«Sviha», sagt Samer stolz. So heissen die mit Hackfleisch gefüllten Teigkörbchen, die der 30-jährige Asylsuchende aus Syrien wie am Band formt. Neben ihm, in der Küche der Schützi, kochen weitere junge Männer wie ein eingespieltes Team Spezialitäten aus ihren Herkunftsländern: Somalia, Afghanistan, Syrien.

Es ist noch nicht alles servierbereit. Samer wird nervös, feuert auf Arabisch seine Freude an und gibt selber noch mehr Gas. Schon einige Gäste sind bei der ersten Oltner Willkommensparty «Refugees Welcome» eingetroffen.

Auf Facebook hatten sich 39 Menschen, mehrheitlich aus Olten, für das Fest eingetragen, das eine kleine Freiwilligen-Gruppe organisiert hatte. Während des ganzen Samstagnachmittags verteilt kamen dann aber doch einige mehr. Aus Prinzip, aus Solidarität, aus Neugier. Lange stand in der grossen Halle die Asylsucher-Gruppe, bestehend aus rund 80 jungen Männern, aber, genauso wie ihre aktuelle Unterkunft im Gheid, isoliert.

Der Eisbrecher

«Ich weiss gar nicht, wie ich auf sie zugehen soll», meinte eine Besucherin verlegen, während auf der anderen Seite die neuen Gesichter mit grossen Augen beobachtet wurden. Die Hemmschwelle war gross. Auf beiden Seiten. Rund eine Stunde später, mit dem Anrichten des Essens und dem Aufdrehen von bekannter und unbekannter Charts-/House-Musik, merkten die Anwesenden, dass ein Lächeln oder ein simples Hallo das Eis brechen kann.

Sobald ein Einheimischer einem Asylsuchenden interessiert zuhörte, kamen gleich andere Asylsuchende und wollten sich vorstellen, sich mitteilen, warteten nur auf Fragen, die sie beantworten wollten. In Englisch, in Französisch, mit einzelnen deutschen Wörtern, mit Händen und Füssen.

Ein arabisches Volkslied ertönt aus den Lautsprechern. Samer hakt auf der freien Fläche mitten im Raum mit anderen Asylsuchenden ein und formt mit ihnen einen Halbkreis, in dem sie sich im Takt bewegen. Glückliche Gesichter. Um sie herum wird ein Kreis von Zuschauern geformt, Handys werden gezückt. Applaus. Jubel.

«Refugees Welcome» - Flüchtlinge und Schweizer tanzen in der Oltner Schützi zusammen

Flüchtlinge und Schweizer tanzen in der Oltner Schützi zusammen

«Genauso haben wir uns das vorgestellt», sagt Tobias Vega, einer der projekttragenden Freiwilligen. «Das ist einfach toll.» Im Saal der Schützi sind nun nicht mehr die Asylsuchenden in der Überzahl. Etwa gleich viele Gäste aus Olten und der Umgebung machen die Menge aus: Ältere Menschen, junge Eltern, Jugendliche, wenige Kinder, einige Politiker aus dem Links- bis Mitte-Lager.

Was können sie?

Auch Stadtpräsident Martin Wey ist in der Menge. Mit grossen Augen schaut er überrascht in den Raum. Er nimmt einen gefalteten, fotokopierten Flyer aus der Jackentasche. «Ich war neugierig und wollte sehen, was hier genau abläuft.» Was er sieht, scheint ihn zu erfreuen. Er strahlt und lobt die Freiwilligenarbeit, die den Event ermöglicht hat. Auch er weiss aber zu Beginn nicht, wie er einen Asylsuchenden ansprechen soll. «Ich weiss ja nicht, ob sie mich überhaupt verstehen.»

Ali, ein 25-jähriger Afghane, wird gerufen. Er spricht gut Englisch. Wey wagt sich mit simplen Sätzen an den Asylsuchenden. Ali: «Ja, Olten, die Schweiz, ist super. Im Gheid ist es im Moment aber sehr mühsam.» Es seien weit über 100 Leute untergebracht. Zu viele. Bakterien und Viren würden sich sehr schnell im Raum verbreiten. Der Stadtpräsident nickt, hört aufmerksam zu. Als dies andere Asylsuchende merken, kommen sie in die Nähe von Wey, und warten geduldig, dass sie über ihren Beruf oder ihre Ausbildung erzählen können.

«Es ist wichtig, dass eine Vernetzung zwischen der Bevölkerung, den Organisationen und den Asylsuchenden stattfindet», sagt Wey. So könne man herausfinden, was ihre Talente sind und wo sich Möglichkeiten ergeben, sie in Olten sinnvoll zu beschäftigen. «Solche Anlässe sollten uns zum Denken anregen und vor allem Taten folgen lassen.»