Jeden Oktober tauchen die Plakate wieder auf. Ein handgemaltes Schwein, dazu ein Datum und die Worte Buremetzgete und Engelberg. Mehr Informationen sind nicht nötig. Die Eingeweihten finden den Weg auf den Olymp des Fleischgenusses auch dieses Jahr mühelos; trotz steiler Strasse, Kälte und Dunkelheit.

Das Restaurant auf dem Engelberg wird nur zum Parkieren benutzt, denn die Metzgete findet im Stall von Anton Felder statt. Wo sonst Lämmer das Licht der Welt erblicken, sitzen an diesem Freitagabend ungefähr zweihundert Leute an Festbänken.

Der Eingangsbereich ist ungeheizt, doch die Kälte ist schnell vergessen. Am Buffet dampft es: Blut-, Leber- und Bratwürste, Gnagi, Rippli, Braten, Leberli, dazu Rösti und Sauerkraut. Eine Dame, die in der Metzgerei der Gebrüder Felder in Safenwil arbeitet, steht mit Schöpflöffel und Wurstzange hinter dem Tisch. Doch die Gäste dürfen sich auch selber bedienen. Um 20 Uhr, eine Stunde nach Eröffnung der Metzgete, ist die Schlange immer noch gleich lang.

Manche Teller sind noch sauber, andere Gäste stehen offensichtlich nicht zum ersten Mal an. 25 Franken kostet ein Teller, der nach Belieben gefüllt werden kann. So oft, wie man will. «Wir möchten, dass die Leute von allem essen können», erklärt Anton Felder. «Deshalb sind auch unsere Bratwürste nicht so gross.» Der 68-jährige Patron steht zufrieden inmitten des Trubels. «Die ganze Familie macht hier mit», sagt er.

Sein Sohn René schwitzt hinter dem Buffet in der Küche. Das sind mehrere grosse, fauchende Gasbrenner, überwacht vom Küchenchef in Weiss. Die Röstipfanne ist so gross, dass man darin ein ganzes Schwein braten könnte. Doch das ist schon verwurstet worden. Immer wieder schreit die Dame vom Buffet «Blutwürste», oder «Rösti» und dann sorgt René Felder für Nachschub. «Unsere Metzgete ist sehr traditionell, wir machen alles selber», sagt er.

Atmosphäre zieht Gäste an

Die Essenden tragen Jeans, Faserpelz und Edelweisshemden. Viele sind zu Fuss auf den Engelberg gestiegen, die Buremetzgete der Felders gehört für sie zum Herbst wie die Zwiebelsauce zur Bratwurst. Keiner der befragten Personen will sich auf einen Favoriten am Buffet festlegen. Es sei alles fein, heisst es. Schwein gehabt.

Auch Kinder greifen zu. Auf die Frage, was sie den gegessen hätten, antworten drei Mädchen: «Rösti und Fleisch.» Aber das Beste seien für sie die Apfelringli zum Dessert, fügt der Vater hinzu. Ein Herr hat auf seinem Teller Blutwurst, Leberli und Schnitz vermischt. Mit einem seligen Gesichtsausdruck verspeist er seine Kreation.

Als kurz vor neun Uhr zum ersten Mal niemand mehr vor dem Buffet ansteht, füllt auch Anton Felder einen Teller. «Früher hatte jeder Bauer ein Schwein», erklärt er zwischen zwei Bissen. «Die Schweine wurden im Herbst gemetzget und die Würste mit den Nachbarn geteilt. Es wurde gestaffelt gemetzget, sodass man den ganzen Winter über frisches Fleisch hatte.» Trotz der immer grösser werdenden Besucherzahl hat die Buremetzgete auf dem Engelberg diesen kleinen, feinen Charakter behalten.

Nach dem Essen bleiben die Gäste sitzen, man wechselt von Bier zu Kafi Schnaps. Die Küchenmannschaft gönnt sich eine kurze Pause, doch das Buffet bleibt geöffnet. «Solange es Gäste hat, gibt es zu essen.» Anton Felder sitzt neben dem Ausgang. Er verabschiedet die Gäste mit Händedruck und Namen. «Vielen Dank, Toni. Esch sehr fein gsi», sagt einer. Anton Felder strahlt.