Treffpunkt für das Interview mit der letztjährigen Gewinnerin des Kabarett-Castings ist die schicke «Jack’s Brasserie» des Schweizerhofs in Bern. Ist die Nachwuchs-Kabarettistin Lisa Catena etwa schon zum grossen Geld gekommen? (Noch) nicht ganz, stellt sich während des Gesprächs heraus – aber sie ist offensichtlich auf dem besten Weg dazu.

In die Kabarett-Szene katapultiert

Knapp ein Jahr ist es her, dass die 33-jährige Bernerin mit ihrem Programm «Wäutfriede» beim ersten Oltner Kabarett-Casting gewann und das projektgebundene Preisgeld von 10 000 Franken mit nach Hause nehmen konnte. Seither hat sich für die Liedermacherin und Kabarettistin einiges verändert. Mit dem Casting war sie «automatisch am richtigen Ort» und wurde gleich in die Kabarett-Szene katapultiert. So erhielt sie bald von verschiedenen Veranstaltern Arbeitsangebote, wie zum Beispiel im «Spasspartout» auf Radio SRF 1, in der Satiresendung «Wochenrückblick» auf Journal B und in «Comedy aus dem Labor» auf dem TV-Sender SRF 1.

(Quelle: youtube.com/lisacatena)

Lisa Catena

Gleich losgelegt

«Ich konnte extrem viel vom Kabarett-Casting profitieren», sagt die Satirikerin rückblickend. «Dafür bin ich den Organisatoren des Castings auch sehr dankbar. Es war wirklich eine unglaubliche Förderung», fügt sie hinzu.

Das gewonnene Geld investierte sie in die Regiearbeit, aber auch in Schauspielunterricht und in das Bühnenbild. «Es war toll, meine Idee gleich nach dem Casting umsetzen zu können – ohne an das Geld denken zu müssen.»

Weitere Preise gewonnen

Das Stück «Wäutfriede», welches sie konstant weiterverbessert, brachte ihr mittlerweile noch zwei andere Preise ein: den «Swiss Comedy Award» und den «goldigen Biberfladen». «Diese sind eine schöne Bestätigung, dass ich auf den richtigen Weg bin», freut sich Catena. «Es war für mich wirklich ein fantastisches Jahr.» Mit leuchtenden Augen erzählt sie, wie fasziniert und begeistert sie von ihrer aktuellen Arbeit auf der Bühne und im Radio ist. Eine Arbeit, die sie voll zu erfüllen scheint. «Ich habe meinen Platz gefunden», sagt sie zufrieden.

Dafür musste sie aber einige Zeit lang danach suchen: «Über acht Jahre ging ich einige Umwege.» Sie sei ein «typisches Beispiel» für die Kinder der 68er-Generation, die in einem alternativen und antiautoritären Umfeld aufgewachsen sind. So war es auch ihre eigene Biografie, welche sie zu ihrer mädchenhaften und naiven Bühnenfigur inspirierte, die sich in der harten Realität behaupten muss. Als diese anfängt sich mit der Politik zu befassen, legt sie eine ganz eigene Interpretation zutage, die geprägt ist von «Liebe, Frieden und Rudolf-Steiner-Schule.» Dabei hält sie stets an ihrer heilen Welt fest. Catena, die in ihrer Bühnenfigur eine «Überspitzung ihrer eigenen Kindheit» sieht, benutzt deren Naivität dabei bewusst als Stilmittel.

Ihre Zukunft ist das Kabarett

Obwohl sie in diesem Jahr bereits viel gelernt habe, lerne sie jetzt immer noch dazu. Und so soll es nach ihr in den nächsten Jahren auch weitergehen. «Ich habe noch viel vor mir», freut sie sich. Viele spannende Projekte und Herausforderungen warten nämlich auf sie. Für sie ist es klar: Ihre Zukunft ist das Kabarett. Wobei sie aber ihre musikalischen Wurzeln nicht einfach wegsteckt. «Ich trenne da Musik und Kabarett nicht strikt voneinander», stellt sie klar. Für sie gehöre alles ein bisschen zusammen. So sind in ihrem Kabarett-Programm auch Gitarreeinlagen und Gesang enthalten, und umgekehrt waren früher in ihren Liedern ganze Spoken-Word-Passagen zu hören. Nun habe sie lediglich «den Schwerpunkt verlagert».

Kein Futterneid

In der relativ kleinen Szene wurde sie gut aufgenommen. Alle seien «sehr aufgeschlossen» und «extrem offen». Futterneid gäbe es da keinen.

Ihr ausgearbeitetes Programm wird sie am 30. Mai an den 26. Oltner Kabarett-Tagen in der Schützi vorführen. Dazu meint sie nur: «Ich freue mich dorthin zurückzukehren, wo alles angefangen hat.»

Weitere Infos zu den 26. Oltner Kabarett-Tagen (22. Mai bis 1. Juni) unter www.kabarett.ch