Olten
Auf gute Nachbarschaft mit St. Martin: Überbauung mit 60 Wohnungen geplant

An der Ziegelfeldstrasse in Olten in direkter Nachbarschaft zur St.-Martins-Kirche soll eine Wohnüberbauung entstehen. Während die Kirche in das Bauprojekt involviert ist, sind noch nicht alle Grundeigentümer mit an Bord.

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Zwischen Grundstrasse (rechts im Bild) und Bleichmattstrasse (verdeckt links im Bild) sowie der St.-Martins-Kirche würde die Überbauung Ziegelfeldstrasse-Bleichmattstrasse zu liegen kommen.

Zwischen Grundstrasse (rechts im Bild) und Bleichmattstrasse (verdeckt links im Bild) sowie der St.-Martins-Kirche würde die Überbauung Ziegelfeldstrasse-Bleichmattstrasse zu liegen kommen.

Bruno Kissling

Der aktuelle Blick auf die Südseite der Oltner Ziegelfeldstrasse zwischen Bleichmatt- und Grundstrasse verrät: Eine Reihe von Arbeiterdoppeleinfamilienhäusern säumt den Weg; seit rund 130 Jahren. Auf deren Südseite liegen Freiflächen, die, wie im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung nachzulesen ist, als «aussergewöhnlich tiefe Pflanzengärten» beschrieben sind. Solcherlei Etikettierungen bedeutet heutzutage nichts anderes als das, was der aktuelle Zonenplan (Kernrandzone) der Stadt aussagt: Die Fläche ist stark unternutzt. Dies soll sich in naher Zukunft ändern.

Die Frei Architekten AG aus Aarau will an der Ziegelfeldstrasse eine Überbauung realisieren. «Mit einer massgeschneiderten Lösung», wie die Kooperationspartner betonen. Neben Gewerbe- und Dienstleistungsräumlichkeiten im Erdgeschoss sind 60 Wohnungen auf dem gut 3300 Quadratmetern grossen Baugrund vorgesehen; angeordnet in Kammbauweise. Aus einer sechsstöckigen Blockrandbebauung entlang der Ziegelfeldstrasse, welche die Höhe der östlich davon verlaufenden Gebäudereihe adaptiert und wo ein überhöhtes Erdgeschoss Gewerbe- und Dienstleistungsräumlichkeiten aufnimmt, entspringen Richtung Süden drei Flügel.

Blick aus Südosten auf die geplante Überbauung.

Blick aus Südosten auf die geplante Überbauung.

Visualisierung/zVg

Von denen weist der westliche und mittlere vier, der östliche drei Stockwerke auf. Damit wollten die Verantwortlichen der Stadt den Schattenwurf auf die östlich gelegenen Liegenschaften an der Bleichmattstrasse Süd reduzieren. Der voll ausgebaute Komplex bietet 12 Viereinhalb-, 26 Dreieinhalb- und 20 Zweieinhalbzimmerwohnungen sowie ein Studio. Bis zum 23. Juni läuft zum Projekt ein Mitwirkungsverfahren.

Kirche auch mit im Boot

Bei dieser kooperativen Planung von Stadt und der Frei AG ist auch die katholische Kirchgemeinde dabei. Durch ihre Beteiligung am Gestaltungsplanverfahren ergibt sich die Möglichkeit einer Verlängerung des Ost-Flügels nach Süden und dadurch eine räumliche Einfassung der Kirche St. Martin. Zudem ist ein mittelfristiger Abbruch des Nebengebäudes Ringstrasse 34, dem Pfarreiheim, eingeplant. Inwiefern die Kirchgemeinde konkret ins Projekt einsteigt, ist derzeit noch unklar. Gemäss Aussagen von Urs Reinhard, Präsident der römisch-katholischen Kultusstiftung Olten, gibt es bezüglich baulicher Aktivitäten im Rahmen des Projekts aus Sicht der Kultusstiftung keine Eile. Ob und wann das Pfarreiheim abgerissen wird und dafür ein Ersatzbau (die bereits erwähnte Verlängerung des östlichen Fingers) erstellt wird, stehe noch in den Sternen. «Ich gehe davon aus, dass am Status quo unserer Liegenschaften mindestens für fünf Jahre nichts geändert wird», so Reinhard. Abschliessend geklärt würden solche Absichten auf politischem Weg an einer Kirchgemeindeversammlung.

Öffentliche Orientierung

Heute Dienstag, 13. Juni, 19 bis 21 Uhr, beantworten Fachpersonen Fragen zum Projekt; Stadthaus, Foyer 7. Stock.

Bis auf den heutigen Tag ganz sicher nicht mit im Projekt-Boot sitzt der Eigentümer der Liegenschaft Ziegelfeldstrasse 43, was den Projektträgern, der Frei Architekten AG, doch ein Dorn im Auge sein dürfte. Allerdings berücksichtigt die Projektidee diese aus Sicht der Frei AG relative Unpässlichkeit insofern, als dass sie von einer möglichen Etappierung des Vorhabens ausgeht. Der nicht kooperations- bereite Eigentümer war für diese Zeitung nicht zu erreichen.

Tiefgarage mit 50 Plätzen

Gemäss städtischem Mobilitätsplan darf die vorgesehene Parkgarage mit 50 Autoabstellplätzen, welche über die Bleichmattstrasse erschlossen wird, lediglich 54 Prozent des Normbedarfs an Parkplätzen aufweisen. Mit Ausnahme einer Haltebucht, zu Güterumschlagzwecken vorgesehen und lokalisiert an der mit einer Baumallee gestalteten Ziegelfeldstrasse, werden keine weiteren Autoparkplätze realisiert. Hingegen wird mindestens die Hälfte der Veloabstellplätze oberirdisch zugänglich und mehrheitlich gedeckt angeboten, was die Attraktivität der Velonutzung zu steigern hilft.

Als Abgrenzung zwischen dem öffentlichen Gehweg (nördlich von St. Martin verlaufend) und dem Bebauungsgrund sehen die Planer eine bewachsene Pergola vor. Das Geh- und Wegrecht für einen Verbindungsweg zwischen Grund- und Bleichmattstrasse bleibt also erhalten. Darauf hat die Stadt Olten bestanden, wie die Stadtplaner zum Ausdruck bringen. Die dort bislang widerrechtlich genutzte «Parkfläche» wird offiziell zum Parkraum.

Durch die Konzipierung der Bebauung als Kamm-Typus entstehen gemäss Planer «kleinräumige, lärmgeschützte, südorien-tierte Innenhöfe.» Ein etwas erhöht angelegtes Gartenparterre prägt deren Innenleben mit intimer Atmosphäre. Den Innenräumen vorgelagert wird eine grosszügige, mit Bäumen bestückte Grünfläche angelegt.

Am Westende der Überbauung, angrenzend zur Grundstrasse, entsteht ein terrassenartig aufgebauter Platz mit Baumgruppe und Sitzgelegenheit. Mit diesem gestalterischen Element soll auch eine gewisse Transparenz zwischen privaten und öffentlichen Grund hergestellt werden.