Rund ein Dutzend Lehrlinge wurden seit 2002 in der Firma Hans Marti Schreinerei und Schliesstechnik in Kappel ausgebildet. Momentan sind mit Jenny Luder, Sven Hürzeler (Schreiner) und Patrick Kühne (kaufmännischer Angestellter) drei Auszubildende im Betrieb tätig. Jenny Luder darf am 5. Juli wohl ihren erfolgreichen Lehrabschluss als Schreinerin feiern. Ihr Chef ist überzeugt: Sie wird mit Bravour bestehen. «Danach möchte ich gerne in einen anderen Betrieb wechseln, um neue Erfahrungen zu sammeln», meint sie entschlossen. Am liebsten wäre ihr ein Beruf, bei dem sie mit alten Gebäuden zu tun hätte, erklärt Jenny.

Geschäftsführer Hans Marti betreute die Jugendlichen zusammen mit den beiden Lehrmeistern Heinz Eggnauer und Pascal Bürgi durch die Ausbildung. «In der Schule war sie die ganze Zeit über gut. Doch ansonsten gab es schon mal ein Auf und Ab der Gefühle», schmunzelt Marti. Denn Themen wie etwa Liebeskummer gingen an den Lernenden nicht spurlos vorbei, weiss Marti Bescheid. «Aber auch in solchen Angelegenheiten müssen wir für unsere Auszubildenden da sein.»

Deswegen sei auch der Kontakt mit den Eltern besonders wichtig, so Marti. «Falls wir in gewissen Bereichen nicht mehr weiterkommen, sagen wir den Eltern Bescheid. Im Normalfall erzählen die Jugendlichen zu Hause mehr als im Lehrbetrieb», weiss er aus Erfahrung. Solche Situationen seien jedoch eher selten. Zweimal im Jahr, nämlich bei der Notenvergabe am Ende jedes Semesters, setzt sich Marti mit den Eltern zusammen, um die Ergebnisse zu besprechen.

Wenn sich die Noten plötzlich massiv verschlechtern, müssten die Eltern ebenfalls mithelfen, eine Lösung zur Besserung zu finden. Auch bei Unpünktlichkeit oder unangemessenem Auftreten würde der Lehrbetrieb so vorgehen. Dies nenne sich «der sanfte Druck», lacht Marti. «Manche Eltern haben selber einen Schreinerbetrieb und möchten, dass ihre Kinder in deren Fussstapfen treten.» Ein schwieriges Unterfangen, weiss Marti. Man merke schnell, dass die Motivation fehle. 

Ein Lehrmeister müsse zudem immer Zeit für den Lernenden finden. «Wenn es nötig ist, dann müssen wir beispielsweise an einem Samstag mit dem Lehrling zusammensitzen und lernen», versichert Marti. Gut ausgebildete Arbeitskräfte seien für den Fortbestand der Schreinerbranche unabdinglich. «Vor einigen Jahren hatte ein Lernender grosse Mühe in der Schule. Wir bemerkten, dass es so nicht mehr weitergehen konnte, und einigten uns im Gespräch auf eine Anlehre», erinnert sich Marti. Es habe dem Jungen nicht geschadet. «Er hat die Anlehre als Schreiner abgeschlossen und arbeitet heute in einem Holzbetrieb in Niedergösgen», so Marti. Ein anderer ehemaliger Lehrling sei wiederum sehr gut in der Berufsschule vorangekommen und habe begleitend dazu die Berufsmatura absolviert. «Es ist sehr wichtig, jeweils abzuschätzen, wie intensiv ein Lehrmeister mit dem Lernenden arbeiten muss».

Die Lehrlinge haben einen Ordner mit ihrer persönlichen Lerndokumentation. Darin ist detailliert aufgeführt, was die Jugendlichen zu welchem Zeitpunkt wissen müssen. «Ich orientiere mich danach und arbeite mit ihnen Woche für Woche auf die Ziele hin», erläutert Marti. Er müsse die Arbeitsblätter ebenfalls visieren und den Lernenden in die Berufsschule zur Kontrolle mitgeben: «Die Lehrer kontrollieren alle Aufgaben sorgfältig und würden mich sofort informieren, falls die Leistung nicht mehr stimmen würde.» Bei der Lehrabschlussprüfung hätten die Lernenden dann mehr Freiraum. Sie könnten selber entscheiden, welches Werkstück sie für die Prüfung herstellen und den Experten präsentieren wollen. «Sie dokumentieren den ganzen Auftrag selber, berechnen die benötigten Arbeitsstunden und rüsten das Material dazu», sagt Marti zur Vorgehensweise. Danach bewerte die Schule, ob die Arbeit für die Abschlussprüfung geeignet ist.

Die Experten würden zudem einmal während der Vorbereitungen und dann am Tag der Prüfung im Betrieb vorbeischauen, erklärt Marti den Ablauf. Seit einigen Jahren darf die Abschlussprüfung nämlich im eigenen Betrieb stattfinden. «Dies ist viel besser, weil so die Nervosität in der vertrauten Umgebung geringer ist und die Lernenden nicht noch unnötig nach Werkzeugen oder Maschinen suchen müssen», findet Marti.