Jeder kennt sie, keiner mag sie: Kopfläuse. Obwohl die kleinen Tiere – anders als Zecken – grundsätzlich ungefährlich sind, können sie doch sehr unangenehm sein. Sie werden deshalb bekämpft, auch wenn es unmöglich ist, sie auszurotten. Durch direkten Haarkontakt übertragen, besiedeln sie jeden Kopf, ob jung oder alt, männlich oder weiblich.

Durch die Nähe unter den Kindern verbreiten sie sich vor allem in Schulen und Kindertagesstätten. Dennoch ist längst nicht in allen Gemeinden geregelt, wie dieses Problem systematisch angegangen werden soll.

Oltner Konzept ist erfolgreich

Anders ist das in Olten. Die Stadt hat seit März 2007, also seit genau zehn Jahren, ein Kopflauskonzept. Zuvor gab es keine klare Strategie bei einem Lausbefall in den Schulen. Es zeigte sich, dass die Läuse ohne eine geregelte Vorgehensweise nicht kleinzukriegen sind. Forderungen nach einem Leitfaden wurden laut. Der damalige Rektor Roland Giger beauftragte darauf die diplomierte Pflegefachfrau HF Rosetta Niederer aus Olten mit der Ausarbeitung eines Konzepts zur Bekämpfung der Kopfläuse.

Niederer, die bis heute Kopflausfachperson der Oltner Schulen ist, hat dieses Konzept erstellt und anschliessend aufgrund ihrer Erfahrungen laufend adaptiert. Darin ist explizit von Kopflausfachpersonen die Rede und nicht von Kopflausfachfrauen und schon gar nicht von Laustanten. Niederer sagt: «Früher war eine Tante eine Respektsperson und somit auch der Begriff Laustante bei weitem nicht so negativ konnotiert wie heute. Ausserdem können Frauen und Männer diese Arbeit ausführen.»

Das Konzept funktioniert folgendermassen: Wird ein Kopflausbefall festgestellt, muss dieser auf jeden Fall allen involvierten Personen gemeldet werden. «So verringern wir die Verbreitung der Läuse in der Zeit zwischen Fund und Behandlung», erklärt Rosetta Niederer. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden wird die Klasse des betroffenen Kindes von der Fachperson kontrolliert. Bestätigt sich der Verdacht, erhalten die Eltern der ganzen Klasse ein Orientierungsschreiben und ein Merkblatt zu Kopfläusen und deren Behandlung. 12 bis 14 Tage nach der ersten Kontrolle besucht die Kopflausfachperson die Klasse erneut.

Läuse krabbeln im direkten Kopfkontakt von einem Haarschopf zum anderen. Sie sind ungefährlich, jedoch juckt es und kann bei zu häufigem Kratzen zu Entzündungen der Kopfhaut führen. Mit einem Lauskamm kann der Befall überprüft werden, um dann mit einem Kopflausmittel gegenzuwirken.

Ein Lauskamm hilft die kleinen Tierchen sichtbar zu machen.

Läuse krabbeln im direkten Kopfkontakt von einem Haarschopf zum anderen. Sie sind ungefährlich, jedoch juckt es und kann bei zu häufigem Kratzen zu Entzündungen der Kopfhaut führen. Mit einem Lauskamm kann der Befall überprüft werden, um dann mit einem Kopflausmittel gegenzuwirken.

Gleichzeitig bestätigen die Eltern schriftlich die regelmässige Kontrolle und gegebenenfalls die Behandlung. War die Behandlung bei einem Kind mangelhaft oder blieb erfolglos, erhält dessen Familie einen Hausbesuch der Kopflausfachperson, die alle Familienmitglieder kontrolliert, berät und behandelt. «Das kommt jedoch nur noch ein bis zwei Mal jährlich vor», meint Niederer.

Hilft auch das nicht, wird verfügt, dass das betroffene Kind für zwei Tage krankgeschrieben ist und die Eltern verpflichtet sind, eine Behandlung durchzuführen. Niederer stellt fest: «Den Erfolg des Konzepts kann man etwa daran ablesen, dass die Anzahl Hausbesuche abgenommen hat. Zudem waren die meisten der besuchten Eltern froh, in einem diskreten Rahmen informiert worden zu sein und Hilfe erhalten zu haben.»

Vorzeigerolle im Kanton

Rosetta Niederer gilt als Pionierin im Kanton Solothurn. Deshalb ist sie auf der Website des kantonsärztlichen Dienstes in der Rubrik «Kopfläuse» als Kontaktperson aufgeführt. Dort stehen auch die von ihr verfassten Orientierungsschreiben zum Download zur Verfügung. Obwohl Niederer nur für Olten zuständig ist, wird sie auch von anderen Gemeinden angefragt. Diesen steht sie mit Rat und Tat zur Seite und ist auch gewillt, weitere Kopflausfachpersonen auszubilden, die dann für einzelne Gemeinden zuständig sind. «Bis anhin wurde das Problem oft unter der Hand geregelt», weiss Niederer. An einigen Orten kam sogar schon die Spitex zum Einsatz. Um die Suche nach geeigneten Fachleuten zu vereinfachen, ist ein Verzeichnis in Planung. «Alle, die Erfahrung im Umgang mit Kopfläusen haben und sich für Schulbesuche anbieten würden, sollen sich beim kantonalen Gesundheitsamt melden», sagt Rosetta Niederer. So soll bald überall schnelle Hilfe möglich sein.

Mehr Infos unter www.lausinfo.ch