol für unsere aktuelle Finanzlage», erklärt Peter A. Bloch, Präsident der Redaktionskommission. In der aktuellen 73. Ausgabe, die wieder eine sehr bunte Themenpalette beinhaltet, widerspiegeln die verschiedenen Artikel laut Bloch die Umbruchsphase, die derzeit in der Dreitannenstadt herrscht. Von der Gründung des ersten Vereins, der als Ziel die eigene Auflösung hat (Pro Kultur Olten), über die ökologische Verantwortung des Olten SüdWest Projekts bis zum Wandel der Mönche des Kapuzinerklosters. «Unsere Sammlung zeigt eine soziale und integrative Stadt», so Bloch an der Vernissage am Dienstagabend. Gleichzeitig sollen laut Bloch die vielen Fakten und Ereignisse dem Stadtrat und dem -parlament ein klares Zeichen geben: Das Oltner Volk lässt sich nicht alles gefallen.

Von Kanonen bis Toiletten

Passend zur Ausstellung im Historischen Museum ist der Erste Weltkrieg in den Oltner Neujahrsblätter 2015 ein Thema, das mit historischen Bildern illustriert wird – von den Schneiderwerkstätten und den Uniform-Näherinnen bis zur Truppenparade und den Ringrohrkanonen. Aber auch das Erwachen des Nationalsozialismus in Olten wird in einem Beitrag thematisiert. «Bei diesem Artikel habe ich die Namen der Nazis zensiert, um die Nachfolger zu schützen», so Bloch. Unter den historischen Beiträgen findet sich auch ein Porträt der Oltner Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Clara Büttiker.

Von der Geschichte in die Gegenwart: Ein Beitrag erzählt, warum der gefundene Splitter eines Wollhaarmammutzahns in Gunzgen so wichtig für Olten ist. Ein anderer Autor wollte wissen, wo Oltner früher in der Öffentlichkeit ihr Geschäft verrichteten und widmete sich in seinem Artikel den Stillen Örtchen der Stadt. Auch Beiträge zum künstlerischen und kulturellen Tun in Olten fehlen in dieser Aufgabe nicht. Aufgegriffen wird auch die Geschichte der Dietschi AG, die nach genau 145 Jahren die Selbstständigkeit verliert.

Weniger Geld von der Stadt

Neben den gesellschaftlichen, kuriosen und historischen Beiträgen ist in den Oltner Neujahrsblättern auch die Chronik aufgeführt. «Eines der wichtigsten Dokumente», so Peter A. Bloch. Die Auflistung der Ereignisse zeige das Riesenangebot von Olten. Neben den grossen Events wie Tanz- oder Kabaretttage finden sehr viele kleinere Feste statt. «Die Oltner machen Kultur für sich», sagt Bloch. Genau dies ermögliche, dass sich Persönlichkeiten entfalten und entwickeln können. «Sie gehen dann vielleicht weg, aber sie kommen immer wieder zurück», so Bloch.

Auch die Oltner Neujahrsblätter werden vom Spardruck des Stadtrats nicht verschont. Während die Stadt die Oltner Neujahrsblätter bisher mit 22 000 Franken unterstütze, sind es neu noch 15 000 Franken. Bei der letzten Ausgabe schlossen die Oltner Neujahrsblätter mit schwarzen Zahlen ab, verzeichneten sogar einen kleinen Ertrags überschuss (rund 2000 Franken), wie Aktuarin Heidi Ehrsam berichtete. Für die aktuelle Ausgabe könne bei der Verpackung gespart werden (neu wird sie in Plastik versandt). Bloch: «Uns ist bewusst, dass wir in Zukunft noch stärker von Gönner und Wirtschaftsbeiträge abhängig sein werden.» Auch dieses Jahr sei es wichtig, dass die zugesandten Exemplare bei Nichtbedarf bei Stadthaus abgegeben oder frankiert zurückgesandt werden.