Olten

Auch im Jahr 2017 hat es an Absurdem nicht gemangelt

Der «Bundesordner» warf in der Oltner Schützi einen satirischen Blick zurück auf das Jahr 2017.

Wissen Sie noch, was letztes Jahr los war? Oder neigen Sie dazu, die Vergangenheit zu verdrängen? Wie dem auch sei, einige Themen aus dem Jahr 2017 sind ja ins 2018 rübergeschwappt. Die lassen sich beim besten Willen nicht so leicht ausblenden; seien dies #MeToo, No Billag oder das amerikanische Trumpeltier. Wohl weil sie an Aktualität nichts eingebüsst haben, waren sie auch Hauptgegenstand des Bundesordners 2017 in der Schützi. Der satirische Jahresrückblick des Casinotheaters Winterthur fand zum zehnten Mal statt.

Der Sexroboter tut’s ja auch

Es waren ein paar gute Nummern drunter. Anet Cortis «Tele Suisse Voll Privat» etwa, der neue Sender, der «Schweizer Qualität ohne Zwangsgebühren» liefert und mit Sünneli-Logo daherkommt. Wenn nicht gerade im Halbminutentakt Werbung für Blochers Ems-Chemie läuft – «Mit Exit musch d’ Wält nümm verlah, chasch au mit üsem Ems-Züg gah» – besticht der Privatsender mit Formaten wie dem «Hätscheler», wo Andreas Glarner jede Woche eine Asylbewerberin ausweisen darf, der «Huusfrauechuchi» (sponsored by Schweizer Bischofskonferenz) oder dem «Literaturclub», moderiert von Roger Köppel.

Slam-Poet Laurin Buser sinnierte indes übers Mannsein: «Es gab eine Zeit, da war ein Mann noch ein Mann.» Hingegen das Männerbild heute: völlig verrutscht. «Früher hat er geraucht, heute wird am Ingwer gelutscht.» Und seit jeder Mann als potenzieller Täter gilt, ist klar: den Frauen muss Mann abschwören. Der Sexroboter zu Hause tut’s ja auch.

Einfach offline bleiben?

Was 2017 auch noch geschah: Polo Hofer sang ab, Bergsteiger Ueli Steck griff zu hoch, im Aargau wollten sie nicht einbürgern und Eier gabs auch mit Giftzugabe. Trump errichtete Mauern im Geiste und Kim fuchtelte mit der Atombombe herum. Insgesamt blieb das Publikum zurückhaltend, die einzelnen Darbietungen waren zu wenig lustig oder dann zu wenig berührend und manchmal auch schlicht nicht verständlich. Die No-Billag-Geschichte etwa wurde auf drei Erzählstränge ausgewalzt. Als das ganze Ensemble den Abend singend beschloss mit: «Und mir göi alli hei und stimme No Billag: Nei!», hatte auch der Hinterletzte im Saal die Botschaft begriffen.

Klar wurde, dass es auch im Jahr 2017 an Absurdem nicht gemangelt hatte. Wie da noch bei Sinnen bleiben? Laurin Busers Vorschlag: «Ich war im ’17 einfach offline, ich hab das alles nicht erlebt.» Sicher, Abhängen ist auch nicht die Lösung. Aber zwischendurch wohl keine schlechte Idee.

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