Das muss ihm erst mal einer nachmachen: Mit über 80 spielt Emil Steinberger noch vor vollen Rängen; das Stadttheater Olten war am Freitag bis auf den letzten Platz besetzt. Auch ein Blick auf seine Website zeigt: Sämtliche seiner Vorstellungen dieses Jahr sind bereits ausverkauft. Emil ist schliesslich Schweizer Kulturgut. Entsprechend wurde er empfangen: Noch bevor er auf der Bühne auch nur ein Wort gesagt, eine Grimasse gezogen hatte, jubelte ihm das Publikum zu.

Emil ist ja so etwas wie eine lebende Legende. Als solche, schien es, kann er eigentlich gar nichts mehr falsch machen. Denn mit einer Dauer von beinahe drei Stunden war das Programm sehr lang geraten, die Sitze im Stadttheater gehören nun nicht gerade zu den bequemsten.

Auch die Nummern, die er spielte, waren unterschiedlich unterhaltsam. Die Zuschauer schienen ihm diese Nebensächlichkeiten aber gerne zu verzeihen, er hatte die Sympathien auf seiner Seite.

Häufiger Gast in Olten

Emil war in den letzten Jahren immer wieder mal in Olten zu Gast. 2012 und 2013 an der Buchmesse, 2009 und 2013 im Stadttheater, 2015 für eine Veranstaltung des Knapp-Verlags. Auf seiner aktuellen Tour «Emil – no einisch» präsentiert Emil Steinberger eine Mischung aus neuem Material und Klassikern.

Diese erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit, wie auch die Vorstellung im Stadttheater bewies: Sei es Emil als Polizist Schnyder nachts um halb drei auf dem Polizeirevier oder als Nachbar, der im Fenster lehnend die Leute beobachtet und deren Leben kommentiert. Spannend zu beobachten auch die Reaktion der Leute, wenn sie eine bekannte Nummer ahnten.

Es sei schon imponierend, wie schnell alles gehe heute mit dem Handy, meinte etwa Emil. Darum wolle er einmal zeigen, wie es früher war. «Jetzt kommt sicher das ‹Kreuzworträtsel›!», erriet ein Fan. Das Publikum spendete bereits im Voraus tosenden Applaus.

Von «saugut» bis «zwängt»

Die Sketche jüngeren Datums fielen hingegen teilweise ab. So meinte ein Zuschauer in der Pause: «Es gab Sachen, die waren saugut, und andere, die wirkten zwängt.» Dies war etwa der Fall, als Emil von Freizeitbeschäftigungen erzählte, denen man im Alter nachgehen könne.

So lese er beispielsweise gerade das Buch «Cannabisanbau im Alter». Ausserdem besuche er den Zweitageskurs «Wie stelle ich den Computer ab». Es folgten weitere Beispiele dieser Art; sie wirkten etwas gesucht.

Im Grossen und Ganzen weiss Emil aber nach wie vor, wie er sein Publikum begeistert. Seine Themen mögen mit der Zeit zwar geändert haben, der Bünzli, den er seit Jahrzehnten zelebriert, ist aber auch heute kein wesentlich anderer als vor zwanzig oder vierzig Jahren. In ihm erkennen wir uns – oder zumindest unsere Nachbarn – wohl alle ein bisschen wieder.