Die SBB liebäugeln damit, die Lager- und Werkstattfunktionen im Grossraum Olten in Hägendorf zu konzentrieren. Derzeit sind diese Aktivitäten auf vier Standorte verteilt: Zentrallager Infrastruktur in Dulliken, Regionales Bahntechnikcenter Mitte in Dulliken, Betriebswehr-Werkstatt in Härkingen, Bahntechnikcenter in Hägendorf.

Effizienzsteigerung

Durch die Zusammenführung an einem gemeinsamen Standort und durch die Nutzung neuer Werkstatt- und Lagergebäude nach dem aktuellen Stand der Technik können Synergie- und Rationalisierungspotenziale genutzt werden, heisst es in einem Planungspapier der SBB.

So ermögliche die Konzentration auf dem Areal des Bahntechnikcenters in Hägendorf einen effizienteren Betrieb. Wie die SBB weiter betonen, lasse insbesondere der Standort des Zentrallagers in Dulliken aufgrund des baulichen Zustands und der Gebäudecharakteristik keinen längerfristigen, effizienten Lager- und Umschlagsbetrieb zu.

1. Neues Werkstattgebäude mit Lager, 2. Neues automatisiertes Hochregallager für Standardpaletten, 3. Neubau für Logistik, Büro und Kantine, 4. Neues Lager und Logistikgebäude

Für die Zentralisierung auf dem Areal des Bahntechnikcenters in Hägendorf müssten verschiedene Neubauten entstehen:

1. Neues Werkstattgebäude mit Lager, 2. Neues automatisiertes Hochregallager für Standardpaletten, 3. Neubau für Logistik, Büro und Kantine, 4. Neues Lager und Logistikgebäude

Untersuchungen zur Standortwahl inklusive Überprüfung von externen Anbietern haben laut SBB ergeben, dass Hägendorf der optimale Standort sei. Mit dieser Konzentration liessen sich «jährlich systemkostenrelevante Einsparungen» realisieren. Eine Studie der Firma Rapp Architekten AG bestätige diese Synergien in einem realisierbaren Konzept unter Berücksichtigung der wesentlichen betrieblichen Abläufe.

Die beste von vier Varianten

Im Zuge der Bearbeitung wurden laut SBB vier Varianten in Kosten-Nutzen-Analysen verglichen. Die schliesslich ermittelte Bestvariante erfülle sowohl die quantitativen, qualitativen als auch wirtschaftlichen Anforderungen am vorzüglichsten. Die qualitativen Kriterien beurteilten Flexibilität Umnutzung und Erweiterbarkeit, Effizienzsteigerungspotenzial, Kompatibilität der Waren-, Werksverkehrs- und Personenflüsse, Risikominimierung während Bau und Betrieb.

Die finanziellen Kriterien seien hinsichtlich Investitionsvolumen und Betriebskosten beurteilt worden. Die Bestvariante weise dabei insbesondere aufgrund der bestmöglichen Betriebseffizienz, der hohen Flexibilität und durch mögliche Etappierungen und Zwischennutzungen während des Baus unter Betrieb das beste Ergebnis beziehungsweise das geringste Risiko auf.

Diese drei Standorte sollen aufgehoben und nach Hägendorf verlegt werden:

Die Bestvariante der Studie der Firma Rapp Architekten AG umfasst ein automatisiertes Hochregallager, Lagergebäude für sperrige Güter und Warenumschlag, ein Werkstattgebäude, neue Büro- und Kantinenflächen sowie die Modernisierung und Umnutzung bestehender Bereiche und Gebäude auf dem Areal des Bahntechnikcenters. «Die Bestvariante ist auf- und abwärtskompatibel für zukünftige technologische Veränderungen und bietet eine hohe Flexibilität für die Umnutzung von Produktions- und Lagerflächen», unterstreichen die SBB.

Die Raumanforderungen seien einerseits im Hinblick auf effiziente Warenflüsse und Umschlagprozesse, andererseits auf Basis des Flächenbedarfs für Werkstattfunktionen sowie aufgrund des bereinigten, prognostizierten Lagerkapazitätsbedarfes definiert worden. Und die Realisierung des Cargo-Kombiverkehrsterminals (Drittprojekt nördlich des Bahntechnikcenters) sei ohne Abhängigkeit zum Projekt der Standortkonzentration in Hägendorf möglich.

Fünf Gemeinden tangiert

Das Areal in Hägendorf verteilt sich auf drei Gemeinden (Egerkingen, Gunzgen und Kappel) und grenzt an zwei weitere Gemeinden (Hägendorf und Härkingen). Grosse Teile des Bahntechnikcenters liegen in der Landwirtschaftszone, sind jedoch zusätzlich als Sondernutzungsgebiet SBB im Richtplan eingetragen.

Umgeben ist das Areal von einem Siedlungstrenngürtel von kantonaler Bedeutung, was eine Ausbreitung und eine neue Erschliessung erheblich erschwert. Wegen dieses Hintergrunds und aufgrund eines Parallelprojektes von SBB Cargo ist der Planungsperimeter laut eigenen Angaben des Unternehmens auf das Zentrum des Bahntechnikcenters beschränkt worden.

Konkretes Projekt bis Ende 2018

«Grundsätzlich wird das Ziel verfolgt, die heute dezentralen Standorte auf dem bestehenden Areal in Hägendorf bei minimalstem Landverbrauch anzusiedeln und moderne Arbeitsplätze anbieten zu können», erklärt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig (Olten) gegenüber dieser Zeitung. Das Bahntechnikcenter in Hägendorf sei ein moderner Betrieb, in dem jährlich 150 000 Tonnen massgefertigte Bahntechnik wie Schienen und Weichen für das Schweizer Schienennetz produziert würden.

Zur Studie betreffend Standortkonzentration führt Ginsig weiter aus: «Es handelt sich um ein Vorprojekt. Es werden die Generalplanerleistungen für die Vorprojektphase ausgeschrieben. Das heisst, die SBB klären ab, ob sich die Projekte überhaupt realisieren lassen.» Und zur Rolle des Generalplaners hält Ginsig fest: «Er hat in diesem Fall die Aufgabe, die aus Studien hervorgegangenen Lösungsvorschläge anzuschauen und zu evaluieren, um bis voraussichtlich Ende 2018 einen umsetzungsfähigen Projektvorschlag auf dem Tisch zu haben.»

Was passiert mit Standorten?

Was beabsichtigen die SBB mit den Standorten, die im Zusammenhang mit der Konzentration in Hägendorf aufgehoben werden sollen? Welche Entwicklung ist in Hägendorf zu erwarten? Gibt es Stellen-/Personalabbau? Solche Fragen kämen heute zu früh, erklärt SBB-Sprecher Ginsig, der betont: «Es sind überhaupt noch keine Entscheide gefällt worden, deshalb können wir derzeit nichts zu den Entwicklungen an den einzelnen Standorten sagen.»

Sollte bis Ende 2018 tatsächlich ein umsetzungsfähiger Projektvorschlag vorliegen, würden die SBB auf diesen Zeitpunkt hin auch Aussagen zur kleinräumigen Verschiebung von Arbeitsstandorten in der Region machen können. Immerhin dürfe gesagt werden, so Ginsig weiter, dass die SBB in den letzten Jahren im Kanton Solothurn kontinuierlich Stellen aufgebaut hätten: Von 2330 Vollzeitstellen im Jahr 2014 auf 3000 im Jahr 2015 und 3065 im Jahr 2016. Das beweise, dass Solothurn ein wichtiger Arbeitskanton für die SBB sei.