Der EHC Olten hatte letzte Saison ein Budget von rund sechs Millionen Franken. In den nächsten Jahren ist das sportliche Ziel klar: Der Eishockeyverein will in die National League, in die höchste Spielklasse, aufsteigen. Damit der Club dort auch wirtschaftlich mithalten kann, braucht er mehr Einnahmen. Ein Mittel dazu ist die neue VIP-Tribüne für 82 Personen, welche auf die nächste Saison hin vor das Restaurant Muusfalle gebaut wird und zur Folge hat, dass der Gastrobetrieb für den normalen Matchbesucher nicht mehr zugänglich ist (wir berichteten).

Auf diese Saison hin erhöht der EHC Olten zudem auch die Preise für Einzeltickets und Saisonabos, vor allem im Sitzplatzbereich. Man reagiere so «auf stetig steigende Kosten bezüglich Infrastruktur, Sicherheit und Spielbetrieb», heisst es im Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, an die bisherigen Saisonabo-Besitzer (siehe Kontext).

Fans nicht enttäuschen

Beide Ankündigungen kommen bei einigen Fans nicht gut an – in den sozialen Medien wird Kritik laut: «Aufpassen, dass man die grosse Fangemeinde nicht enttäuscht für 82 Nasen», schreibt einer oder «der normale Fan bleibt in Olten einmal mehr auf der Strecke» ein anderer. Manche sehen sogar einen Zusammenhang zwischen beiden Sachverhalten und vermuten, dass sie die neue VIP-Tribüne mit den Preiserhöhungen der Tickets mitfinanzieren. Doch es gibt auch Stimmen, die sich mit Kritik zurückhalten.

So etwa Tifosi Olten, die Dachorganisation der Oltner Fanclubs. Auf Anfrage schreibt Vorstandsmitglied Ronnie Url, dass «die geplante VIP-Tribüne für uns kein Problem darstellt», weil es im Stadion zuwenig Sitzplätze gebe, um neue Sponsoren anzulocken. Problematisch werde es nur, wenn der Klub anstelle der «Muusfalle» kein anderes Restaurant zur Verfügung stelle. Auch mit den Preiserhöhungen können die Tifosi Olten leben, weil sie «vor allem die Sitzplätze betreffen und dort die Nachfrage grösser ist als das Angebot».

Der Verein zeigt Verständnis für die einzelnen kritischen Reaktionen, begründet aber auch die Preiserhöhungen. «Die Ticketeinnahmen in der letzten Saison sind trotz des höchsten Zuschauerdurchschnitts in der Swiss League unter den Erwartungen geblieben», sagt Mediensprecher Pierre Hagmann auf Anfrage. So habe der Verein unter anderem auch nach Vergleichen mit ambitionierten Nati-B-Klubs entschieden, die Preise bei den Sitzplätzen zu erhöhen, nicht aber – mit wenigen Ausnahmen – bei den Stehplätzen. Letztmals geschah dies vor vier Jahren nach der Sanierung des Eishockeystadions.

«Wir nahmen Rücksicht auf die Oltner Fans, welche vor allem ein Stehplatzpublikum sind und haben keine neuen Sitzplätze gebaut.» Im Stadion Kleinholz gibt es rund 1000 Sitz- und 5300 Stehplätze. Vereinzelt hätte es erboste Rückmeldungen auf die Preiserhöhungen bei den Saisonabos gegeben. «Mit diesen Leuten haben wir Kontakt aufgenommen.» Er stellt aber klar, dass die neue VIP-Tribüne für 400 000 Franken nicht über die Preiserhöhungen finanziert wird, wie dies einige Fans vermuten. «Das Projekt belastet das reguläre Budget nicht, sondern wird über einen Namensgeber finanziert», sagt Hagmann. Mehr will er dazu nicht verraten. Der neue VIP-Bereich stosse auf sehr gute Resonanz, ergänzt er. Bereits sei ein sechsstelliger Betrag dank Tischbuchungen für die ganze Saison und neuen Business-Partnern zugesichert.

Migros als Catering

Weil das Restaurant Muusfalle künftig Sponsoren und Donatoren vorbehalten ist, sucht der Verein nach einer öffentlich zugänglichen Alternative. «Es wird ein überdachtes Restaurant mit gemütlicher Atmosphäre geben», sagt Hagmann. Die schlechte Nachricht: Der Gastrobetrieb steht ausserhalb des Stadions ohne Sicht aufs Spielfeld. Die gute Nachricht: Wie bei der «Muusfalle» soll auch im alternativen Gastrobetrieb die Migros das Catering übernehmen. Der Einjahresvertrag mit der Migros wurde bekanntlich um zwei weitere Jahre verlängert (wir berichteten).

Die Migros Aare als Pächterin schreibt auf Anfrage, dass man über das Bauvorhaben informiert sei und nun geprüft werde, wie man «die neue Situation bestmöglich und zur Zufriedenheit aller umsetzen» könne. Mit dem bisherigen Geschäftsgang nach einem Jahr ist die Migros zufrieden. Wie das Unternehmen zum geplanten VIP-Bereich in der «Muusfalle» steht, dazu sagt die Medienstelle allerdings nichts.