Jahrelang stand sie leer, die Sonne-Bar in Walterswil, unmittelbar an der Kantonsgrenze Aargau-Solothurn (neben A1 bei Safenwil). Jetzt ist ein Baugesuch eingereicht worden: «Zimmervermietung, Bar mit Dienstleitungsbetrieb im Erotikbereich», heisst es in der Bauausschreibung. Eigentümer des Grundstücks im Ortsteil Rothacker ist Gianfranco Masetta aus dem aargauischen Meisterschwanden, als Bauherr wird Zvonko Petrovic aus Bellach genannt.

Zonenplanerisch scheint ein solches Etablissement nicht von vornherein ausgeschlossen: Immerhin war bereits der Restaurationsbetrieb in der Sonne-Bar ein Gewerbebetrieb. Das Gebäude befindet sich in der Dorfkernzone, wo laut Zonenreglement «mässig störende, dem Charakter der Zone angepasste Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe» gestattet sind.

Aber dem Vorhaben weht ein heftiger Wind entgegen: «Der Gemeinderat ist absolut nicht glücklich darüber», sagt Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm-Merz klar. «Dort befindet sich der Dorfkern von Walterswil, der zentrale Punkt der Gemeinde. Zudem ist es ein Wohngebiet und die Parkplätze sowie der Gehweg vor dem Lokal gehören der Einwohnergemeinde Walterswil», begründet Wilhelm-Merz das Befinden des Gemeinderates. «Wir loten nun alle Möglichkeiten aus, um diese Erotik-Bar zu verhindern.»

Ein Kauf wird geprüft

Eine dieser Optionen ist es, Einsprache zu erheben. Da sei der Gemeinderat dran, gibt die Präsidentin preis. Eine andere Option ist, die Liegenschaft käuflich zu erwerben. «Ja, ein Kauf des Objekts wird derzeit geprüft», bestätigt die Gemeindepräsidentin. Die Liegenschaft wurde bereits mit einem Baufachmann begutachtet. Der Kauf müsse allerdings finanziell realistisch sein.

Der Standort, wo die Erotikbar dereinst entstehen soll, könnte in mehrfacher Hinsicht zu Konflikten Anlass geben. In unmittelbarer Nähe gehen täglich Kinder auf dem Schulweg vorbei. Des Weiteren liegt die Bar vis-à-vis der katholischen Kirche. Deswegen will auch die katholische Kirchgemeinde Walterswil Einsprache erheben. Kirchgemeindepräsident Josef von Arx: «Wir wollen nicht, dass das ganze Haus leuchtet und blinkt.»

Nach der Kirche ins Puff?

Nach der Kirche ins Puff?

In der ehemaligen Sonne-Bar in Walterswil soll es schon bald ein Bordell geben. Dass sich das Lokal neben der Kirche befindet, sorgt für rote Köpfe.

Nicht nur der Gemeinderat und die Kirchgemeinde bereiten Einsprachen vor. Anwohner in der Nachbarschaft haben diesen Schritt bereits getan. Wie zum Beispiel Brigitte Uehlinger, die vis-à-vis der ehemaligen Bar auf der anderen Strassenseite wohnt: «Wir haben Einsprache erhoben, weil wir finden, dass wir das mitten im Dorf nicht brauchen.» Ausserdem erwähnt sie den nahen Schulweg und die Lage des Dorfes: «Man wohnt doch auf dem Land, gerade weil man solche Etablissements nicht will.»

«Wir haben eine 3-jährige Tochter»

Auch Markus Schneiter, der direkt neben der Bar am Sonnenweg wohnt, ist nicht begeistert: «Wir haben eine 3-jährige Tochter, sind direkt angrenzende Nachbarn, und zwischen den beiden Grundstücken gibt es keinen Sichtschutz oder Zaun.» Auch er hat Einsprache erhoben: «Ein solches Lokal wertet die umliegenden Grundstücke ab», ist er überzeugt. Auch der Besitzer der Liegenschaft an der Engelbergstrasse 1, welche sich unmittelbar hinter der Bar befindet, hat Einsprache erhoben. «Ich bin nicht erfreut darüber, aber überrascht war ich nicht», meint ein Bewohner des Hauses. «Heutzutage muss man auch mit solchen Sachen rechnen.» Er befürchtet vor allem höhere Lärmimmissionen.

Frauen sammeln Unterschriften

Dass das Bauvorhaben des Grundeigentümers Gianfranco Masetta auch weitherum im Dorf auf Widerstand stösst, zeigt eine Aktion, die demnächst gestartet werden soll. Mehrere Frauen aus dem 700-Seelen-Dorf haben sich zusammengetan und eine Unterschriftensammlung lanciert. «Rein rechtlich werden die Unterschriften nichts bewirken können, aber emotionell schon», erklärt Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm, welche das Engagement begrüsst: «Dadurch verspürt der Gemeinderat Rückendeckung im Dorf.»

Die Einsprachefrist läuft noch bis Freitag, 10. Februar. Anschliessend wird die Baukommission die Einsprachen behandeln, was den beabsichtigten Umbau der Bar zumindest verzögern dürfte. Grundeigentümer Gianfranco Masetta konnte für eine Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung nicht erreicht werden.