Der Kanton Solothurn hat schon viele gute Autoren hervorgebracht. Nur, dass ein grosser Teil von ihnen leider in Vergessenheit geriet oder gar nie bekannt wurde. Der Herausgeber der «Solothurner Klassiker», Hans Brunner, und sein Neffe, Verleger Thomas Knapp, wirken dem entgegen. Bereits zwölf der angekündigten 40 Bände der Reihe «Solothurner Klassiker» sind erschienen. «Geplant sind acht pro Jahr, immer vier aufs Mal, das ist drucktechnisch so bedingt», berichtet Hans Brunner.

Die nächsten vier Ausgaben sind für November vorgesehen. Da freue er sich besonders auf die Texte von Cécile Lauber. «Sie schreibt über Solothurn. Ich mag Solothurn. Wenn man ihre Zeilen liest, ist es, als wenn man mit dem Buch in der Hand durch Solothurn laufen würde», so Hans Brunner.

«Wir haben die ‹Solothurner Klassiker› auf 40 Bände begrenzt», so der Herausgeber. Die Auswahl sei nicht nach Bekanntheitsgrad getroffen worden. «Berücksichtigt haben wir die verschiedenen Regionen des Kantons , ob die Autoren männlich oder weiblich und ihre Werke in Mundart oder Schriftsprache verfasst sind», erklärt der Winznauer. So hätten manche bekannte Autoren über die Klinge springen müssen zugunsten von Unbekannten.

Viel Freizeit investiert

Hans Brunner arbeitet mit Verena Bider von der Zentralbibliothek Solothurn zusammen. «Meine Freizeit spielte sich schon immer in Archiven und Bibliotheken ab», erzählt der ehemalige Konservator des Historischen Museums Olten. So hat er über die Jahre vieles gesammelt und die Manuskripte für die «Solothurner Klassiker» sorgfältig von Hand abgetippt. Die Texte stammen aus Periodika, Festschriften, Ortschroniken, Kalendern, Zeitschriften, Büchern oder alten Schulbüchern. «Vieles habe ich in Brockenstuben gefunden.» Teilweise handelt es sich um Bücher oder Periodika, welche gar nicht mehr erhältlich gewesen wären oder im Antiquariat ein Vermögen gekostet hätten.

«Das Verdienst meiner Arbeit sehe ich darin, dass ich jemandem eine Plattform geben kann, der es verdient hat», so der Herausgeber. Neu erschienen sind nun Werke von Gottfried Klaus, Vinzenz Grossheutschi, Joseph Joachim und Franz Josef Schild.

Gottfried Klaus (1899–1963) war zunächst Lehrer in Kleinlützel, Derendingen und Olten, ehe er sich der Politik widmete. 1943 wurde er in den Ständerat und 1949 in den Regierungsrat gewählt. Als kritischer Geist gelang es ihm, seine Ansichten über kulturelle und politische Fragen in spritzigen Versen auszudrücken.

Adalbert Grossheutschi (1894– 1937) wurde in Hofstetten geboren. Nach der Matura trat er ins St. Gallusstift in Bregenz ein. Mit der Profess erhielt er den Klosternamen Vinzenz. Grossheutschi war Dozent für Kirchenrecht und Kirchengeschichte. Im Kloster war er Bibliothekar, Kapitelsekretär, Archivar, Brüderinstruktor und Seelsorger, und er war ein gern gehörter Prediger – einige seiner Predigten erschienen im Druck. Als Schriftsteller schrieb er Novellen, Kolumnen und Erzählungen.

Engagement für die Allgemeinheit

Josef Joachim (1834–1904) wird auch der «Solothurner Gotthelf» genannt. Er wurde als siebtes Kind in eine Bauernfamilie in Kestenholz geboren und heiratete die Schwester des neu nach Kestenholz gewählten Pfarrers, die neunzehn Kinder gebar, von denen aber nur acht überlebten. Als Landwirt waren die Zeiten hart, was auch in Joachims Werken spürbar ist. Seine literarischen Arbeiten erschienen in allen grossen Schweizer Zeitungen, seine Romane wurden von bekannten Verlagen herausgegeben und auch ins Französische übersetzt. Josef Joachim engagierte sich auch für die Allgemeinheit, etwa für die Dünnernkorrektion oder die Gäubahn. «Er ist mein Favorit unter den verlegten Autoren», so Hans Brunner.

Und zum Schluss noch Franz Josef Schild (1821–1889). Er ist als der «Grossätti vom Leberberg» in die Geschichte eingegangen. Er studierte Medizin und eröffnete in Grenchen und später in Solothurn eine Arztpraxis. Die meisten Patienten besuchte er daheim. So wurde er mit ihren Lebensgewohnheiten vertraut und lernte Sprichwörter, Bauernregeln, Kinderverse, Spottlieder und Volkslieder kennen, die er sammelte und die ihm später beim Mundartwörterbuch Schweizerisches Idiotikon sehr hilfreich waren. Er widmete sich mit viel Leidenschaft der Poesie und der Dichtkunst.

Die «Solothurner Klassiker» kosten 34 Franken pro Stück und sind direkt beim Knapp Verlag oder in jeder Buchhandlung erhältlich.